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Vater schenkt 18 Monate altem Baby Smartphone – Pädagogin findet das „nicht falsch“

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Von: Jana Stäbener

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Der Autor Sascha Lobo schenkte seinem 18 Monate alten Sohn ein Smartphone zu Weihnachten. Auf Social Media will er seine Follower:innen dabei mitnehmen, wie er ihn schrittweise an digitale Medien heranführt.
Der Autor Sascha Lobo schenkte seinem 18 Monate alten Sohn ein Smartphone zu Weihnachten. Auf Social Media will er seine Follower:innen dabei mitnehmen, wie er ihn schrittweise an digitale Medien heranführt. (Links Symbolbild) © Westend61/IMAGO/Screenshot Sascha Lobo IG

Der Journalist Sascha Lobo schenkt seinem 18 Monate alten Sohn ein Smartphone, weil noch „nie jemand etwas durch Ignorieren gelernt hat“. Ist das eine gute Idee?

Pünktlich zu Weihnachten teilte der Blogger und Autor Sascha Lobo ein Reel, in dem er öffentlich machte, dass er seinem Sohn mit 18 Monaten nun ein Smartphone schenkt. Im Video ist zu sehen, wie das Kind auf besagtem Smartphone herumwischt. Er habe „das Konzept Touchscreen zumindest grob verstanden“.

„Deshalb bekommt er heute zu Weihnachten sein erstes Smartphone“, schreibt Lobo. Gegenüber BuzzFeed News DE betont die Medienpädagogin Lisa Mutschke,wie „wichtig und in unserer heutigen Gesellschaft unabdingbar“ es ist, dass der Autor das so relevante Thema „Kinder und Digitalisierung“ anstößt.

Smartphones bei Kindern: „Nicht wenige Eltern lehnen das komplett ab“

Mehr als 43 Stunden pro Woche surfen Jugendliche in den USA mit ihren Handys im Netz. Eine Psychiaterin ist besorgt über diesen Smartphone-Trend bei Kindern. Sie verbietet ihren Kindern deswegen, vor dem 18. Geburtstag jegliche Art Smartphone zu benutzen und nimmt dafür in Kauf, dass ihr Nachwuchs aus diversen sozialen Gruppen ausgeschlossen wird. Genau das Gegenteil von Lobo, der solche Eltern kritisiert.

„Nicht wenige Eltern lehnen das komplett ab nach dem Motto: ‚Smartphones erst ab 27 Jahren!!! Hashtag Teufelszeug‘“, schreibt er zu seinem Reel (siehe unten). Das verstehe er nicht, denn noch „nie hat jemand etwas durch Ignorieren gelernt“. Deshalb hätten er und seine Frau sich entschlossen, „die Kinder so früh wie irgend möglich kontrolliert (naja) an die digitale Welt heranzuführen“. Lobo kündigt an, diesen Prozess in den nächsten Monaten auf Instagram zu dokumentieren.

BuzzFeed News DE hat Sascha Lobo und seine Frau Jule Lobo um Stellungnahme gebeten, aber bis jetzt kein Statement erhalten.

18 Monate altes Kind mit Smartphone: Medienpädagogin „ist dieses Bild nicht fremd“

Die Medienpädagogin Lisa Mutschke beschäftigt sich seit über sieben Jahren mit digitalen Medien in der Kindererziehung. Sie könne Sascha Lobos Entscheidung, seinem 18 Monate altem Sohn ein Smartphone zu schenken, nicht umfassend beurteilen. Auf Instagram sehe sie schließlich nur einen kurzen 15-sekündigen Ausschnitt. „Es ist unklar, wie das Smartphone im Alltag des Kindes und im Familienleben eingesetzt wird“, sagt sie BuzzFeed News DE.

„Jedoch ist uns dieses Bild nicht fremd. Häufig sehe ich beispielsweise Kleinkinder im Kinderwagen oder auf dem Schoß der Eltern, die am Smartphone herumspielen“. Das sei jedoch nicht per se schlecht, denn die technischen Geräte würden schließlich immer mehr zum Lebensmittelpunkt (mit Smartphones kann man in diesem Städtchen sogar steuern, wann es hell wird).

„Wir als JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis befürworten eine Medienerziehung, die Kinder und Jugendliche zu einem souveränen Leben mit Medien führt“, sagt Mutschke. Deswegen gebe es auch kein ideales Alter für ein Smartphone. „Eltern kennen ihre Kinder am besten und sollten einschätzen lernen, wie gut sie Medieninhalte verarbeiten und damit umgehen können – daher gibt es hier kein richtig oder falsch.“ Sie verweist auf Checklisten, an denen man testen könne, ob das eigene Kind bereit sei.

Kinder und Smartphones: Immer wichtig, „beide Seiten zu betrachten“

Mutschke plädiert jedoch dafür, bei Smartphones „beide Seiten zu betrachten“. „Die Gefahren sind keineswegs zu ignorieren und so sollten Eltern stets sensibel sein, wenn es um den Umgang mit technischen Geräten geh“, sagt die Medienpädagogin. Sie verweist auf die Risiken von exzessiver Mediennutzung (gar eine Stunde Smartphone-Verzicht pro Tag hat erstaunliche Auswirkungen auf dein Wohlbefinden), Cybermobbing, verzerrte Realität durch Influencer:innen und Datenmissbrauch.


Was Lobo mit seinem Sohn macht, könnte also keine schlechte Idee sein. Denn: „Kinder sollten wie beim Straßenverkehr Stück für Stück herangeführt werden, bevor sie allein auf die Straße gelassen werden.“ Bei digitaler Erziehung sei es also besser, sich über Gefahren auszutauschen und altersgerechte Angebote zu machen, „anstatt technische Geräte und Social Media direkt zu verbieten“.

Aussagen von Mediziner:innen wie dem Kinderarzt Burkhard Voigt, der warnt, dass Eltern „ihre Kinder mit dem Handy ausschalten“ wollen, findet Mutschke „schwierig“. „Die Kinder sind in dem Sinne nicht ausgeschaltet – Sie spielen, informieren, inspirieren und vernetzen sich mit Freund:innen und auf Social Media.“ Studien zeigten, dass 40 Prozent der jungen Leute Instagram und TikTok heutzutage als Suchmaschine verwenden würden. „Diese Aspekte vergessen viele kritische Stimmen.“

Lisa Mutschke arbeitete als medienpädagogische Referentin mit dem Fokus auf Social Media, digitalen Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist in Berlin am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis – beschäftigt.
Lisa Mutschke arbeitete als medienpädagogische Referentin mit dem Fokus auf Social Media, digitalen Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist in Berlin am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis – beschäftigt. © Lisa Mutschke

„Ein striktes Verbot kann auch genau Gegenteiliges hervorrufen“

Sie könne verstehen, dass Eltern das Handy oder das Fernsehen als Gefahr sehen. „Jedoch kann ein striktes Verbot auch genau Gegenteiliges hervorrufen und das Kind verspürt einen noch größeren Reiz, diese Medien zu erkunden und zu verwenden.“ BuzzFeed News DE fragt sie, was bei der digitalen Kindererziehung besser wäre als ein Verbot.

„Ich würde da eher die Perspektive auf die Eltern richten. Wird dem Kind einfach ein iPad oder Smartphone in die Hand gedrückt oder begleiten und reflektieren die Eltern den Medienumgang des Kindes. Auch hier zählt Qualität vor Quantität“, erklärt die Medienexpertin. Eine tolle Möglichkeit seien Mediennutzungsverträge oder Mediengutscheine, mit denen Mediennutzung beschränkt werden können.

Auch sei es für Eltern wichtig, den eigenen Medienkonsum, also auch die eigene Zeit auf Instagram und Snapchat (die sind übrigens toxisch und zerstören deine Erinnerungen) zu hinterfragen. „Ich persönlich bestärke Fachkräfte und Eltern immer dazu, Mut zu haben und selbst gewisse Apps auszuprobieren oder sich aktuelle Trends von den Kindern erklären zu lassen. Also an alle Eltern: Haben Sie Mut und gehen Sie wissbegierig in den Austausch mit ihrem Kind! Sie werden erstaunt sein, wie viel Know-How ihr Kind besitzt und werden immer wieder etwas Neues lernen!“

Mehr zum Thema Kinder und Social Media: „Das gesamte Leben ist online“: Petition will Kinderrechte auf Instagram & Co. schützen

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