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Euer Gasherd ist ein Klimakiller - und ein Risiko für eure Gesundheit

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Ein Gasherdplatte auf gelbem Hintergrund
Nicht nur für die Umwelt sind Gasherde schädlich, sondern auch für die eigene Gesundheit. © BuzzFeed News US

Noch immer finden sich in vielen Wohnungen Gasherde. Dabei sind die für die Umwelt und euch alles andere als gesund, warnen Expert:innen aus den USA.

Ob man es weiß oder nicht, das eigene Zuhause ist voller mikroskopischer Partikel und anderer unsichtbarer Schadstoffe, die die eigene Gesundheit bis zu einem gewissen Grad beeinträchtigen können. Ruß von Kerzen, Dämpfe von Möbeln, Mikrofasern von Wäsche und Proteine, die von Haustieren oder anderen Schädlingen abgegeben werden, können sich negativ auf die Lungen auswirken. Sogar der Staub, der sich unter dem Bett versteckt, kann mit allergieauslösenden Milben gefüllt sein.

Tatsächlich ist die Belastung durch Schadstoffe drinnen manchmal größer als draußen, was schlecht ist, wenn man bedenkt, dass Menschen immer mehr Zeit drinnen verbringen. Die us-amerikanische Environmental Protection Agency erklärt, dass die Luftverschmutzung in Innenräumen zwei- bis fünf- und manchmal mehr als 100-mal höher sein kann als im Freien.

Eine der häufigsten Quellen für Luftverschmutzung in Innenräumen befindet sich möglicherweise in der Küche: ein Gasherd. Das Erdgas, das es verbrennt, besteht hauptsächlich aus Methan (70 bis 90 Prozent), zusammen mit Ethan, Butan und Propan. Bei der Verbrennung setzt das Gas eine Reihe von Nebenprodukten frei, von denen viele schädlich sein können.

New York verbietet den Neueinbau von Gasöfen und Boilern

Gasherde rücken gerade wegen ihrer Rolle beim Klimawandel wieder ins Rampenlicht. Im Dezember unterzeichnete der Bürgermeister von New York City ein Gesetz, das gasbetriebene Öfen und Wasserboiler in Neubauten ab 2023 verbietet. Andere Städte in Kalifornien und Washington haben ähnliche Verbote erlassen.

Die potenziellen Auswirkungen von Gasherden auf das Klima sind real. Erst im Januar 2022 haben Eric Lebel und seine Kolleg:innen von der Stanford University eine Studie in der Zeitschrift Environmental Science & Technology veröffentlicht, in der festgestellt worden ist, dass Methan, ein starkes Treibhausgas, aus Gasherden auch dann austritt, wenn sie ausgeschaltet sind. Die Forscher:innen untersuchten zwischen Januar 2020 und Mai 2021 53 kalifornische Häuser und Mietobjekte und testeten 18 Marken von Gaskochfeldern im Alter von drei bis 30 Jahren.

Sie schätzen, dass das jährliche Methan, das von US-Gasherden produziert wird, eine Klimawirkung hat, die dem Kohlendioxidausstoß von etwa einer halben Million benzinbetriebenen Autos entspricht. Es ist wichtig zu erwähnen, dass Methan, obwohl es nicht so lange in der Luft verweilt wie Kohlendioxid, über einen Zeitraum von 20 Jahren ein Erwärmungspotenzial hat, das etwa 86-mal größer ist als sein Treibhausgaspendant. Während die Wirkung von Gasherden auf das Klima der Hauptgrund für viele der neueren Vorschriften und Forschungen ist, können die Schadstoffe, die diese Geräte freisetzen, auch die Gesundheit beeinträchtigen.

Warum sind Forscher:innen besorgt über Gasherde?

Zusätzlich zu Methan stoßen Gasherde jedes Mal Kohlenmonoxid, Stickoxide, Feinstaub, Stickstoffdioxid und Formaldehyd (welches stark krebserregend ist) aus. Einem EPA-Bericht aus dem Jahr 2008 zufolge weisen Haushalte mit Gasherden eine um etwa 50 Prozent bis mehr als 400 Prozent höhere durchschnittliche Stickstoffdioxidkonzentration auf, als Haushalte mit Elektroherden.

Ob diese giftigen Schadstoffe die Lunge schädigen können, hängt von der Stärke und Dauer ab, die man diesen ausgesetzt ist. Jedoch sind diese für manche Menschen schädlicher als für andere. Insbesondere Stickstoffdioxid wird mit Atemwegserkrankungen wie Asthma in Verbindung gebracht. Eine Studie aus dem Jahr 2014 ist zum Ergebnis gekommen, dass Gasherde etwa zwölf Millionen Kalifornier:innen Stickstoffdioxidwerten und weitere 1,7 Millionen Kohlenmonoxidwerten aussetzen, die die vom Staat in einer typischen Winterwoche festgelegten Außenluftstandards überschreiten.

Grundsätzlich wird die Lunge „jedes Mal, wenn man etwas anderem als Sauerstoff ausgesetzt ist“, darunter leiden, sagt Jamie Garfield, Professorin für Thoraxmedizin und -chirurgie an der Lewis Katz School of Medicine der Temple University, gegenüber BuzzFeed News.

Die jüngste Stanford-Studie hat auch den Stickstoffdioxidgehalt gemessen. In nur wenigen Minuten in denen gekocht wird, waren Personen, die keine Dunstabzugshauben benutzten oder nur schlecht gelüftet haben, insbesondere in kleineren Küchen, Stickstoffdioxidwerten ausgesetzt, die die EPA-Richtlinien für eine einstündige Exposition im Freien übertroffen haben. (In den USA gibt es keine Vorschriften zur Luftverschmutzung in Innenräumen.)

Die Menge an Schadstoffen in der Luft kann auch davon abhängen wie sauber ein Gaskocher ist, ob er allgemein gut instandgehalten wird und auch die Umgebungsbedingungen wie Belüftung und der Küchengröße spielen eine Rolle. Die Stanford-Studie hat jedoch keinen Zusammenhang zwischen Alter und Preis eines Kochers und seinen Emissionen feststellen können.

Die American Public Gas Association hat festgestellt, dass die Stanford-Studie nicht die Art der zu kochenden Speisen oder die Dauer der Garzeit untersucht hat, die sich auf die Luftverschmutzung in Innenräumen auswirken kann, oder Gas mit anderen Herdarten vergleicht. Sowohl Gas- als auch Elektroherde setzen Emissionen frei und „Bundesbehörden betrachten Gasherde nicht als gesundheitsgefährdend für Verbraucher“, heißt es in einer Erklärung.

Manche Menschen sind größeren Gesundheitsrisiken ausgesetzt als andere

Die Gesundheitsrisiken durch Gasherde können laut Garfield von Person zu Person variieren. Im Allgemeinen müssen sich gesunde Menschen oder solche mit größeren oder gut belüfteten Küchen, in denen Gase leicht entweichen können, nicht zwingend viele Sorgen machen. „Für die Person, die an diesem Herd steht und das Abendessen für ihre Familie kocht, gibt es meines Erachtens keinen Grund zur Sorge“, sagt Garfield.

Dies ist jedoch möglicherweise nicht der Fall für Menschen mit Atemwegserkrankungen oder -beschwerden wie Asthma und chronischen Lungenerkrankungen, sagt sie. Das COPD umfasst Emphyseme [Lungenbläschen sind hier teilweise überdehnt und zerstört, Anm.dRed.]. und chronische Bronchitis und ist dazu die vierthäufigste Todesursache in den USA. „Ich würde nicht sagen, dass sich jede Atemwegserkrankung oder chronische Krankheit in einem Haus mit einem Gasherd verschlimmert, aber sicherlich wird sich eine Krankheit, die mit der Häufigkeit und Intensität der Inhalation zusammenhängt, verschlimmern“, sagt Garfield.

Die Risiken können auch bei Kindern, älteren Erwachsenen und Menschen in Haushalten mit niedrigem Einkommen ausgeprägter sein.

Eine Metaanalyse von 41 Studien, die zwischen 1977 und 2013 weltweit veröffentlicht worden sind, hat ergeben, dass Kinder, die in Haushalten mit Gasherden leben, ein um 32 Prozent höheres Asthmarisiko haben als Kinder, die nicht in Haushalten mit diesen leben. Während die Forscher:innen zu dem Schluss gekommen sind, dass das Risiko „relativ gering“ ist, sind die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit angesichts der Anzahl an Haushalten mit Gasherden „erheblich“. Eine ebenfalls nicht untersuchte Personengruppe sind Restaurantangestellte, die täglich stundenlang in Küchen mit gasbetriebenen Geräten arbeiten. (Tatsächlich sieht die neue NYC-Verordnung eine Ausnahme für die Verwendung von Gasherden in gewerblichen Küchen vor.)

„Unsere kochende Bevölkerung ist täglich mehr als zehn Stunden jeden Tag in den Schützengräben. Ich bin schockiert, dass sich bisher noch niemand damit beschäftigt hat“, sagt Küchenchef Christopher Galarza, Gründer und Nachhaltigkeitsberater von Forward Dining Solutions, einem in Pennsylvania ansässigen Unternehmen, das anderen Unternehmen bei der Umstellung auf elektrische Küchengeräte hilft, in einer E-Mail an BuzzFeed News USA. „Wenn es soweit ist, werden wir von den Daten überwältigt sein.“

Galarza sagt, dass keine:r der Köch:innen, mit denen er an der Ostküste zusammengearbeitet hat, auf die Raumluftqualität an seinem Arbeitsplatz achtet, auch weil er und wahrscheinlich andere „durch das Marketing der Gasindustrie getäuscht worden sind, die es ‚sauberes brennendes Gas‘ nennen“. Er hat festgestellt, dass außer Dunstabzugshauben über Herdplatten keine Systeme vorhanden sind, um das Restaurantpersonal vor der ständigen Exposition gegenüber Gasherddämpfen zu schützen. Aber Chefköchin Rachelle Boucher, Expertin für elektrische Küchen und Inhaberin von Kitchens to Life, erklärt: „Das Blatt wendet sich.“ „Beschäftigte in der Gastronomie fangen an, diese alte Denkweise in Frage zu stellen, hart zu sein, Erschöpfung und Verletzungen zu bewältigen und unsere Gesundheit an die letzte Stelle zu setzen“, schreibt Boucher in einer E-Mail an BuzzFeed News.

Was kann man tun, um die Belastung durch Gasherdschadstoffe zu verringern?

Es gibt Schritte, die man unternehmen kann, um die Exposition und Risiken zu verringern. Aber für manche Menschen, wie diejenigen, die in einkommensschwachen Gegenden leben, kann es schwieriger sein, angemessene oder notwendige Maßnahmen zu ergreifen.

Haushalte mit geringerem Einkommen befinden sich eher in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung im Freien, was auch das Asthmarisiko erhöht, und weisen häufig eine unzureichende Belüftung auf. Eine Studie aus dem Jahr 2019 hat ergeben, dass Menschen, die in einkommensschwachen Häusern mit guter Belüftung leben , eine bessere Lungenfunktion haben als Menschen mit weniger Luftzirkulation. Die im Journal of Exposure Science and Environmental Epidemiology veröffentlichte Studie umfasst mehr als 250 in Colorado lebende Kinder und Erwachsene.

Deshalb ist die Belüftung entscheidend. Man sollte beim Kochen immer Abluftventilatoren oder Dunstabzugshauben einschalten (auch wenn sie laut sind). Es ist eine einfache und effektive Taktik, aber viele Menschen vergessen sie oder entscheiden sich dagegen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2010–2011 unter mehr als 370 Kalifornier:innen hat ergeben, dass 40–60 Prozent der Befragten beim Kochen weder ihre Dunstabzugshaube benutzten noch ihre Fenster öffnen.

Man sollte auch die Lüftungssysteme nach dem Kochen mindestens fünf Minuten lang weiterlaufen lassen, um alle verbleibenden Schadstoffe aus der Luft zu entfernen. Wenn man es kontrollieren kann, sollte man versuchen sicherzustellen, dass Abluftventilatoren oder Dunstabzugshauben nach außen entlüften - obwohl es keine bundesstaatlichen Vorschriften gibt, die dies erfordern, haben einige Bundesstaaten ihre eigenen Gesetze erlassen.

Dennoch gibt es keine Standards, um sicherzustellen, dass die Entlüftung angemessen ist, so Brady Seals, Manager des Programms Carbon-Free Buildings des RMI – einer gemeinnützigen Organisation, die sich mit Nachhaltigkeitsforschung befasst – und Mitautor eines Berichts aus dem Jahr 2020, der jahrzehntelange Forschung über die Verschmutzung und Gesundheit von Gasherden zusammengetragen hat. Inzwischen müssen andere Gasgeräte wie Wasserboiler und Öfen in einigen Staaten nach draußen entlüften.

So könnt ihr die Belastung durch Gasherdschadstoffe verringern:

Seals weist außerdem darauf hin, dass man einen kostengünstigen Luftqualitätsmonitor kaufen kann. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass diese oft nur schlecht Gase wie Stickstoff erkennen können. Diese Geräte erkennen in der Luft schwebende Partikel besser. Seals schlägt vor, ein Induktionskochfeld mit Steckdosenstecker oder andere Elektrogeräte wie Wasserkocher, Toaster, Mikrowellen und Instant-Töpfe zu verwenden, um den Verbrauch von Gasherden zu reduzieren. Induktionskochfelder verwenden elektromagnetische Energie, um Töpfe und Pfannen zu erhitzen, anstatt die Oberfläche des Herds. „Ich sage niemandem, dass er seinen Gasherd sofort ersetzen muss. Aber wenn der Gasherd nicht mehr richtig funktioniert und es Zeit für einen neuen ist, sollten man vielleicht einen Elektro- oder Induktionsherd als Alternative in Betracht ziehen.“

Wie schneiden Gasherde im Vergleich zu anderen Gesundheitsbedrohungen im eigenen Zuhause ab?

Da es keine „vollständige nationale Erfassung der Asthmaauslöser“ gibt, ist es laut Seals schwierig, die Gesundheitsbedrohungen von Gasherden mit denen anderer Schadstoffe in Innenräumen zu vergleichen, darunter Farbe, Kakerlaken, Kerzen, Reinigungsmittel, Hausstaubmilben, Tierhaare und Passivrauchen, sowie Schimmel und Teppiche.

Ein Bericht des Massachusetts Department of Public Health aus dem Jahr 2017 hat ergeben, dass Gasherde die am häufigsten genannten Auslöser für Asthmasymptome bei Kindern in Innenräumen sind, und damit etwas öfter als Tierhaare oder das Vorhandensein von Teppichen oder Vorlegern im Schlafzimmer. Die anderen Hauptauslöser für Asthma in Innenräumen waren Holzkamine oder Öfen, Haustiere im Schlafzimmer, Mäuse oder Ratten, Schimmel und Rauchen. (Der Bericht hat sich mit Umfragedaten aus den Jahren 2006–2010 über Auslöser oder Verschlimmerung von Symptomen bei Kindern befasst, bei denen bereits Asthma diagnostiziert wurde.)

Um das Risiko von Asthma und Lungenproblemen im Allgemeinen zu verringern, sollte man den Boden regelmäßig von Essenskrümeln befreien, Möbel abstauben und von Fachleuten nach schwerwiegenderen Schadstoffen wie Schimmel, Radon, Blei und Asbest suchen lassen.

„Es gibt eine Menge Dinge, die wir als Einzelperson tun können, um unsere Exposition zu verringern, aber wir brauchen politische Entscheidungsträger:innen, die [vortreten] und sicherstellen, dass die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen zuerst davon profitieren“, betont Seals. „Es war wirklich noch nie so dringend wie heute, die Verschmutzung durch Gasherde für das Klima und die Gesundheit anzugehen.“


Autorin ist Katie Camero. Der Artikel erschien zuerst auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Max Kienast.

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