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9-Euro-Ticket ist keine Lösung: Ein kostenloser ÖPNV wäre unkomplizierter

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Von: Pia Seitler

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Fahrkartenautomat und Fahrgäste mit FFP2-Masken steigen in eine Straßenbahn in der Innenstadt ein.
Für drei Monate sollen ÖPNV-Tickets in Deutschland nur 9 Euro kosten. Nulltarif im ÖPNV wäre einfacher umzusetzen. © Sabine Gudath/Imago/Monika Skolimowska/dpa/Collage/BuzzFeed

Mit dem 9-Euro-Monatsticket für Busse und Bahnen will die Regierung Bürger:innen entlasten. Kostenloser ÖPNV wäre allerdings einfacher umzusetzen und finanzierbar.

90 Tage lang für neun Euro im Monat mit öffentlichen Bussen und Bahnen fahren, also für insgesamt 27 Euro – der Vorschlag der Ampel-Koalition kam überraschend. Mit den 9-Euro-Tickets für Busse und Bahnen sollen Bürger:innen in der Energiekrise entlastet werden. Überrascht und irritiert waren von dem Vorschlag auch diejenigen, die ihn umsetzen sollen – die Bundesländer, Verkehrsverbünde und Nahverkehrsunternehmen, wie die dpa berichtet.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland ist ein kompliziertes Geflecht aus Tarifregelungen, Verbundgrenzen, finanziellen und regionalen Zuständigkeiten. Wie soll das bundesweit einheitlich Angebot umgesetzt werden? Wo soll es die Tickets geben? Und wer soll das bezahlen? Zahlreiche Fragen waren zunächst offen. Die Beratungen in einer Sonderkonferenz der Verkehrsminister:innen von Bund und Ländern dauerten viel länger als geplant. Auch wenn viele Fragen zur konkreten Umsetzung offen blieben, stellte die Idee niemand in Frage, laut der Vorsitzenden der Verkehrsminister:innenkonferenz, Bremens Bürgermeisterin Maike Schaefer.

Länder schlagen statt 9-Euro-Tickets Gratis-ÖPNV vor

Die Länder hatten vor allem Bedenken bezüglich des bürokratischen Aufwands und schlugen der Bundesregierung vor: Statt 9-Euro-Tickets solle stattdessen ein dreimonatiger Nulltarif eingeführt werden. Der Vorstoß der Koalition werde dem Problem nicht gerecht, sagte etwa Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann. Er betonte, dass Gratis-ÖPNV die bessere Lösung sei.

Das klingt plausibel, immerhin müssten so die Verkehrsbetriebe keine neuen Tickets einführen und das Angebot wäre noch verlockender Autofahr-Routinen für einige Monate zu durchbrechen. Das Experiment wäre teuer, aber könnte sich Deutschland zweifellos leisten, wie Zeit Online berichtet. 2018 nahmen Verkehrsbetriebe in Deutschland demnach 13 Milliarden Euro ein. Ihnen die Einnahmen für die drei geplanten Monate zu ersetzen, würde also in etwa 3,25 Milliarden Euro kosten. Bundesverkehrsminister Volker Wissing sprach von Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro für das 9-Euro-Ticket. Und allein der geplante Tankrabatt dürfte übrigens rund fünf Milliarden Euro kosten.

Bringt das 9-Euro-Ticket oder Gratis-ÖPNV die Verkehrswende?

Gratis-ÖPNV wäre also einfacher machbar und finanzierbar. Aber dass kostenloser ÖPNV viele Autofahrer:innen dazu bewegen könnte, auf Busse und Bahnen umzusteigen, glaubt Sophia Becker laut Zeit Online nicht. Sie ist Verkehrsforscherin am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam und sagt, dass für Fahrgäste die Qualität entscheidender sei, als der Preis. Also wie nah ist die nächste Haltestelle, wie schnell und bequem gelange ich zu meinem Ziel? Becker findet die Idee günstigen oder kostenlosen Nahverkehr anzubieten trotzdem gut. Vielleicht geben Menschen dem ÖPNV deshalb mal wieder eine Chance.

Nach den hitzigen Diskussionen in der Verkehrsminister:innenkonferenz geht es nun an die Umsetzung des 9-Euro-Monatsticket. Wissing erklärte, dass die günstigeren Tickets ausschließlich online verkauft werden sollen und auch Fahrgäste, die bereits ein Abo haben, sollen profitieren. Die Kosten für Abos würden dann nicht abgebucht – oder erstattet. Losgehen könnte es mit den 9-Euro-Tickets bereits zum 1. Mai. Eine „nicht unrealistische Option“, sagt Wissing, wie die dpa berichtet.

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