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Flugzeug fliegt wegen Blockade von „Letzter Generation“ „komplett sinnlos“ im Kreis – die sieht das nicht so

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Von: Felicitas Breschendorf, Jana Stäbener

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Die „Letzte Generation“ blockiert den Flughafen in Berlin. Ein Flugzeug bleibt deshalb eine Stunde länger in der Luft. BuzzFeed spricht mit einer Passagierin – und den Klima-Aktivist:innen.

Klimaaktivist:innen der „Letzten Generation“ haben am Donnerstag den Flugbetrieb am Hauptstadtflughafen BER für fast zwei Stunden lahmgelegt. In dieser Zeit saß Jana, 26, Studentin aus Berlin, nichtsahnend im Flugzeug. Wegen der Proteste konnte es nicht landen. Eine Stunde sei das Flugzeug ungefähr „im Kreis geflogen“, dann kurz in Richtung Hannover und zurück. „Komplett sinnlos“, sagt sie gegenüber BuzzFeed News DE. Die „Letzte Generation“ widerspricht: „Diesen Druck braucht es jetzt.“

„Letzte Generation“ blockiert Flughafen BER: 15 geplante Landungen umgeleitet

Nach Angaben der Bundespolizei verschafften sich am Donnerstagnachmittag, 24. November, zwei Gruppen, bestehend aus jeweils mehreren Menschen, Zugang zum Flughafengelände BER. Einige von ihnen klebten sich nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Boden fest. Andere fuhren, wie die „Letzte Generation“ selbst mitteilte, mit Fahrrädern über das Gelände. Der Berliner Flughafen stoppte den Betrieb auf beiden Start- und Landebahnen.

Die Aktivist:innen streamten die Aktion live bei Twitter (siehe unten). Kurz nach 16 Uhr knipsten sie am Donnerstag einen Zaun durch und gingen auf das Flughafengelände. Fünf Starts mussten gestrichen, 15 geplante Landungen nach Leipzig und Dresden umgeleitet werden. Am Freitag, 25. November, kündigte das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg an, gegen sechs Klimaaktivisten unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, Störung öffentlicher Betriebe sowie Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung, zu ermitteln.

Zwei Stunden länger ist das Flugzeug wegen Blockade der Letzten Generation in der Luft

Die Proteste der „Letzten Generation“ richten sich gegen die Klimakrise – die durch CO₂-Ausstoß verschlimmert wird. Auch die diesjährige Weltklimakonferenz reicht nicht aus, um sie zu bekämpfen. „Statt das Klima zu retten, was ja der richtige Ansatz ist, haben die Aktivist:innen aber das Gegenteil erreicht“, sagt Jana, die genau an dem Tag in Berlin landen wollte. Kurz vor ihrer geplanten Landung in Berlin flog ihr Flugzeug im Kreis, was Jana auf einer Bildschirmanzeige live verfolgen konnte.

Kurz darauf bewegte es sich nach Hannover, weil der Pilot stattdessen dort landen wollte. Weil zu dem Zeitpunkt der Flugbetrieb in Berlin aber wieder freigegeben wurde, kehrte das Flugzeug zurück nach Berlin. Knapp über eine Stunde länger als nötig war das Flugzeug insgesamt in der Luft. „In der Zeit hätte man nach Spanien fliegen können“, sagt Jana.

Während des Flugs bekamen die Passagiere nur mitgeteilt, dass es nötig sei, weiter hin- und herzufliegen. „Keiner wusste, was los ist“, sagt Jana, die nach ihrer langen Reise aus Kenia nur noch nach Hause wollte. Auch dem Piloten und den Flugbegleiter:innen sei nicht klar gewesen, warum sie nicht landen können. Unter den Passagieren sei jedoch keine Panik ausgebrochen, weil „das Team an Bord so nett war“. Erst als Jana wieder Boden unter den Füßen hatte, bekam sie eine Push-Meldung eines Nachrichtendiensts auf ihr Handy: „Letzte Generation blockiert BER“.

Links: Flugzeug. Rechts: Auf der Bildschirmanzeige konnte Jana sehen, dass das Flugzeug sich nur noch im Kreis bewegte.
Rechts: Auf der Bildschirmanzeige konnte Jana sehen, dass das Flugzeug sich nur noch im Kreis bewegte. © YAY Images/ Imago/ privat/ Collage/ BuzzFeed News Deutschland

War die Flughafen-Blockade ein Denkfehler der „Letzten Generation“?

Nicht umsonst wählen die Klimaaktivist:innen Orte wie die Autobahn oder den Flughafen für ihre Proteste: Flugreisen und Autofahren verschlimmern die Erderwärmung. „Wir bringen unseren Protest dorthin, wo wir auch die Macht sehen, etwas zu verändern“, sagte etwa eine Aktivistin der Organisation „Climate Debt“, die wir gefragt haben, was Klimaaktivismus bringt.

Deswegen wohl auch die Flughafen-Blockade, denn der Flugverkehr hat laut Umweltbundesamt mit Abstand die höchsten Treibhausgasemissionen. Dennoch könnte ein Denkfehler im letzten Protest der „Letzten Generation“ liegen: Denn wenn sich die Aktivist:innen an die Autobahn festkleben, wird der Verkehr aufgehalten. Ein Rettungssanitäter erklärte gegenüber BuzzFeed News DE, dass seine Arbeit dadurch sogar nicht einmal mehr als sonst beeinträchtigt wird. Doch bei der Blockade eines Flughafens können Flugzeuge zwar nicht starten – die, die jedoch landen wollen, sind gezwungen, weiterzufliegen. Ein Widerspruch?

„Letzte Generation“: Geht nicht darum, Privatpersonen am Fliegen zu hindern

BuzzFeed News DE fragt bei der „Letzten Generation“ nach, ob sie diesen Widerspruch sehen. Die Aktivist:innen verneinen. „Wir machen Störaktionen, die nicht mehr ignoriert werden können“, erklären die Sprecher:innen Theo Schnarr und Lilly Schubert. Die Ampelregierung sei die letzte Bundesregierung, die „noch effektiv Klimaschutzmaßnahmen umsetzen“ könne. „Doch sie entscheidet sich dazu, lieber friedfertige Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft ohne Prozess wegzusperren und über noch härtere Strafen zu diskutieren, als einfachste Sicherheitsmaßnahmen wie ein Tempolimit umzusetzen.“

Es gehe der „Letzten Generation“ nicht darum, Privatpersonen am Fliegen oder so viele Flugzeuge wie möglich am Starten zu hindern. Viel mehr müsse der Verkehr so transformiert werden, dass Menschen nicht auf Flieger und Autos angewiesen seien, sondern so oft es geht bezahlbar und schnell Bahn fahren könnten. „Einige Flugzeuge, die etwas länger in der Luft blieben, stehen in keinem Verhältnis zu den Unmengen an CO₂, das wissentlich und unnötigerweise ausgestoßen wird durch ein fossiles Weiter-So in Energie und Verkehr.“

„Unsere Aktionen polarisieren, das ist uns klar“, so die „Letzte Generation“ gegenüber BuzzFeed News DE. „Es geht nicht darum, dass möglichst viele Menschen uns mögen.“ Sondern mehr darum, den großen Wandel als Gesellschaft einzufordern. „Jede Person muss sich fragen: Was ist in den nächsten zwei Jahren mein Beitrag zum Wandel? Wie kann ich Druck auf die Politik ausüben, damit unsere Lebensgrundlagen gesichert werden? Denn diesen Druck braucht es jetzt.“

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