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Arbeiterkinder verdienen weniger als Akademikerkinder, weil sie sich weniger zutrauen

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Von: Felicitas Breschendorf

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Junge Frau, die traurig schaut. Bei der Gehaltsverhandlung sind sich Arbeiterkinder laut XXX oft unsicher.
Bei der Gehaltsverhandlung sind Arbeiterkinder laut der Unternehmensberaterin Natalya Nepomnyashcha im Nachteil. © Imago/ AntonioGuillem

Arbeiterkinder verdienen 17 Prozent weniger als Akademikerkinder. Sie verhandeln ihre Gehälter schlechter, weil sie „weniger selbstbewusst auftreten“ und sind schlechter vernetzt.

Neben der Gender-Pay-Gap gibt es auch offenbar auch eine Class-Pay-Gap: Kinder aus der Arbeiterschicht in England verdienen laut einer Studie durchschnittlich 17 Prozent weniger als Kinder von Akademiker:innen – und das für denselben Job. Ihr Jahresverdienst ist daher um bis zu um bis zu 7350 Pfund (etwa 8500 Euro) geringer.

In Deutschland gibt es dazu laut der Unternehmensberaterin Natalya Nepomnyashcha, die mit Zeit Online gesprochen hat, keine Studien. Nach ihren Angaben würde der Gehaltsunterschied in Deutschland ähnlich aussehen, weil es hier eine vergleichbare gesellschaftliche Struktur und Wirtschaftsform gebe. Nepomnyashcha gründete das „Netzwerk Chancen“, das Menschen beim Aufstieg hilft.

Traditionelle Berufe wie Jura, Medizin und Finanzwesen werden laut der Studie von zwei Wissenschaftlern der London School of Economics von Kindern höherer Führungskräfte und Fachleute dominiert. In eher technischen Berufe wie IT und Ingenieurwesen werde dagegen deutlich breiter rekrutiert.

Arbeiterkinder verhandeln ihre Gehälter schlechter als Akademikerkinder

Laut Nepomnyashcha liegt das daran, „dass Arbeiterkinder ihre Gehälter schlechter verhandeln, weil sie das fast nie gelernt haben und weniger selbstbewusst auftreten“. Das sagte sie im Gespräch mit Zeit Online. Aus Studien ginge hervor, dass Akademikerkinder selbstbewusster seien und sich mehr zutrauen. Sie haben zudem „Vorbilder, die gut verdienen und Gehälter verhandeln“.

Akademikerkinder seien durch ihren Hintergrund laut Nepomnyashcha besser in der Arbeitswelt vernetzt. Auch die Art, wie sie aufwachsen, sei für sie ein Vorteil: „Ich denke da an Eltern, die Bücher lesen, in die Oper gehen, Golf spielen und sich gewählt ausdrücken.“ Weil auch die meisten Vorgesetzten aus dieser Welt stammen, können sich laut der Unternehmensberaterin die Akademikerkinder leichter mit ihnen vernetzen und so auch besser verhandeln.

Menschen aus gutbürgerlichen Familien fördern am liebsten gutbürgerliche Personen

Auch die Vorgesetzte, die letztlich über das Gehalt entscheidet, ist womöglich nicht unschuldig an der Class-Pay-Gap: Menschen aus gutbürgerlichen Familien fördern laut Nepomnyashcha hauptsächlich Menschen, die aus eben solchen Familien stammen. Sie bevorzugen nach ihren Aussagen oft „jene, die sich ähnlich kleiden, verhalten und sprechen wie diejenigen, die in einer Machtposition sind“. Der Grund: „Menschen, die uns ähnlich sind, sind uns sympathisch.“

80 Prozent der CEOs stammt aus privilegierten Familien

Eine Studie von EY zeigte, dass Topmanagerinnen mehr verdienen als Topmanager. Das ändert aber nichts daran, dass die Mehrheit der Topmanager:innen weiterhin männlich ist. Der Frauenanteil in Vorstandsgremien von Deutschlands börsennotierten Unternehmen lag laut EY im Juli dieses Jahres bei 14,1 Prozent. Die CEOs der größten deutschen Unternehmen seien aber nicht nur „meistens ältere weiße Männer“, wie Nepomnyashcha es formuliert, sondern „stammen auch zu 80 Prozent aus privilegierten Familien“. In manchen Unternehmen gebe es die Frauenquote oder Quoten für Menschen mit Migrationshintergrund – aber nicht für die soziale Herkunft.

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