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Masken-Affäre: Was Fynn Kliemann jetzt droht

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Von: Jana Stäbener

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Fynn Kliemann und sein Masken-Betrug brachten ihm einiges an Geld ein – eine halbe Millionen Euro sollen es gewesen sein.
Böhmermann deckte Fynn Kliemanns Masken-Betrug auf – jetzt erlebt der Influencer die Konsequenzen. © Monika Skolimowska/dpa/Brian Jakubowski/dpa (Collage)

Fynn Kliemann ist mit seinem Masken-Betrug aufgeflogen. Dafür hat Jan Böhmermann gesorgt. Mit welchen Konsequenzen muss er jetzt rechnen?

Gegen Fynn Kliemann und seinen Geschäftspartner Tom Illbruck von „Global Tactics“ wurde bei der Staatsanwaltschaft Kleve Anzeige erstattet. Weitere Unternehmen wie Toom, die Hamburger Online-Bank „Tomorrow“  und Berentzen beenden die Zusammenarbeit.

In der Nacht auf Freitag, den 6. Mai, veröffentlichte das „ZDF Magazin“ eine Investigativ-Recherche zu Influencer und Unternehmer Fynn Kliemann. Laut der Recherche ließ Kliemann Masken in Asien statt in Europa produzieren – minderwertige Modelle gingen an Geflüchtete. Seitdem sein Masken-Skandal ans Licht kam, ist einiges passiert. Fynn Kliemann hat mittlerweile drei weitere Posts auf Instagram veröffentlicht, in denen er versucht, sein Handeln zu rechtfertigen – mit mäßigem Erfolg. Wir haben zusammengefasst, welche Konsequenzen dem Musiker jetzt drohen – vor allem Geschäftspartner und damit eine Menge Geld dürfte der Musiker in nächster Zeit verlieren.

Einige Konsequenzen, die Fynn Kliemann ereilt haben:

Böhmermann lässt Kliemanns Masken-Betrug auffliegen – das hat Konsequenzen

Weil Fynn Kliemann die Fragen des ZDF Magazins schon am vergangenen Donnerstag vor der Sendung veröffentlichte und in einem Statement darauf einging, reagierte bereits am 5. Mai die erste Organisation auf die Fehltritte des Musikers. Die Tafel, mit der Fynn Kliemann vereinbart hatte, dass sie die von seinem Urlaubs-Anbieter „Lass es dir gut gehen“ (LDGG) bereitgestellten Urlaube an Tafel-Kund:innen sowie an Ehrenamtliche vermittelt, kündigte ihm die Zusammenarbeit.

Und das bereits vor der Veröffentlichung von Jan Böhmermanns Sendung auf Youtube, in der er den Masken-Betrug von Fynn Kliemann und „Global Tactics“ aufdeckte. Auf der von Böhmermann erstellten Seite LMAAFK (Leck mich am Ar*** Fynn Kliemann), die eine Anspielung auf Kliemanns Unternehmen LDGG ist, wird die gesamte Recherche noch einmal zusammengefasst. Als Grund für die Kündigung führt die Tafel auf ihrer Website an, dass die Kommunikation anders gewesen sei, als in der Vereinbarung festgehalten und die fehlende Transparenz bei den Spenden der Organisation nicht bewusst war.

Am Freitagmittag, 6. Mai, hatte sich nach Informationen von Business Insider die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis (DNP) zu Wort gemeldet. Die hatte Kliemann 2020 für seinen Einsatz bei der Masken-Produktion mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Der Preis wird dem Influencer nun entzogen. Die Begründung der Stiftung: „Er hat unlautere Methoden angewendet und uns mit Greenwashing hintergangen“.

Mehrere Unternehmen beenden die Zusammenarbeit mit Fynn Kliemann

Der Onlinehändler About You, der die Masken lange im Sortiment hatte, kündigte ebenfalls am Freitag an, den Verkauf der statt in Europa in Bangladesch produzierten Masken zu stoppen. Co-Gründer des Online-Stores, Tarek Müller, kommentierte unter dem Statement, in dem sich Fynn Kliemann entschuldigte: „Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt [...] Global Tactics [hat uns] weder im Jahr 2020, noch danach, darüber informiert [...] dass die Masken außerhalb Europas hergestellt worden wären. Selbstverständlich haben wir die „ODERSO“-Masken umgehend aus dem Sortiment genommen.

Am Montag, 9. Mai, zog ein weiteres Unternehmen nach, das den Unternehmer und Musiker Fynn Kliemann nach eigenen Angaben „immer als offen, herzlich und unterstützend“ erlebte. Fynn Kliemann habe Viva con Agua mit kreativen Spendenaktionen für sauberes Trinkwasser unterstützt. Trotzdem wolle man die Zusammenarbeit nun beenden. „Die Berichterstattung des @zdfmagazin über Fynn Kliemann und Global Tactics hat uns bestürzt und getroffen. Die geschilderten Vorgänge stehen in krassem Gegensatz zu unseren Werten und unserer Vorstellung von gemeinwohlorientiertem Unternehmertum“, schreibt die Nichtregierungs-Organisation (NGO) am Montag auf Twitter:

Laut dem Nachrichtenportal Watson soll auch der Energieversorger EWE angekündigt haben, die Zusammenarbeit mit Kliemann genauer zu untersuchen. Der Energie-Anbieter ist zu großen Teilen am „Kliemannsland“ beteiligt, einer Art Freizeitpark und Ferienhaussiedlung. Auch der Hamburger Sportverein FC St. Pauli hatte im April 2020 „ODERSO“-Masken von „Global Tactics“ im Sortiment und will in Zukunft nicht mehr kooperieren. „Sollten sich die gegen Fynn Kliemann und Global Tactics erhobenen Vorwürfe bewahrheiten, wird der FC St. Pauli sämtliche zur Verfügung stehenden juristischen Konsequenzen prüfen lassen“, schreibt der Verein in einer Mitteilung.

Toom, Berentzen und Online-Bank „Tomorrow“ distanzieren sich von Influencer Kliemann

Am Mittwoch, 11. Mai, gab die Online-Bank Tomorrow laut der Morgenpost bekannt, dass sie sich von Fynn Kliemann distanziere. „Wie viele unserer Kund:innen, Fans und Partner:innen sind auch wir schockiert angesichts der Vorwürfe gegenüber Global Tactics und Fynn Kliemann.“ Der 34-Jährige Musiker hatte bei der Bank immer wieder als Werbegesicht hergehalten. Er trat für „mobiles Banking mit konsequenter Nachhaltigkeit“ ein, das ihm heute wohl wenige Kund:innen abkaufen würden.

Laut Spiegel haben außerdem weitere Unternehmen wie die Baumarkt-Kette Toom und die Getränke-Marke Berentzen die Zusammenarbeit mit Kliemann aufs Eis gelegt. Bei Toom stehe man „für Respekt und einen respektvollen Umgang miteinander“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens dem Spiegel. Aus diesem Grund habe man als verantwortungsvolles Unternehmen „alle laufenden Kooperationsmaßnahmen umgehend ausgesetzt“.

Welche rechtlichen Konsequenzen hat Fynn Kliemanns Masken-Skandal?

In seinem letzten Statement (siehe Ende des Artikels) sagt Kliemann, er habe die Masken nicht beworben, sondern nur die, die in Europa produziert wurden. Auf der Website von About You waren die Masken aus Bangladesch aber als „ODERSO“ (Fynn Kliemanns Marke) gelabelt. Mit seinen Ausreden mache Fynn Kliemann seine Situation laut dem Kölner Medienanwalt Christian Solmecke aber nur immer schlimmer. Dieser durchleuchtet den Fall des Influencers und seinen Masken-Betrug in mehreren Youtube-Videos (siehe unten) und schätzt, dass Kliemann für Betrug nach Strafgesetzbuch §263 belangt werden dürfte.

In Strafgesetzbuch §263 heißt es demnach: „Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Genau mit diesem Gesetz beschäftigt sich nun die Staatsanwaltschaft Kleve. Die Wirtschaftswoche berichtete, dass eine Privatperson gegen das Unternehmen „Global Tactics“ mit Sitz in Kerken (bei Kleve) Strafanzeige erstattet hat. Kliemann und der Gründer von Global Tactics, Tom Illbruck, ließen eine Anfrage der Wirtschaftswoche zunächst unbeantwortet. Dass aus der Anzeige eine Strafe wird, sei jedoch unwahrscheinlich – dafür müsste ein klarer Vermögensschaden einer Partei nachgewiesen werden. Zumindest auf der Ebene der Käufer:innen sei dies schwer nachzuweisen. Inwieweit Fynn Kliemanns Geschäftspartner:innen wie About You oder Viva con Agua geschädigt wurden, sei noch nicht bekannt.

Es sei jedoch auch vom ZDF Magazin nicht ganz fair gewesen, nicht alle Fragen vorab an Fynn Kliemann zu schicken, merkt Solmecke im Video an. Er habe nicht gewusst, dass das ZDF von seiner Bangladesch-Produktion durch Insider-Informationen wisse. Dass er sich keinen Anwalt genommen habe, schon für sein erstes Statement, sei jedoch grob fahrlässig gewesen, so Solmecke. Kliemann habe sich dadurch noch mehr verzettelt. Der vorsätzliche Verkauf von Masken, die als in einem anderen Land produziert angepriesen wurden, sei ein klassischer Betrug.

Kliemann redet sich bei Masken-Affäre raus

Bereits am Freitag, einige Stunden, nachdem Böhmermann das Video zu Fynn Kliemanns Maskenbetrug veröffentlichte, postete der Influencer ein Statement auf Instagram (siehe unten). Im Statement sagt er, dass er nicht Mitbesitzer der Firma „Global Tactics“ war und auch nicht Produzent oder Verkäufer. Trotzdem übernehme er „die volle Verantwortung“. Er widerspricht sich bei vielen Anklagepunkten und scheint nicht wirklich Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

So redet er sich beispielsweise damit raus, dass zu diesem Zeitpunkt „überall nach Masken geschrien wurde“. Er habe die Notlage gesehen und darauf reagiert, liest er von einem DIN A4 Blatt ab. Die zitierte WhatsApp-Nachricht „Krise kann auch geil sein“ habe sich anscheinend auf das „Gesamtkonzept bezogen“, die Schaffung von Arbeitsplätzen in Ländern wie Bangladesch, also „dass man in der Krise etwas bewirken“ kann. Aber „natürlich hat sich das auch aufs Geld verdienen bezogen“, beendet er die Erklärung.

„Kappas für die Nonpology“: Fynn Kliemanns Statement kommt nicht gut an

Nutzer:innen auf Instagram kommentieren unter seinem Entschuldigungs-Video und sind enttäuscht von ihrem einstigen Nachhaltigkeits-Vorbild. Die Influencerin @janaklar schreibt unter seinem Video zu den intransparenten Spenden: „Ich finde es einfach extrem traurig zu sehen, wenn Menschen mutwillig betrügen. Ich bin sicher, dass du gut von dem Geld leben könntest, das du bis jetzt gemacht hast. Warum immer größer, schmutziger und immer unauthentischer werden?“ Laut Medienberichten hat Fynn Kliemann ein Vermögen von insgesamt 2 Millionen Euro – mit dem Masken-Betrug kamen etwa 0,5 Millionen dazu, wie er bei einem Interview mit dem Spiegel zugab.

Die defekten Masken, die er an Flüchtlingscamps verkauft haben soll, waren laut Entschuldigungs-Video anscheinend „nur ein bisschen größer“ als die üblichen Masken. Ihm war die Fehlerbeschreibung, die das ZDF Magazin veröffentlichte, nicht bekannt, so Fynn Kliemann. Er „habe seinen Wertekompass aus den Augen verloren“, liest er ab. Er hätte sich hier „mehr Klarheit verschaffen müssen“, sagt Kliemann und spricht dabei aber nur von Großhandelskunden der Firma „Global Tactics“ – nicht von sich oder seiner Marke „ODERSO“.

„Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die mir schon lange folgen und Vetrauen in meine Arbeit haben“, sagt er in seinemm Statement. Er hebt noch einmal hervor, dass manche Masken auch wirklich nur aus Europa stammten. Instagram-Nutzer:innen stößt das bitter auf. Ein:e Nutzer:in schreibt: „Ich fass das mal kurz zusammen: es sind alle anderen schuld, tut dir aber trotzdem leid, dass es aufgeflogen ist. Alles klar, haben wir verstanden.“ Ein:e andere:r schreibt: „Kappas für die Nonpology“, und spielt damit darauf an, dass Kliemann sich nicht wirklich entschuldigt hat. „Wenn du das Referat deiner Gruppe noch nie vorher gesehen hast, aber plötzlich den Vortrag halten musst“, schreibt ein:e dritte:r unter dem Post.

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