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Studentin untersucht im „BabyLab“ die Folgen der Handy-Nutzung der Eltern auf ihre Kinder

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Von: Robert Wagner

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Die kleine Maria (1) ist die erste Probandin im neu eröffneten „BabyLab“ der TU Dortmund.
Die kleine Maria (1) ist die erste Probandin im neu eröffneten „BabyLab“ der TU Dortmund. © Hesham Elsherif/TU Dortmund

Inwieweit beeinträchtigen Eltern die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder, wenn sie ständig am Handy hängen? Dieser Frage gehen Forscher:innen im „BabyLab“ nach.

Schon länger steht das Handy im Verdacht, negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit zu haben. Gerade junge Menschen verbringen so viel Zeit am Smartphone beziehungsweise mit Social Media, dass sich Psychiater:innen bereits besorgt über diesen Trend zeigen. Die TU Dortmund geht mit ihrem neu eröffneten „BabyLab“ nun der Frage nach, inwieweit Babys und Kleinkinder indirekt durch eine intensive Handy-Nutzung der Eltern in ihrer kognitiven und frühsprachlichen Entwicklung beeinträchtigt werden.

Intensive Handy-Nutzung beeinträchtigt Sprachentwicklung von Kindern

Diese Fragestellung steht im Mittelpunkt der Bachelorarbeit von Romina Frischmuth, mit der das „BabyLab“ wissenschaftlich eingeweiht wird. Anhand ihrer Probandin, der eineinhalb Jahre alten Maria, untersucht sie, wie Kleinkinder auf auditive Reize reagieren. Dabei werden dem kleinen Mädchen einerseits an Erwachsene gerichtete und andererseits an Kinder gerichtete Hörbeispiele vorgespielt. Wie Maria darauf reagiert, zeigt unter anderem ihre Blickbewegung, die Frischmuth detailliert protokolliert und auswertet.

Normalerweise reagieren Kinder in Marias Alter vor allem auf kindgerechte Sprache, also zum Beispiel auf eine hohe Tonlage und langsames Sprechen mit vereinfachter Satzstellung. Frischmuth hat herausgefunden, dass genau diese typische Reaktion auf „Babysprache“ bei häufiger Handynutzung der Eltern abnimmt. „Das lässt vermuten, dass Kinder weniger Interesse an Sprache zeigen, je öfter die Eltern aufs Handy schauen“, erklärt Barbara Mertins, Professorin an der TU Dortmund für Psycholinguistik.

Auch die Entwicklung sozialer Fähigkeiten und die Bildung von Empathie leiden darunter

Mertins leitet das „BabyLab“, das den neuesten Zuwachs an Laboren im Bereich Psycholinguistik darstellt. Seit 2015 erforscht ihr Team, wie Menschen Sprache verarbeiten, das heißt sie verstehen, produzieren und erwerben. Im „BabyLab“ soll die psycholinguistische Forschung nun vor allem bei Babys und Kleinkindern vertieft werden.

Die bisherigen Erkenntnisse ihrer Studentin Frischmuth hätten weitreichende Folgen, nicht nur für die weitere Sprachentwicklung der Kinder. Auch die Entwicklung sozialer Fähigkeiten und die Ausbildung von Empathie würden beeinträchtigt. Besonders relevant wäre das beispielsweise für Lehrkräfte in Schulen, die sich im Unterricht um den Blickkontakt und die Aufmerksamkeit der Kinder stärker bemühen müssten.

Handy-Nutzung bei Kleinkindern ist ein Reizthema. Das erfuhr der Journalist Sascha Lobo, als er seine Entscheidung öffentlich machte, seinem 18 Monate altem Sohn ein Smartphone zu schenken.

Die Forschungen am Dortmunder „BabyLab“ sind nicht die ersten zum Einfluss des Handys auf unsere Gesundheit. Eine Studie der nahegelegenen Ruhr-Uni Bochum fand 2022 heraus, dass eine Stunde Handy-Verzicht am Tag unserem Wohlbefinden guttut.

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