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Influencerin erklärt Pretty Privilege – und warum Body Positivity „ganz schön ignorant“ sein kann

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Von: Elena Rothammer

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Vor sechs Jahren postete Madeleine Darya Alizadeh über Selbstliebe. Heute erklärt sie, warum sie das nicht mehr machen würde und was hinter Pretty Privilege steckt.

Auf Instagram bekannt als Dariadaria hat es sich Madeleine Darya Alizadeh zur Aufgabe gemacht, auf der Plattform über wichtige Themen wie Klimaschutz und Feminismus aufzuklären. Die Autorin, Gründerin und Inhaberin eines Labels für nachhaltige Mode will allerdings nicht nur den rund 332.000 Menschen, die ihr folgen, einen bedachten Umgang mit ihrer Umwelt näherbringen. Auch die Österreicherin selbst will sich weiterentwickelt und stellt ihre Handlungen deshalb immer wieder kritisch infrage.

Vermutlich aus diesem Grund kramte Alizadeh ein altes Video von sich selbst hervor und kommentierte es in einem Post aus heutiger Sicht. Vor sechs Jahren hatte sich die Influencerin in Unterwäsche präsentiert und damit auf vermeintliche Makel und ihre eigene Unsicherheit aufmerksam machen wollen, trotzdem aber betont, dass sie ihren Körper liebe. Mit dem Dating-Trend Sologamie setzte unter anderem Selena Gomez zuletzt ein Zeichen für mehr Selbstliebe.

„Und meine Intention war gut. Ich wollte einfach Mut machen und anderen zeigen, dass auch ich manchmal struggle. Und dabei habe ich einen wichtigen Punkt übersehen: Ich genieße Pretty Privilege“, erklärt die 34-jährige Alizadeh rückblickend.

Dass Pretty Privilege nicht jedermann ein Begriff ist, weiß Alizadeh und klärt auf: „Das ist eine Form von Privileg, wie die meisten anderen Privilegien auch, für das ich nichts tun musste. Nichts tun, außer ‚normschön‘ geboren zu werden.“ Damit wolle sie „schönen Menschen“ aber nicht ihre Selbstzweifel absprechen. „Der Druck, schön zu sein, der ist überall. Aber es ist halt problematisch, wenn eine normschöne Frau auf Social Media so tut, als hätte sie die gleichen Probleme wie eine nicht normschöne Frau“, erklärt sie in dem Video.

Madeleine Darya Alizadeh spricht über Selbstliebe-Video, das sie so nicht mehr teilen würde

Inzwischen ist Alizadeh überzeugt, dass ihr Post unangemessen war. „Normschöne Menschen, selbst wenn sie ungeschminkt sind, ungewaschene Haare haben, keinen BH tragen, werden trotzdem vielerorts besser behandelt, weil sie normschön sind. Und wenn diese Personen sich dann auf Instagram oder TikTok in Videos, wo sie halt immer noch gut ausschauen, als die Überbringerinnen der Selbstliebe geben, dann ist das einfach ein Ignorieren dieses Privilegs.“ Ihr eigenes Kapital – in diesem Fall Schönheit – zu überspielen, sei „ganz schön ignorant“ gewesen, wie die Unternehmerin einräumt.

Ihre Community nimmt den Input dankbar an. „Ich fand es aufschlussreich zu lernen, dass Privilegien unabhängig vom eigenen Empfinden sein können“, kommentiert eine Followerin. „Für jemanden, der diese Privilegien besitzt, ist es ganz schön mutig und selbstreflektiert, das zuzugeben und denjenigen, die sie nicht besitzen, hilft es, gesehen zu werden und vielleicht führt so eine Bewegung zu Besserem“, schreibt eine weitere Userin.

Was bedeutet normschön überhaupt?

Andere hingegen stellen sich die Frage, wer denn überhaupt definiert, welcher Mensch als normschön gilt. „Der Begriff macht mich stutzig, denn in puncto Schönheit gibt es keine ‚Norm‘ im DIN-Format“, meint eine Nutzerin. Immerhin beschreibt „normschön“ das, was in einer Gesellschaft als Schönheitsstandard definiert wird. Dass eine solche Einordnung überhaupt stattfindet, sehen einige kritisch.

„Ich würde mir nur wünschen, dass allgemein Körper nicht bewertet werden würden, egal ob ‚normschön‘ oder nicht. Obwohl die Message eine andere ist, bleibt gerade bei mir ein anderes Gefühl hängen: Wieder ein Video, in dem über einen Körper geurteilt wird“, gibt eine von Dariadarias Zuschauerinnen zu bedenken, lobt aber trotzdem: „Ich finde es toll, dass du mit deinem Content selbstkritisch umgehst.“

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