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One Direction: Fan erzählt, wann treue Fangemeinden toxisch werden können

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One Direction Fans warten auf die Band.
One Direction Fans warten 2015 in Oslo auf die Band. © Gonzales Photo/IMAGO

Die Band One Direction hatte treue Fans auf der ganzen Welt. Wie hat es sich angefühlt, Teil dieser Gemeinschaft zu sein?

Kaitlyn Tiffany, Autorin für den Atlantic, fand durch die One Direction-Fangemeinde im Internet eine Art zweite Familie. In ihrem neuen Buch „Everything I Need I Get From You: How Fangirls Created The Internet As We Know It“ (dt.: Alles was ich brauche, bekomme ich von euch: Wie Fangirls das Internet zu dem machten, wie wir es heute kennen) erkennt sie das Geschick im Umgang mit Technik und Trends der Fans an. Dadurch prägen Fans bis heute, wie wir in Online-Communitys miteinander umgehen.

„Was ich daran mag, ist die schamlose Sinnlosigkeit und die offensichtliche Freude der Autorin an ihrem eigenen ungewöhnlichen Verstand; der Post zeigt die verwirrenden, schrecklichen Gefühle, wenn man in eine fremde Person verliebt ist und wie lustig es ist, die Kontrolle zu verlieren“, schreibt Tiffany über einen besonders absurden Tumblr-Post von einem Fan. „Wenn ich das sehe, erinnert mich das daran, was ich mich mit 19 Jahren am meisten wollte. Ich wollte etwas, das man nicht beschreiben kann.“

Buchcover von „Everything I Need I Get From You: How Fangirls Created the Internet as We Know It“ von Kaitlyn Tiffany
Kaitlyn Tiffanys neues Buch. © Macmillan/ via us.macmillan.com

Directioners haben damals so viel über die Gruppe von vier jungen Briten (und einem Iren) gesprochen, dass ihnen förmlich die Worte ausgingen und sie sich deswegen voll und ganz dem Unsinn hingaben, so der Running Gag. Auf jeder neuen Social-Media-Plattform und in jedem neuen Forum hatten die Fans genau zwei Ziele: Sie wollten, dass die Jungs noch bekannter werden und ihre Liebe mit anderen Menschen teilen, die ihre Gefühle verstehen konnten.

Von der Erfindung einer immer noch aktuellen Fan-Sprache (wie „I want [X] to run me over with their car“, was so viel bedeutet, wie „Ich will, dass [X] mich mit seinem/ihrem Auto überfährt“) bis hin zu Verschwörungstheorien, die die Fangemeinde spalten – die Directioners haben alles mitgemacht. BuzzFeed News US sprach mit Tiffany darüber, was One Direction-Fans so besonders macht und was andere Fangemeinden von ihnen lernen können.

Warum glauben Sie, sind so viele der größten Fans im Internet junge Frauen?

Ich denke, dass Fangemeinden allgemein Gruppen sind, in der viele verschiedene Leute zu finden sind. Der Grund, warum vor allem so viele junge Frauen dabei sind, besonders in Popmusik-Fandoms, ist, dass die Jugend eine Zeit im Leben ist, in der man zwar viel Freizeit hat, aber nicht wirklich entscheiden kann, wie man sie verbringt. Es ist eine turbulente Zeit, in der man versucht, herauszufinden, wer man ist und was man im Leben will. Fast alle, die ich befragt habe, erzählten, dass Fangemeinden für sie in Krisen- und Umbruchszeiten immer wichtiger wurden. Die Pubertät ist eine davon, aber es kann auch die Ehe sein oder bei der Erziehung sein.

Warum kennen Fans sich immer am besten im Internet aus?

Sie haben einen Vorsprung, weil sie einen Grund haben, warum sie das Internet nutzen. Wenn die Fans also auf einer neuen Plattform ankommen, müssen sie nicht herumirren, um herauszufinden, wozu sie dient und welche Funktionen sie brauchen. Sie wissen es schon. Sie wissen, was sie im Internet machen wollen – andere Bands finden, mit ihnen in Kontakt treten, Kunst mit den Bands teilen und die Interessen der verschiedenen Fangemeinden koordinieren. Sie haben einen Plan.

Das Internet entwickelt sich rasend schnell weiter. Google entwickelte bereits einen KI-Chatbot, der Fragen beantworten und verschiedene Persönlichkeiten annehmen kann.

One Direction: Niall Horan, Liam Payne, Zayn Malik, Harry Styles und Louis Tomlinson treten auf ihrer Tour auf.
Von links nach rechts: Niall Horan, Liam Payne, Zayn Malik, Harry Styles und Louis Tomlinson treten bei ihrer „Up All Night“ Tour auf. © ZUMA Wire/IMAGO

Gibt es etwas, das ursprünglich von One Direction-Fans kommt, das es heute immer noch gibt?

Es gab wirklich viele Fangemeinden, die schon früh das Internet nutzten, wie zum Beispiel die Beliebers, Rihannas Navy und eben auch die Directioners. Sie verkörperten die Vorstellung, dass Fans eines:r Künstler:in für sie verantwortlich sind und eine wichtige Rolle in ihrer Karriere spielen sollten. One Direction verloren zum Beispiel die Show „The X Factor“, aber die Fans beschlossen, dass sie zwar die Show verloren, aber dafür die Welt gewonnen hatten. Der Mythos – ob er nun stimmt oder nicht – ist, dass die Bemühungen der Fans auf Social Media der Grund für ihre Karriere sind. Irgendwann beschlossen die Fans, dass ein Song („No Control“) eine Single werden sollte und sorgten dafür, dass das, inoffiziell, passierte. Es gibt Gerüchte, dass internationale Fans sich gegenseitig beibrachten, VPNs zu benutzen, um amerikanische Streams zu fälschen. Dieser DIY-Ansatz der Musik-Fangemeinden begann mit diesen frühen Fans.

Die Sehnsucht nach Vertrautheit in einer Gemeinschaft, im Fandom – etwas, das einen sofort zu einem Teil der Menge macht – finde ich interessant. Als Fan weiß ich, dass es schön ist, Teil von etwas zu sein, das Außenstehende nicht wirklich verstehen. Glaubst du, dass es gerade irgendwelche Plattformen gibt, die Fans die gleiche Möglichkeit bieten, Insider-Witze zu sammeln und ihre eigene Geschichte zu schreiben, wie es Tumblr getan hat?

Ich glaube nicht, dass es gerade so etwas wie eine Tumblr-Renaissance gibt. Ich glaube auch nicht, dass Tumblr irgendwann wieder zu einer Art Zentrum des Internetlebens wird, so wie früher, aber die Plattform läuft noch irgendwie und es gibt immer noch Menschen, die hauptsächlich auf Tumblr unterwegs sind. Aber es gibt meiner Meinung nach auch keinen wirklich guten Ersatz für Tumblr. Auf Discord kann man jetzt viel von dieser geschlossenen Fangemeinden-Erfahrung sehen, wie zum Beispiel private Channels, für die man eine Einladung braucht. Auch auf Reddit sind viele Fans unterwegs, aber hier sind sie weniger für sich. Außerdem gibt es auch auf dieser Plattform viele Pseudonyme und falsche Accounts. Ich glaube, dass sich Fans aus der Öffentlichkeit zurückziehen, weil Twitter als Plattform für Fans so viel, vor allem negative, Aufmerksamkeit bekam, weswegen viele Fans einen ruhigeren Ort wollen.

Ich war gerade auf der VidCon in Anaheim, wo die ganzen Fans von Dream SMP, einem Minecraft-Youtuber-Kollektiv, komplett ausrasteten – es waren wieder vor allem junge Mädchen, die wieder einmal wegen ein paar britischer Jungs den Verstand verlieren. Das erinnert mich an die Directioner-Tage von früher. Was denkst du, können diese neuen Fandoms (und die bestehenden, die sich immer noch wandeln, wie Nicki Minajs Barbz und die BTS ARMY) von One Direction Fans lernen?

Das tragische beim One Direction-Fandom ist, dass die Fans sich aufgrund von Verschwörungstheorien zerstritten. Bei denen geht es vor allem um unterschiedliche Realitätsvorstellungen, zum Beispiel, dass Louis Tomlinson und Harry Styles heimlich in einer Beziehung sind oder dass Louis Tomlinson nicht wirklich der Vater seines Kindes ist. Es wurde einfach unmöglich, die Spannungen, die sich deswegen durch den Fandom zogen, zu beseitigen und es war traurig, das zu beobachten. Wenn ich jetzt wieder in einem Fandom wäre, fände ich es wichtig, mich daran zu erinnern, wie das zu einem großen Schwachpunkt für die Directioners wurde.

One Direction: Liam Payne, Louis Tomlinson, Niall Horan und Harry Styles bei den American Music Awards.
Liam Payne, Louis Tomlinson, Niall Horan und Harry Styles auf dem roten Teppich der American Music Awards 2015. © Xinhua/IMAGO

Nach fünf Jahren in der Band verließ Zayn Malik im März 2015 One Direction. Harry Styles, Louis Tomlinson, Niall Horan und Liam Payne machten daraufhin zu viert als Band weiter.

Was sind Anzeichen dafür, dass ein Fandom toxisch wird? Wie können wir das verhindern?

Ich würde den One Direction Fandom nicht toxisch nennen, aber die Fans machten eine wirklich traurige Phase durch. Was ich am beunruhigendsten fand war, dass vor allem die Fans, die für den Informationsfluss verantwortlich waren, sich so abkapselten. Kennen Sie die Larry Stylinson Verschwörung, dass Harry Styles und Louis Tomlinson eigentlich ineinander verliebt sind? Alle Beweise bestanden aus stark verlangsamten Videoausschnitten oder unverständliche Clips, für die ein Fan Untertitel gemacht hatte, als ob er oder sie wirklich wusste, was die beiden sagen. Es wurden auch Bilder irgendwie zusammengeschnitten. All das war kein Spaß, sondern wurde schließlich zu einer Verschwörungstheorie, bei der die Leute im Umfeld der Jungs – vor allem Frauen – dafür verantwortlich gemacht wurden, dass Harry oder Louis leiden müssen. Sie machten soziale Gerechtigkeit zu einer Art Waffe, sodass man, wenn man die ganze Larry Stylinson Geschichte in Frage stellte, als homophob bezeichnet wurde.

Homophobie und Transphobie sind leider auch heute noch aktuell. Erst vor kurzem warfen Wissenschaftler:innen ARD und ZDF vor, Kinder zu sexualisieren, weil sie über transgender Themen berichteten.

Autorin ist Kelsey Weekman. Der Artikel erschien am 01. Juli 2022 auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Friederike Hilz.

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