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Kritik an Trigema-Chef Grupp: „Er hätte das Statement seinem Schimpansen überlassen sollen“

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Von: Jana Stäbener

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Trigema-Chef Wolfgang Grupp vermutet, dass im Ukraine-Krieg „der Amerikaner im Hintergrund alles steuert“. „Reflexhafter Antiamerikanismus“, findet Politik-Experte.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp verrät im Exklusiv-Interview mit BW24, wie er den Ukraine-Krieg lösen würde. Für ihn sind die Waffenlieferungen an die Ukraine keine Lösung, um den Krieg zu beenden. „Wenn wir mit einer Großspurigkeit für Milliarden Waffen in die Ukraine liefern und gleichzeitig sagen: Kein Problem, das müssen die Bürger und die Wirtschaft bezahlen. Das sind Aussagen, die ich nicht verstehen kann“, sagt er BW24. „Ich behaupte, dass der Amerikaner im Hintergrund alles steuert, damit er alleine eine Weltmacht bleibt.“ Politikexperten wie Thorsten Benner vom Global Public Policy Institute (GPPi) kritisieren diese Aussagen scharf und sehen in ihnen auffällige Parallelen zu Verschwörungstheorien (hier 8 Merkmale, an denen du sie erkennst).

Trigema-Chef Wolfgang Grupp und Firmen-Maskottchen Charly der Affe.
Der Politik-Experte Thorsten Benner findet, der Trigema-Chef Wolfgang Grupp hätte lieber das Firmen-Maskottchen Charly den Affen ein Interview geben lassen sollen. © Christoph Schmidt/dpa/Sebastian Gollnow/dpa/Collage

Trigema-Chef Wolfgang Grupp – Interview stößt auf Kritik

Das Interview von BW24 mit Trigema-Chef Wolfgang Grupp schlägt große Wellen. Vielleicht deswegen, weil der Chef des deutschen Textilunternehmens Trigema schon oft mit provokanten Aussagen auffiel. So sagte er laut Stern, dass er von Home-Office, das trotz Arbeitszeiterfassung weiter möglich sein soll, wenig halte. Auch von Video-Telefonaten sei er kein Freund. Außerdem würden ihm zu viele Deutsche Abitur machen, weshalb er Stellen dann mit ausländischen Arbeitskräften besetzen müsse.

Schon Mitte September 2022 hatte Grupp, der wohl einer der bekanntesten Unternehmer Deutschlands ist, im Interview mit Focus gesagt, seine Gaskosten hätten sich „innerhalb von zwei Jahren verzehnfacht“. Aus seiner Sicht brächten die Sanktionen gegen Russland nichts und man müsse sich fragen, „ob dieser Krieg nicht insbesondere Amerika dient“. Dass er Aussagen wie diese nun in einem erneuten Interview wiederholt, stößt von vielen Seiten auf Kritik.

Aussagen von Wolfgang Grupp seien „billiger Abklatsch der Thesen von Alice Schwarzer“

Thorsten Benner ist Mitbegründer und Direktor des Global Public Policy Institute (GPPi) ​​in Berlin. Er beschäftigt sich mit internationalen Organisationen, Frieden und Sicherheit, sowie dem Zusammenspiel der USA, Europas und nicht-westlicher Mächte. Er twittert am Samstag, 24. September, dass ihn Grupp an einen Verschwörungstheoretiker erinnere (siehe Tweet unten).

Gegenüber BuzzFeed News DE sagt er, es sei im Sinne einer lebendigen Demokratie sehr zu begrüßen, wenn sich Unternehmens-Chefs zu zentralen politischen Fragen äußern. Aber: „Trigema-Chef Grupp hätte in diesem Fall das Statement besser seinem Maskottchen Charly überlassen, der das sicherlich intelligenter hinbekommen hätte“, so Benner. „Die Äußerungen zur vermeintlichen ‚Großspurigkeit‘ der deutschen Waffenlieferungen sind ein billiger Abklatsch der Thesen von Alice Schwarzer, Wagenknecht und Co.“, und machten ihm nicht so viele Sorgen.

Weitaus erschreckender seien die Behauptungen von „dem Amerikaner“, der im Hintergrund angeblich alles steuere, um zu profitieren und seine Dominanz zu sichern. „Klischeehafter könnte man reflexhaften Antiamerikanismus nicht in eine Verschwörungstheorie packen, um von einem vermeintlichen Geheimplan hinter der russischen Invasion zu fabulieren“, sagt der Politik-Experte. Er ist sich sicher: „Der Trigema-Chef hat für die Bundeszentrale für politische Bildung und den Polethikunterricht perfektes Anschauungsmaterial für Verschwörungstheorien in der öffentlichen Diskussion geliefert.“ 

Auf Twitter greifen auch andere User:innen wie der TV-Autor Micky Beisenherz den Maskottchen-Vergleich auf: „Seit heute ist es offiziell: der Trigema-Affe sollte wirklich Unternehmenssprecher sein.“

„50 Jahre mit dem Trigema-Affen sind also auch nicht spurlos vorbeigezogen“, twittert Marie von den Benken zu den Aussagen des Trigema-Chefs Grupp.

„Dass #Trigema Boss #Grupp schon immer einen an der Waffel hatte, wird jedem klar, der seine Tierquäler-Werbespots kennt“, schreibt das Anonymous Kollektiv Germany.

Katja Diehl findet, man solle nach diesen Aussagen nicht mehr bei Trigema kaufen. Sie empfehle eher Patagonia, Vaude oder Goretex.

Bei Patagonia hat der Unternehmenschef seine Firma für den guten Zweck verschenkt. Aber das ist nicht das einzige, was Yvon Chouinard in seinem Leben je für die Umwelt getan hat. Im Gegenteil: Der Patagonia-Gründer war schon immer eine coole Outdoor-Socke – hier 11 Gründe, warum.

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