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„Unterstützt Kriegsverbrecher“: Nestlé kassiert Shitstorm wegen Verkäufen in Russland - der Konzern widerspricht

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Von: Jana Stäbener

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Tweet zu Nestlé und Nestlé-Produkte im Hintergrund.
Weil Nestlé seine Russland-Geschäfte nicht komplett einstellt, rufen User:innen auf Twitter zum Boykott der Produkte auf. Es gibt jedoch auch Gegenstimmen. © Katharina Meyer/dpa, @GrauMatt (Collage)

Nestlé verkauft in Russland weiterhin Nesquik und Co.: Einige Twitter-User:innen in Deutschland regen sich darüber auf. Der Konzern sieht das ganz anders.

Vor einigen Tagen veröffentlichte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Video auf Facebook (siehe unten), in dem er explizit eine Gruppe an den Pranger stellt: Großkonzerne, die in Russland trotz des Ukraine-Krieges weiterhin großes Geld verdienen. Er nennt Nestlé, Mondelēz, Raiffeisen, Societe Generale, BASF, Samsung, LG und Bayer, Johnson & Johnson und wirft ihnen vor, das Töten ukrainischer Zivilist:innen und Kinder durch ihre Russland-Geschäfte mitzufinanzieren.

Seitdem rufen Twitter-User:innen (nicht zum ersten Mal) zum Boykott von Nestlé-Marken auf. Der Food-Riese selbst gibt in erklärt in seinem Pressestatement etwas ganz anderes. Man habe die Geschäfte in Russland sehr wohl reduziert.

Viele Firmen hatten ihre Geschäfte in Russland in den vergangenen Wochen auf ein Minimum reduziert. Ein junger Mann demonstrierte sogar beispielsweise gegen die Schließung der McDonald‘s-Filialen, indem er sich an eine Ladentür kettete.

Auch einige Pharmaunternehmen wie Eli Lilly and Co. und Abbvie Inc. beschlossen Mitte März 2022, ihre Lieferung von nicht-lebensnotwendigen Produkten in Russland einzustellen, dazu gehört auch Botox, der heimliche Favorit Wladimir Putins.

Nestlé im Scheinwerferlicht: Food-Gigant bekam schon öfter Kritik

Vor allem der Konzern Nestlé, zu dem Marken wie Lóreal Paris, KitKat, St. Pellegrino, Nesquik, Felix, Mövenpick und über 2.000 weitere gehören, steht bei der Debatte im Zentrum der Aufmerksamkeit. So veröffentlichte Denys Shmyhal, der Premierminister der Ukraine am 17. März einen Tweet, in dem er Nestlé-CEO Mark Schneider vorwirft, die russischen Geschäfte nicht komplett einzustellen. Er würde weiterhin lieber die Steuern für ein terroristisches Land zahlen, das hilflose Kinder und Mütter tötet, schreibt Shmyhal in seinem Tweet.

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern mit Sitz in der Schweiz hatte schon so einige Skandale. Das wohl bekannteste ist, dass Nestlé in südlichen Regionen Afrikas Wasser abpumpt, und damit die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung akut gefährdet. Der Konzern steht außerdem in der Kritik, durch die Verwendung von Palmöl die Abholzung des Regenwalds voranzutreiben und muss sich auch mit dem Vorwurf auseinandersetzen, sie haben den 70er-Jahren, mit dem Verkauf und der Werbung für Babynahrung, „das Stillen“ problematisiert.

Es überrascht also so nicht wirklich, dass Nestlé auf Twitter derzeit zu einer Art Sündenbock wird. Aufgrund des Ukraine-Kriegs und der Nachrichten, dass Nestlé sich weigere, das Russland-Geschäft einzustellen, teilen viele User:innen nun eine Markenübersicht von Nestlé und rufen offen zum Boykott der Nestlé-Marken auf.

Immer wieder sieht man auf Twitter auch Variationen eines neuen „Zestlé“-Logos, dass auf das „Z“ anspielt, welches das russische Militär als Erkennungszeichen auf Panzern und Co. verwendet.

Ihr wollt wissen, was genau hinter dem „Z“ auf russischen Panzern steckt? Wir erklären, was es mit der mysteriösen Bedeutung für Putin-Treue auf sich hat.

Statement von Nestlé: Export und Import nach Russland größtenteils eingestellt

Auf eine Anfrage von BuzzFeed Deutschland antwortet Nestlé lediglich mit dem Link zu ihrem Pressestatement vom 11. März. Hier spricht das Unternehmen davon, mit seinen Geschäften in Russland nur noch „lebensnotwendige Bedürfnisse“ der russischen Bürger:innen abdecken zu wollen. Export und Import habe man also so gut wie eingestellt. Im Statement zählt der Konzern folgende Maßnahmen auf, die man ergriffen habe:

Es ist jedoch fraglich, wie viele Produkte Nestlé aufgrund des Ukraine-Kriegs nicht mehr nach Russland liefert oder aus Russland exportiert. Die Kategorien, die vom Import ausgenommen sind, bleiben relativ wage definiert. Klar ist: Die Firma produziert in Russland auch einige Marken vor Ort. Deren Verkauf wird von den eben beschriebenen Maßnahmen nicht betroffen sein werden.

Genau das ist der Grund, warum der ukrainische Premierminister Shmyhal immer noch scharfe Kritik übt. Durch die anhaltenden Geschäfte würde Nestlé Putin mit Steuereinnahmen helfen, den Krieg gegen die Ukraine weiterzuführen, so der Vorwurf. Im vergangenen Jahr gingen laut der Luzerner Zeitung Steuern im Wert von 472 Millionen Franken an Russland – was dem Wert von 500 Panzern entspricht.

Viele Nutzer:innen auf Twitter finden den Aufruhr über die Geschäfte von Nestlé in Russland trotzdem unnötig. Sie sind der Meinung, das sei doch keine Überraschung – der Konzern hätte schließlich noch nie fair gehandelt.

Einige kritisieren auch, dass der Boykott von Nestlé-Marken sowieso nicht die Richtigen treffe. Sie finden: Klar, Putin verliere Geld, aber wer würde wirklich leiden – vor allem die russische Bevölkerung.

Der Shitstorm, der die Marke Nestlé immer wieder trifft, sei im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg einfach nur lächerlich, findet diese:r User:in. Die meisten Länder hätten Leichen im Keller und niemanden interessiere das normalerweise – nur jetzt würden auf einmal alle „Boykott“ schreien.

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