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Gil Ofarim wegen Verleumdung angeklagt: Jetzt bleibt der Antisemitismus nicht aus

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Von: Jana Stäbener

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Gil Ofarim
Gil Ofarim hatte Anfang Oktober 2021 ein Video vor dem Hotel in Leipzig aufgenommen und darin gesagt, dass ihn ein Mitarbeiter aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. © Tobias Hase/dpa

Musiker Gil Ofarim erhob Antisemitismus-Vorwürfe gegen ein Hotel. Jetzt wird er wegen Verleumdung angeklagt – und spürt erst recht Antisemitismus.

Ein halbes Jahr nach den Antisemitismus-Vorwürfen des Musikers Gil Ofarim hat die Staatsanwaltschaft Leipzig Anklage erhoben - gegen den Künstler selbst. Nach umfangreichen Ermittlungen wirft sie Ofarim falsche Verdächtigung und Verleumdung vor, wie sie am Donnerstag (31. März 2022) mitteilte. Demnach habe sich der angebliche Antisemitismus-Vorfall in dem Leipziger Hotel „The Westin“ nicht so zugetragen, wie Ofarim es in einem Video geschildert hatte. Entsprechend sind jetzt die Reaktionen gegen den Musiker.

Antisemitismus-Vorfall im Hotel „The Westin“

Am Abend des 4. Oktober 2021 hatte Ofarim ein Video vor dem Hotel aufgenommen und darin gesagt, dass ihn ein Mitarbeiter des Hotels aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Am nächsten Morgen veröffentlichte er es auf Instagram. Das Video ging viral und löste zahlreiche Solidaritätsbekundungen aus. Ofarim erstattete später Anzeige, aber auch der betroffene Hotelmitarbeiter wehrte sich und zeigte seinerseits den Musiker wegen Verleumdung an.

Gil Ofarim auf Social Media: Instagram-Account vorübergehend gelöscht

Besucht man das Profil @gilofarim auf Instagram, so bekommt man seit Donnerstag die Meldung: „Sorry, this page isn‘t available. The link you followed may be broken, or the page may have been removed“. Vermutlich musste der Musiker sich hier in den letzten Stunden nun erst recht antisemitische Kommentare und Bemerkungen gefallen lassen. Der Instagram-Account scheint vorübergehend gelöscht zu sein – ob vom Musiker selbst oder der Plattform, ist nicht bekannt.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer kritisierte Gil Ofarim. Dieser habe „nicht nur den Mitarbeiter, das Hotel, die Stadt und Sachsen in Misskredit gebracht, sondern auch Schaden an der jüdischen Gemeinschaft angerichtet“, sagte der CDU-Politiker der dpa in Dresden. „Das Mindeste, was man nun erwarten kann, ist eine Entschuldigung - auch von denen, die vorschnell ihre Schlüsse gezogen und vorverurteilt haben.“

Antisemitismus nur gefakt? Auch für Gil Ofarim gilt die Unschuldsvermutung

An dieser Aussage gibt es jedoch auch Kritik. Schließlich sei der Angeklagte Gil Ofarim bisher noch nicht verurteilt worden und in Deutschland gelte immer noch die Unschuldsvermutung – für beide Parteien.

Twitter-User:innen wie die Politikerin Marina Weisband machen außerdem darauf aufmerksam, dass die Anklage so präsentiert wird, dass sie schon wieder antisemitische Züge aufweist. Sie stellt infrage, warum das Verhalten einer jüdischen Person nun auf die gesamte Gruppe der Juden abfärben solle und kritisiert die Formulierung von Kretschmer.

Auch der Zentralrat der Juden erklärte am Donnerstag, man habe die Anklageerhebung zur Kenntnis genommen. „Im Vertrauen auf unseren Rechtsstaat gilt es, keine Vorverurteilungen vorzunehmen“, erklärte Präsident Josef Schuster. Der Zentralrat werde das weitere Verfahren am Landgericht Leipzig mit Interesse verfolgen. (dpa)

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