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Unterkunft für Geflüchtete: Dating-App für schwule Männer macht Hilfeaufruf - und 4.000 Menschen melden sich

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Von: Mika Engelhardt

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Ein Tweet von PlanetRomeo und eine Teilnehmerin einer Friedensdemonstration mit Regenbogen-Maske gegen den Ukraine-Krieg
Für den Frieden: Bei den Demonstrationen gegen den Ukraine-Krieg ist der Regenbogen stets präsent. LGBTQIA+-Menschen aus der Ukraine brauchen Unterstützung. © Collage/dpa/Screenshot Twitter

Ukraine-Krieg: Die Dating-App Planetromeo will ein Zeichen für die queere Community in der Ukraine setzen - und ruft dazu auf, Geflüchteten Unterkunft zu bieten.

Wenn es einen positiven Aspekt am Ukraine-Krieg gibt, dann die Tatsache, dass er die Menschen nahe wie lange nicht mehr zusammenrücken lässt. Die westlichen Länder stehen in ihrer Politik fest zusammen, die Menschen versammeln sich bei Friedensdemos zu Hunderttausenden auf der Straße und Unternehmen und Organisationen starten Sanktionen gegen Russland oder Hilfsaktionen für die Ukrainer:innen. Besonders wichtig ist es, den Menschen zu helfen, die aus der Ukraine fliehen müssen. Über eine Million Menschen werden erwartet - und die Vorbereitungen laufen.

Das sehen auch die Verantwortlichen hinter der App PlanetRomeo. PlanetRomeo ist eine Dating-App für schwule Männer, also womöglich nicht der erste Anlaufpunkt, an den man denkt, wenn es um Unterkünfte für Geflüchtete geht. Aber bei PlanetRomeo kann man nicht nur liken und Nachrichten schreiben - die App funktioniert wie ein soziales Netzwerk, in dem sich gleich gesonnene Männer auch in Gruppen vernetzen können. Genau dort setzen die Macher:innen der App jetzt an und haben eine Gruppe für Unterkunftsangebote für Geflüchtete ins Leben gerufen.

Diese Aktion könnte man als platte Marketing-Masche abtun, aber womit selbst die Initiator:innen nicht gerechnet hatten, war der große Zuspruch, den die User für die Aktion hatte. Keine 24 Stunden nach der Eröffnung der Gruppe meldeten die Verantwortlichen, dass beinahe 4000 Menschen bereits in die Gruppe eingetreten waren und somit bereitstehen, um Geflüchteten Ukrainer:innen eine Unterkunft anzubieten.

Die Aktion ist auch von großer Bedeutung, da LGBTQIA+-Menschen durch die russische Invasion besonders gefährdet sind. In Russland herrschen nach wie vor strenge Richtlinien für das Leben als queere Person. In der Öffentlichkeit kann man sich nicht outen, und aus dem Bericht einer engen Bekannten weiß ich, dass die Regeln so streng sind, dass ihr Pass einmal über Stunden im Hotel einbehalten wurde, da niemand ihr Glauben schenken wollte, dass es sich bei ihrer Begleitung nicht um ihre feste Freundin, sondern eine Arbeitskollegin handelte und beide nur aus Forschungszwecken durch Russland reisten.

Ukraine-Krise: LGBTQIA+-Menschen sind besonders gefährdet

Nicht nur PlanetRomeo, sondern auch andere LGBTQIA+-Organisationen starteten in der vergangenen Woche Aufrufe, um die ukrainische Community zu unterstützen. Die Organisation OutRight schreibt bei Instagram zum Beispiel: „Wir wissen, dass in Krisenzeiten #LGBTIQ-Menschen häufig noch weiter benachteiligt werden und größeren Risiken ausgesetzt sind.“ Daher wurde ein Hilfsfond speziell für die queere Community eingerichtet. Auch um psychologische Behandlungen oder die Fortsetzung von Hormontherapien will OutRight sich kümmern, so gut das eben geht.

Der Ukraine-Krieg ist eine schreckliche Tragödie. Aber die Geschichten von Nächstenliebe und der Erfolg von Hilfsaktionen macht immerhin ein wenig Hoffnung, dass die Menschlichkeit nicht verloren geht. PlanetRomeo oder OutRight gehen voran und machen deutlich, dass auch in Krisenzeiten LGBTQIA+-Themen nicht vernachlässigt werden dürfen. Besonders, wenn das russische System auf der Gegenseite wartet und mit Gefahren droht.

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