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Frauen-Mangel: Bei Quizshows bewerben sich größtenteils Männer - dahinter steckt Psychologie

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Von: Jana Stäbener

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ARD-Quizshow „Gefragt - Gejagt und Jäger Sebastian Jacoby, rechts Günther Jauch von „Wer wird Millionär“.
Für die ARD-Show „Gefragt - Gejagt“ bewerben sich viel mehr Männer als Frauen – „Wer wird Millionär“ will dazu keine Auskunft geben. © ARD/Uwe Ernst/RTL/Stefan Gregorowius (Collage)

Nur ein Viertel der Bewerber:innen für die ARD-Quizshow „Gefragt - Gejagt“ sind Frauen. Bei anderen Formaten ist es ähnlich. Schuld daran könnte der „Confidence Gap“ sein.

Schon vor einigen Wochen berichteten unsere österreichischen Buzzfeed-Kolleg:innen, dass unter den Bewerber:innen für die ORF-Sendung „Millionenshow“ nur 26 Prozent Frauen sind. Und das, obwohl fünf der bisherigen neun Millionen-Gewinner:innen weiblich waren. Der Moderator der Millionenshow, Armin Assinger, vermutete in einem Interview mit Woman, Frauen seien weniger selbstbewusst und würden sich deshalb weniger oft bei Quizshows bewerben. Dieses Phänomen nennt sich „Confidence Gap“ und beeinträchtigt Frauen auch in der Berufswelt. Wir von BuzzFeed News Deutschland haben uns gefragt, wie viele Frauen sich bei deutschen Quizsendungen wie „Wer wird Millionär?“ oder „Gefragt - Gejagt“ bewerben und haben RTL und die ARD um Zahlen gebeten.

„Gefragt - Gejagt“: Bei der ARD-Quizshow bewerben sich größtenteils Männer

Was unsere Kolleg:innen in Österreich herausgefunden haben, scheint sich auch in Deutschlands Fernsehlandschaft zu bestätigen: Frauen bewerben sich offenbar seltener als Kandidatinnen bei Quizsendungen als Männer. Das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) teilt uns mit, dass bei der täglichen Quizshow „Gefragt - Gejagt“ ganze 75 Prozent der Bewerber:innen männlich sind. Bei der Show müssen sich die Kandidat:innen einem (meist männlichen) „Jäger“ stellen und mehr Fragen als dieser richtig beantworten. Ziemlich schwer. Trotzdem bewerben sich viele – aber eben hauptsächlich Männer. „Wir bekommen so viele Initiativbewerbungen für die Sendung, dass wir gar nicht extra suchen müssen“, teilt uns Eva Werner, Pressereferentin der ARD-Programmdirektion, mit.

Den Geschlechterunterschied könne man sich nicht erklären und ihn leider auch nicht ändern, sagt Werner gegenüber BuzzFeed News Deutschland. Die ARD wähle aber aus den 25 Prozent Frauen gleich viele Kandidatinnen aus, wie aus den 75 Prozent männlichen Bewerbern. „Auch wenn das Verhältnis bei den Bewerbungen 3:1 lautet, achten wir auf eine paritätische Besetzung beider Geschlechter“, heißt es. Alle Teams bei „Gefragt - Gejagt“ würden deshalb mit zwei Männern und zwei Frauen oder divers besetzt werden. „Wir achten darauf, dass diese Sendung die Gesellschaft in ihrer Vielfalt widerspiegelt – auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen sind ausdrücklich in der Sendung willkommen“, so Werner.

RTL will sich nicht zum Männeranteil bei „Wer wird Millionär“ äußern

Auf eine Anfrage von BuzzFeed News Deutschland, wie hoch der Anteil an männlichen Bewerbern bei „Wer wird Millionär“ sei, reagiert RTL mit folgender Aussage: „Danke für Ihre Mail. Dies kommunizieren wir nicht.“ Eine Begründung, warum man dazu absolut gar nichts sagen will, liefert der TV-Sender nicht. Vergleicht man die Frauen- und Männeranteile bei „Gefragt - Gejagt“ und der österreichischen „Millionenshow“, so könnte die Gewichtung der Geschlechter auch bei „Wer wird Millionär“ in eine ähnliche Richtung gehen.

Quizshow ARD „Gefragt - Gejagt“ Moderator und Jäger.
Auch das Jäger-Team bei der Quizshow „Gefragt - Gejagt“ besteht fast nur aus Männern – ob so etwas Bewerberinnen noch mehr abschreckt? © ARD/Thomas Leidig/Uwe Ernst/Montage Frey

„Gefragt - Gejagt“: Weniger Bewerberinnen – „Confidence Gap“ könnte das erklären

Warum bewerben sich auf Quizsendungen wie „Gefragt - Gejagt“ oder „Wer wird Millionär“ nicht so viele Frauen? Der Grund dafür könnte im sogenannten „Confidence Gap“ liegen. Mehrere Studien in den vergangenen Jahrzehnten fanden heraus, dass Männer meist ein höheres Selbstbewusstsein an den Tag legen als Frauen. Dieser Unterschied wird in der wissenschaftlichen Diskussion als „Confidence Gap“ bezeichnet. Im Jahr 2016 führte die American Psychological Association (APA) eine der ersten Studien durch, die dieses Phänomen weltweit und kulturübergreifend untersuchte.

Die Hauptergebnisse waren: Selbstbewusstsein nimmt mit dem Alter zu und Männer sind in jedem Alter tendenziell selbstbewusster als Frauen – und das weltweit. Außerdem stellte sich heraus: Besonders in reichen, individualistischen und liberalen Ländern haben Frauen weniger Selbstbewusstsein. Trotzdem zeigt die Studie auch, dass sie Unterschiede keine „westliche Eigenart“ sind, sondern überall, in allen Kulturen der Welt auftreten. Um jeglichen Geschlechterrollen vorzugreifen, verbietet Spanien „pinke“ Werbung für Kinder, wenn sie die typischen Geschlechterklischees bedient.

„Confidence Gap“ tritt in allen Kulturen auf, nicht nur in westlichen Ländern

Wiebke Bleidorn, die Hauptautorin der kulturübergreifenden Studie, betont in einer Pressemitteilung, wie wichtig die Erkenntnisse seien. Der Großteil der Forschung zum Selbstbewusstsein habe sich bis 2016 nur auf die westlichen Industriekulturen beschränkt – und hier seien die Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich größer. Jetzt sei klar: „Selbstwertgefühl könnte zum Teil durch universelle Mechanismen bedingt sein [...] universelle biologische Mechanismen wie hormonelle Einflüsse oder universelle kulturelle Mechanismen wie Geschlechterrollen“, so Bleidorn. In Zukunft könne man damit nun bessere Maßnahmen zur Förderung des Selbstbewusstseins bei Frauen entwickeln.

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