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Instagram und Snapchat sind toxisch – sie zerstören deine Erinnerungen

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Von: Jana Stäbener

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Eine Frau macht in Neapel ein Selfie. Weil sie das Foto macht, erinnert sie sich wahrscheinlich weniger an den Moment.
Löschen Apps wie Instagram und Snapchat unsere Erinnerungen? © Panthermedia/IMAGO/Collage

Instagram und Snapchat sind toxisch für dein Langzeitgedächtnis: Wer öfter snappt oder Storys postet, vergisst schöne Erlebnisse schneller.

In den vergangenen sechs Jahren wurde Instagram das Foto-Album der Generation Z und Y. Statt Bilder mit der knallbunten Digitalkamera zu knipsen, zücken junge und auch ältere Menschen heute ihr Smartphone und halten die Momente fest, die sie in Erinnerung behalten wollen. Mit dem Börsengang von Snapchat im Jahr 2017 wurde diese „willkürliche Knipsen“ noch einmal intensiviert. Alltägliche Dinge werden für alle Freund:innen und Bekannte fotografiert – besonders gut getimt sind diese Aufnahmen bei der Social-Media-App „BeReal“, die eine US-Kollegin getestet hat.

Instagram ist toxisch: Verwenden wir digitale Geräte, erinnern wir uns später schlechter

Doch was macht das mit uns, wenn wir immerzu Momente einfangen und Erinnerungen auf Social-Media sammeln? Im Endeffekt ist das Internet ja nicht das echte Leben, wie TikToker zum Sound „The Internet isn‘t real life“ zeigen. Der Neurowissenschaftler James McGaugh schreibt in der Studie „Making Lasting Memories: Remembering the Significant“, dass wir uns mehr an Dinge erinnern, wenn wir in den Momenten eine emotionale Erregung erleben. Die Bildung einer Erinnerung hänge viel mit Wahrnehmung, also Riechen, Schmecken, Fühlen zusammen. Je ausgeprägter unsere Sinne etwas wahrnehmen, desto eher wird es in unserem Langzeitgedächtnis gespeichert, fasst das Portal Vice seine Studie zusammen.

Wenn wir diese sinnlichen Momente durch unsere digitalen Geräte unterbrechen, so sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns später an sie erinnern. Besonders toxisch ist hier die „Story-Funktion“, bei der man Erinnerungen 24-Stunden auf dem eigenen Profil öffentlich macht. Sie stammt ursprünglich von Snapchat und löste dort die „sich selbst löschenden Nachrichten“ ab. 2016 wurde die Funktion dann auch von Instagram übernommen. Ein Gamechanger für die App, deren Zahl an aktiven Nutzer:innen auf 700 Millionen pro Monat anstieg – 700 Millionen Menschen, die ihre Erinnerungen durch Social-Media-Posts ruinieren.

Wer sich auf Kameras verlässt, speichert Erinnerungen nicht so gut ab

Julia Soares und Benjamin Storm, Forscher von der University of California untersuchen schon lange den Einfluss, den digitale Technologie auf unsere Erinnerung hat. Sie zeigen in ihrer Studie „Forget in a Flash: A Further Investigation of the Photo-Taking-Impairment Effect“, dass Menschen Erinnerungen beim Fotografieren weniger tief speichern, als sie es sonst tun würden. Wenn sich Menschen auf Kameras verlassen, um Dinge zu speichern, so verschlechtert sich also ihr Gedächtnis – das haben auch schon frühere Untersuchungen bewiesen. Dieses Phänomen nennt sich „Photo-taking impairment effect“.

Hinzu kommt, und das ist die neue These, die Soares und Strom aufstellen: Wenn sich Menschen mit der Kamera oder dem Handy beschäftigen, dann lenken sie die Aufmerksamkeit weg von der Erinnerung. Sie betreiben „Aufmerksamkeits-Disengagement“, wie es die Forscher:innen gegenüber Vice beschreiben. Besonders toxisch sind hier also Social-Media-Apps wie Snapchat und Co., denn sie lenken mit ihrer Benutzeroberfläche, Filtern, Effekten und Texteinblendungen noch mehr ab als normale Kameras.

„Du stellst einen Bildschirm zwischen dich und das, was du versuchst aufzunehmen“

„Du trittst aus dem gegenwärtigen Moment zurück, und das ist es, was diese Abkopplung verursacht. Du stellst buchstäblich einen Bildschirm zwischen dich und das Ereignis, was du versuchst aufzunehmen“, sagt Soares Vice. Angeblich dauert es dann auch ein wenig Zeit, um sich von dieser Aufmerksamkeitsentkopplung zu erholen, um wieder in den Modus „OK, ich lebe in der gegenwärtigen Erfahrung. Ich bin gegenwärtig“ zurückzufinden, so Soares weiter.

Instagram kann für viele auch Geschäftsmodell sein. Hier schreiben wir, wie Anna Delvey/Sorokin aus „Inventing Anna“ jetzt Instagram für sich nutzt.

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