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Wieso Jugendliche der Gen Z an Verschwörungstheorien glauben

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Von: Felicitas Breschendorf

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Junge liest Zeitung am Frühstückstisch. Kann das stimmen? Viele Teenager misstrauen laut einer neuen Studie den Zeitungen.
„Kann das stimmen?“ Viele Teenager misstrauen laut einer neuen Studie den Zeitungen. © Imago / Photothek

Jugendliche der Gen Z haben laut einer Studie wenig Vertrauen in die Medien. Einige glauben an Verschwörungstheorien. Warum ist das so?

Nicht nur Querdenker haben wenig Vertrauen in die Medien. Über zwei Drittel aller Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren zweifeln an Zeitungen (75,8 Prozent) und Journalist:innen (71,6 Prozent). Nur jeder zweite GenZler vertraut außerdem öffentlichen Einrichtungen. Das hat die Vertrauensstudie der Universität Bielefeld herausgefunden, die BuzzFeed News vorliegt.

Jugendliche der Gen Z: „Die Medien halten Informationen zurück“

Der Vorwurf der Gen Z: Die Medien würden Informationen absichtlich zurückhalten (37,9 Prozent) – und nur ihre eigene Meinung verbreiten (32,8 Prozent). Diese Entwicklung hält Studienleiter Holger Ziegler für „alarmierend“. Im Studienpapier unterscheidet er zwischen einer gesunden Skepsis und einer sogenannten Verschwörungsneigung.

Eine gewisse Skepsis sei „sinnvoll und nützlich im Leben“, so Ziegler. Das ändere sich, wenn nicht nur daran gezweifelt werde, ob etwas wahr ist oder nicht. „Vermuten wir, dass [...] die Medien absichtlich Informationen verschweigen und manipulieren wollen, dann bewegen wir uns in einem gefährlichen Bereich von Verschwörungsglauben.“ Von den Jugendlichen, die wenig in öffentliche Einrichtungen vertrauen, sind laut der Studie mehr als ein Drittel (38,7 Prozent) anfällig für einen solchen Verschwörungsglauben.

Führt Konsum von Social Media zu Verschwörungstheorien?

Die Gen Z ist viel auf Social Media unterwegs. Dabei ist TikTok, Instagram und Co nicht immer ungefährlich. Der TikTok-Trend „Quiet Quitting“ etwa kann deine Karriere zerstören. Auch eine Verschwörungsneigung kann laut der Vertrauensstudie eine Folge des Konsums sozialer Medien sein. 37, 6 Prozent der Jugendlichen, die ihre Informationen von TikTok, Instagram und Co beziehen, zeigen einen Hang zur Verschwörungstheorien.

Verschwörungstheorien der Eltern beeinflussen Kinder

Warum misstraut die GenZ überhaupt den Medien? Die Ursache könnte bei den Eltern liegen, heißt es in der Studie. Besonders ausschlaggebend sei ihr sozoökonomischer Status – dazu gehören Bildungsstand und Beruf. Umso niedriger der Status der Eltern, umso höher scheint ihr Interesse an Verschwörungstheorien. „Die Befragten jungen Menschen tendieren umso stärker dazu, je sozial verwundbarer sie sind“, äußert sich Ziegler gegenüber BuzzFeed News.

Wenn Eltern selbst öffentlichen Einrichtungen misstrauen, geben sie dieses Empfinden oft an ihre Kinder weiter. Auch wenn sie sich überhaupt nicht für die Meinung ihrer Kinder interessieren, kann das zu einem Misstrauen in die Medien führen. „Wenn ich die Erfahrung mache, dass meine Bedürfnisse wenig berücksichtigt werden, ist es wenig erstaunlich, wenn ich gegenüber den Medien eher misstrauisch bin“, erklärt Ziegler.

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Junge Menschen der Gen Z vertrauen eher Wissenschaftler:innen und der Polizei

ACAB – „All cops are bastards“. Dieser Spruch der Antifa, den man oft am Straßenrand liest, ist scheinbar nicht bei der Gen Z beliebt. Während die Mehrheit laut der Studie an Journalist:innen zweifeln, schenken 79,9 Prozent der Polizei Vertrauen. Wissenschaftler:innen kommen gleich dahinter (76,1 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte vertraut außerdem der Bundesregierung und den Vereinten Nationen.

Die Angst vor der Zukunft

Junge Menschen haben genug Gründe, um Angst vor der Zukunft zu haben. Die Gen Z fürchtet sich am meisten vor dem Klimawandel, dicht gefolgt von Ukraine-Krieg und Pandemie. Etwa ein Viertel der Jugendlichen blickt laut der Vertrauensstudie nicht optimistisch in die Zukunft. Auf eine positive Entwicklung der Gesellschaft hoffen nur 19 Prozent der Jugendlichen. Ziegler hält das im Studienpapier für „besorgniserregend“. „Jugendliche vertrauen nur sehr begrenzt in die Lösungskompetenz der Gesellschaft. Wer aber den Glauben an die Gemeinschaft verliert, zieht sich zurück und resigniert“, sagt er.

Wenig Vertrauen von Teenagern der Gen Z gegenüber anderen Menschen

Misstrauen herrscht bei jungen Menschen der Gen Z nicht nur gegenüber Institutionen, sondern auch auf sozialer Ebene. Etwa ein Viertel der Jugendlichen besitzt laut der Vertrauensstudie nur ein geringes Selbstvertrauen. „Im begrenzten Ausmaß sind in der Lebensphase der Pubertät Zweifel an sich und anderen durchaus erwartbar“, heißt es dazu in der Studie. Bemerkenswert sei, wie stark das Misstrauen in andere sei. Zwei Drittel der befragten Teenager vertrauen nicht in andere Menschen. Jeder zweite Jugendliche glaubt, wer sich auf andere verlässt, würde ausgenutzt – und gibt an, bereits ausgenutzt worden zu sein.

„Die Erfahrung einer weltweiten Corona-Pandemie und der wirtschaftliche Druck, der auf Familien durch die stark gestiegenen
Lebenshaltungskosten lastet, bringen alle Beteiligten an die Belastungsgrenze“, begründet Bernd Siggelkow das fehlende zwischenmenschliche Vertrauen in der Studie. Der „Dauerkrisen-Modus“ belastet besonders junge Menschen. Siggelkow ist Gründer und Leiter des Kinder- und Jugendwerks „Die Arche“. „Wir sehen immer wieder, wie Kinder und Jugendliche sich zurückziehen, wenig vertrauen und mit starken Ängsten kämpfen“, sagt er.

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