Tampon-Debatte bei „7 vs. Wild“: Vor allem Männer wittern unfaire Vorteile für Frauen

Links StarletNova, rechts ein Tampon. Wird sich die Kandidatin StarletNova einen Tampon mit zu „7vsWild“ nehmen?
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Wird sich die Kandidatin StarletNova einen Tampon mit zu „7vsWild“ nehmen?
  • Felicitas Breschendorf
    VonFelicitas Breschendorf
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Die Youtube-Show „7 vs. Wild“ soll bald eine zweite Staffel bekommen. Weil diesmal auch Frauen dabei sind, ist eine Tampon-Debatte entbrannt.

Die zweite Staffel von „7 vs. Wild“ steht in den Startlöchern und sorgt schon jetzt für einen Aufschrei. „7 vs. Wild“ ist eine Outdoor-Show auf YouTube. Sieben Kandidat:innen müssen sieben Tage lang in der Wildnis überleben. Auf ihrem Survival-Trip dürfen sie neben der Kleidung, die sie am Leib tragen, nur sieben Gegenstände mitnehmen. Als Produzent und Outdoor-Youtuber Fritz Meinecke in einem Video (ca. ab Minute 12:30) darüber spricht, dass Tampons unabhängig davon mitgenommen werden können sollten, entbrennt auf YouTube und Twitter eine Debatte: ist das jetzt fair oder nicht?

Die erste Staffel von „7 vs. Wild“ war im vergangenen Jahr ein Riesen-Erfolg. Die Folgen wurden millionenfach geklickt. Jetzt hat Meinecke auf YouTube angekündigt, dass es zwischen November und Dezember eine zweite Staffel geben wird. Im vergangenen Jahr noch in Schweden, schlagen sich die Teilnehmer:innen dann auf einer tropischen Insel durch. Zum ersten Mal werden unter den Teilnehmer:innen Stand jetzt auch zwei Frauen sein: die Survival-YouTuberin „Sabrina Outdoor“ Camlott und die Twitch-Streamerin Antonia „Starletnova“. Die Frage, ob Menstruationsprodukte mitgenommen werden dürfen, ist für die Kandidatinnen womöglich von großer Bedeutung.

Fritz Meinecke: „Frauen-Hyghiene-Artikel zählen für mich zu Medikamenten.“

In einem neuen Video hat Meinecke, der selbst Survival-Experte ist, über die Voraussetzungen für Kandidat:innen in der neuen Staffel gesprochen. Er kommt darin zu dem vorläufigen Entschluss, dass die Teilnehmer:innen Menstruationsprodukte frei mitnehmen dürfen – ohne dass sie Teil der sieben Gegenstände sind. „Auch, weil ich es für mich schwierig finde, das als Mann zu entscheiden“, erklärt er. Er begründet seine Entscheidung außerdem damit, dass Tampons und Binden nicht als Ausrüstungsgegenstände, sondern als Arzneimittel gelten sollten.

Die Kandidat:innen sollen selbst entscheiden können, ob sie die Hygieneprodukte mitnehmen oder nicht. Es könne ja auch Frauen geben, die freiwillig darauf verzichten und lieber improvisieren möchten, so Meinecke. Die Bedingung soll deshalb sein, dass die Kandidat:innen ihre Entscheidung für oder gegen Menstruationsprodukte zumindest vorher kommunizieren. „Das muss man nicht riesig ausschlachten, aber ich finde schon, der Fairness halber, dass man das einmal irgendwie offen legen sollte.“

Viele der Kommentare im Netz zu Tampons bei „7 vs. Wild“ sind frauenfeindlich

In den Kommentaren unter dem YouTube-Video macht sich Unverständnis bis hin zu großer Aufregung breit. Mit dabei sind viele frauenfreundliche und misogyne Aussagen. Der Umgang von Männern mit der Periode der Frau ist offenbar oft schwierig. Es gibt sogar einen Fall, in dem sich ein Mann unwohl gefühlt hat, wenn seine Tampons benutzt. Auch wenn man auf YouTube das Geschlecht der Nutzer:innen nicht klar ausmachen kann, kann man anhand der Kommentare davon ausgehen, dass viele von Männern stammen.

Die User:in „LOK Play“ kommentierte auf YouTube, dass viele Menschen auf der Welt keinen Zugang zu Tampons hätten. Aus diesem Grund handele es sich bei Tampons auch um ein Luxusgut. Die Person meint damit, dass Menstruationsprodukte deshalb auf gleicher Ebene mit den erlaubten sieben Gegenständen stehen. Sie sollten nicht gesondert behandelt werden.

Tampons seien ein Luxusgut, meint ein User.

Der User „FishingFreaks_NRW“ führt das oben genannte Argument noch weiter aus. „Was machen Frauen in anderen Ländern, die keine Tampons haben?“, fragt er ironisch. Mansplaining nennt man es, wenn Männern Frauen die Welt erklären wollen. Ein gutes Beispiel ist, wenn FishingFreaks_NRW erklärt, wie das in einer echten Survival-Situation so abläuft. Da hätten Frauen nämlich auch nichts dabei. „Kommt mal aus eurer Komfortzone raus“, rät er abwertend Frauen, die Tampons als notwendig ansehen.

„Kommt mal aus eurer Komfortzone raus“, rät ein User Frauen, die Tampons als notwendig ansehen.

Die Twitter-Nutzerin Joka schwächt daraufhin sein Argument. Sie antwortet direkt auf die Frage, was Frauen in anderen Ländern machen, die keine Tampons haben:

Die Erklärung dafür, dass Menschen in gewissen Ländern keinen Zugang zu Tampons hätten, ist demnach nicht, dass es ein Luxusgut ist. Dem Tweet von Joka zufolge sind Menstruationsprojekte stattdessen lebensnotwendig. In Spanien liegt ein Gesetzesentwurf dazu vor, dass Binden oder Tampons in Schulen kostenlos angeboten werden sollen. Für manche Damenhygieneartikel soll die Mehrwertsteuer entfallen. Nicht nur deshalb wird Spanien für Frauen gerade zum Traumland.

Wieder andere gehen die Frage sachlich an. „Der Steini“ wendet etwa auf YouTube ein, dass man einen Tampon auch als Zunder verwenden könne. Mit einem Zunder fängt man in der Wildnis Feuerfunken ein, um damit eine Feuerquelle zu erzeugen. Webseiten wie der Survival Kompass empfehlen dafür tatsächlich auch Tampons. Die Anmerkung von „Der Steini“ bezieht sich darauf, dass Tampons in der Wildnis einen ungerechten Vorteil bringen würden. Teilnehmer:innen, die welche dabei haben, könnten dann Feuer machen.

Mit einem Tampon kann man auch Feuer machen, heißt es in diesem Kommentar. Ein unfairer Vorteil?

Auf den Hinweis, dass man Tampons auch als Zunder benutzen könnte, machen sich mehrere Twitter-Nutzerinnen lustig. Hier etwa die Usierin Zornkoenigin:

Nicht nur Frauen dürfen Tampons in die Wildnis mitnehmen, sondern auch Männer. Sie hätten also denselben Vorteil, damit Feuer zu machen. Auf den Umstand, dass Männer dasselbe Recht haben und deshalb auch nicht benachteiligt wären, gehen einige Frauen auf Twitter ein. Zum Beispiel hier:

Um zu zeigen, was es bedeuten würde, Tampons und Binden in der Show zu verbieten, macht die Twitter-Nutzerin diesen Vergleich:

Männer wüssten einfach nicht, wie es sich anfühlt, seine Tage zu haben, twittert die Userin Jen. Eine menstruierende Person zu sein hängt mit Hindernissen zusammen und kann Planung voraussetzen. Eine Zykus-App kann dabei helfen, sich den eigenen Menstruationszyklus anzuzeigen und über die Tage der Periode Bescheid zu wissen. Eine Aktivistin fordert jedoch, dass man seine Zyklus-App löschen soll. Es gäbe datenschutzrechtliche Probleme.

Viele Kommentare auf YouTube richten sich klar gegen Frauen:

Ein:e User:in kommt zu dem Schluss, dass Frauen aus diesem Grund nicht in das Format gehören.

Auf YouTube und Twitter äußern sich aber auch Männer, die sich mit den weiblichen Teilnehmerinnen solidarisieren:

Und der Twitch-Streamer MckyTV macht sich auf diese Weise über den Aufschrei von Seiten der Männer lustig:

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