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#Klarna: Vom Tiktok-Trend zur Schuldenfalle – so gefährlich unterschätzt Gen Z den Bezahldienst

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Von: Felicitas Breschendorf

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Ein Foto der Klarna-App. Klarna ist als Bezahlmethode laut dpa besonders bei jungen Menschen beliebt.
Klarna ist als Bezahlmethode laut dpa besonders bei jungen Menschen beliebt. © Rüdiger Wölk/ Imago

Immer mehr junge Menschen verwenden Klarna, um online zu bezahlen. „Problematisch“, findet das die Juristin Anh-Van Tran. Klarna-Käufe haben Einfluss auf deine Schufa und können zu Verschuldung führen.

Von TikTok ist man verrückte Trends ja gewohnt. Wenn die Gen Z ihre Zimmer vollstellt, nennt man das zum Beispiel Cluttercore. Getoppt wird das nur noch davon, wie sich momentan junge Menschen auf der Plattform mit ihren Zahlungsrückständen battlen – Schulden bei dem Zahlungsanbieter Klarna. „Ich wette, niemand kann meine Klarna-Schulden toppen“, heißt es etwa auf dem Tiktok-Kanal von @joinvitamin, in dem die Protagonistin einen Betrag von über 1.500 Euro in die Kamera hält.

Beim Trend #Sheinhaul prahlten TikToker:innen noch voller Freude mit ihren Einkäufen beim Fast-Fashion-Label „Shein“. Bei #Klarnaschulden sind die Stimmen zum Teil reflektierter. Die TikTokerin @leraicheri erklärt, „was passiert, wenn man Klarna so dumm nutzt“, wie sie das getan habe. Währenddessen präsentiert sie ihre 6.000 Euro Schulden:

Bei Gen Z beliebt – aber was ist Klarna?

Das Unternehmen Klarna bietet die Bezahlweise „Buy Now, Pay Later“ zum Online-Shopping an. Auf Seiten wie H&M oder Asos kann man damit seine Bezahlung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Auf diese Weise ist es möglich, zu einem Zeitpunkt etwas zu kaufen, in dem man das Geld noch nicht zur Verfügung hat. Zahlen muss man laut Klarna erst in 30 Tagen. Für junge Menschen ist dieses Verfahren laut der Deutschen Presse-Agentur besonders verlockend.

Besonders junge Menschen der Gen Z landen in der Klarna-Schuldenfalle

In der Pandemie stiegen laut Verbraucherjuristin Tran die Online-Käufe – und damit auch die Ratenzahlung mit Diensten wie Klarna. Das hat laut der Deutschen Presse-Agentur dazu geführt, dass im vergangenen Jahr mehr Menschen Kleinkredite aufgenommen haben als im Vorjahr. Trotz Inflation kamen insgesamt sieben Millionen Ratenkredite zusammen. Der Anteil von Krediten unter 1.000 Euro stieg besonders hoch an (von 19, 9 Prozent auf 29,5 Prozent). Größere Investitionen gingen hingegen zurück. Die Angaben gehen aus einer Studie der Schufa hervor, die der dpa vorliegt.

Unter jungen Menschen nehmen nicht nur die Käufe von Fake-Produkten zu. Auch bei den Kleinkrediten sind die shopping-affinen 18- bis 19-Jährigen ganz weit vorne dabei, wie aus einer Schufa-Studie hervorgeht. Anh-Van Tran ist Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insovlenzberatung e.V. in Berlin. Der Verein ist ein Zusammenschluss aus Berliner Schuldenberatungsstellen. Tran erklärt, dass junge Menschen deshalb besonders anfällig für Klarna sind, weil diese am meisten online shoppen. Hinzu komme die unkomplizierte Form der Bezahlweise: „Ein Kleinkredit lässt sich durch wenige Klicks schnell abschließen.“

Was junge Verbaucher:innen oft nicht wissen: Auf jede Bestellung werden Zinsen angerechnet

Jedes Mal, wenn du mit Klarna bestellst, schließt du einen neuen Kreditvertrag ab. „Wenn du etwas später als vereinbart oder in Raten abbezahlst, wird dir ein Zahlungsaufschub gewährt, auf den zusätzlich Gebühren oder Zinsen fallen“, erklärt Tran. Wenn man seine Schulden nicht in der zunächst vereinbarten Zeit von 14 Tagen zurückgezahlt habe, könne man stattdessen 30 Tage auswählen. In diesem Fall liegt der Zinssatz laut Anwältin Tran bei 15 Prozent. Dabei entstehe die Gefahr, sich langfristig zu verschulden.

Jeder Einkauf mit Klarna wird zu einem Schufa-Eintrag – aber Infos sind undurchsichtig

Mit jedem neuen Kauf auf Rechnung oder Kleinkredit, der bei Klarna aufgenommen wird, wird zudem laut Tran auch die Schufa informiert. Der Haken: Viele Käufer:innen wissen das gar nicht. „Umso mehr man auf Rechnung kauft, umso schlechter wird auch der Score-Wert“, so Tran. Egal ob pünktlich gezahlt wird, oder nicht. Der Score-Wert zeigt, wie zahlungskräftig eine Person ist. Wer oft bei Klarna einkauft, verliert also nach und nach an Kreditwürdigkeit. Ob Klarna diese wiederum vor dem Kauf überprüft, sei unklar. Es könnte also sein, dass man als sowieso schon zahlungsunfähige Person seinen Stand bei der Schufa noch weiter verschlechtern kann.

In den AGB steht zwar, dass Klarna die Daten an die Schufa weitergibt. „Aber wir wissen ja alle, dass viele sich diese nicht durchlesen und dadurch auch die Gefahr nicht erkennen“, sagt die Juristin. Sie sieht Klarna selbst in der Verantwortung. Von dem Unternehmen fordert sie mehr Transparenz beim Zahlungsvorgang. „Man könnte beispielsweise bei Abschluss des Vertrages die Gesamtsumme angeben, die man Klarna noch schuldet, um das Verhältnis von Kaufpreis und Zinsen zu verdeutlichen.“

„Klarna-Werbung von Händlern und Influencer:innen sind problematisch“, so Anh-Van Tran

Problematisch findet sie auch Klarna-Werbung und Influencer:innen, die positiv darüber berichten. Außerdem werben Händler wie H&M direkt mit „Buy Now, Pay Later.“ „Aufgrund der leichten Beeinflussung und der wenigen Aufklärung stufe ich die Methode als gefährlich ein“, heißt es von Tran. In Großbritannien sei daher bereits Werbung von Klarna bereits mehrfach verboten worden. In Deutschland gibt es laut Tran von der Bafin noch keine genauen Pläne dazu. Ihr Schuldenberatungsverein habe deshalb ein Projekt gestartet, um die Finanzbildung an Schulen zu verbessern. Kinder sollen so schon früh lernen, mit Geld umzugehen.

Die durchschnittliche Höhe der Kredite von 18 bis 19-Jährigen liegt nach Angaben der dpa bei 343 Euro. Die erwähnten TikTokerinnen sind mit ihren hohen Schulden nicht alleine. Immer mehr junge Menschen sind laut Tran von Konsumschulden betroffen. Unter Konsumschulden fallen Kredite für kleinere Einkäufe wie Kleidung oder andere entbehrlichen Waren. „Obwohl man diese besser vermeiden könnte als Schulden, die etwa durch die Krankheit eines Familienmitglieds entstehen“, erklärt Tran.

Was muss ich als Vebraucher:in beachten, um nicht in die Klarna-Schuldenfalle zu geraten?

Zum einen rät Tran, sich die Mühe zu machen, die AGB richtig zu lesen. „Es reicht auch einfach, in der Suchleiste ‚Gebühren‘ einzugeben.“ So kann man sich über die Zinssätze informieren. Bevor man sich für den Kauf entscheidet, sollte man sich zum anderen fragen, ob man sich die Sache zu dem späteren Zeitpunkt überhaupt leisten kann.

Die größte Verlockung von Klarna ist es laut Tran, immer das Neuste zu haben. Das Problem beschreibt sie folgendermaßen: „Ich kaufe etwas, weil es gerade voll im Trend ist, muss es aber erst 30 Tage später bezahlen, wenn ein neuer Trend kommt.“ Um dieser gefährlichen Spirale zu entgehen, schlägt sie deshalb vor, nicht alles online und neu einzukaufen. Statt bei Asos, Zalando und Co könne man bei Second Hand Läden oder Tauschbörsen einkaufen. „Das ist nicht nur finanziell, sondern auch umwelttechnisch nachhaltig.“

Auch für diejenigen, die schon in der Klarna-Schuldenfalle stecken, hat Tran einen Tipp. „Wenn man merkt, dass man nicht das Einkommen hat, den angesammelten Schuldenberg zu bezahlen, sollte man zur Schuldenberatungsstelle gehen“, sagt sie. Dort wird dann entschieden, ob eine Ratenzahlung möglich ist oder ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden muss.

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