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11 Gründe, warum der Patagonia-Chef Yvon Chouinard schon immer ’ne coole (Outdoor)-Socke war

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Von: Jana Stäbener

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Yvon Chouinard verschenkt sein Unternehmen, um unsere Erde zu retten. Doch das ist nicht alles. Hier 11 Gründe, warum der Patagonia-Chef schon immer ein echter Umwelt-Held war.

Yvon Chouinard, der Chef des Outdoor-Unternehmens Patagonia, verschenkte seine Firma, um „unseren Planeten zu retten“. Das schrieb der heute 83-Jährige in einem Statement vom 14. September auf der Unternehmenswebsite. „Trotz ihrer Unermesslichkeit sind die Ressourcen der Erde nicht unendlich, und es ist klar, dass wir ihre Grenzen überschritten haben“, steht dort.

„Aber sie [die Erde] ist auch widerstandsfähig“, heißt es weiter. Wenn wir uns also für sie einsetzen, sei noch nicht alle Hoffnung verloren. Dass zumindest Chouinard die Hoffnung nicht verloren hat, zeigt er, indem er Patagonia in den Fond „Patagonia Purpose Trust“ überträgt und alle Aktien an das „Holdfast Collective“ gibt, das sich dem Schutz der Natur verschrieben hat.

Doch das ist lange nicht die einzige coole Sache, die der Gründer von Patagonia im Laufe seines Lebens gemacht hat. BuzzFeed News DE sammelt 11 Gründe, warum der Patagonia-Chef Yvon Chouinard schon immer ’ne coole (Outdoor-)Socke war.

1. Schon seit Jahrzehnten spendet Patagonia ein Prozent ihres Umsatzes für gemeinnützige Zwecke.

Patagonia-Chef Yvon Chouinard und Emojis.
Der Gründer von Patagonia Yvon Chouinard hat sich als Surfer und Kletterer schon immer gegen Kapitalismus und für unsere Umwelt eingesetzt. © Patagonia/dpa/Collage

Nicht erst mit dem neuen „Patagonia Purpose Trust“ tut der Patagonia-Gründer Yvon Chouinard etwas Gutes: Schon seit er die Firma 1970 gründete, setzt sich das Bekleidungsunternehmen laut Washington Post für wohltätige Zwecke ein. Ab 1985 versprach Patagonia sogar, dass ein Prozent seines Umsatzes in die „Erhaltung und Wiederherstellung der natürlichen Umwelt“ fließen würde. In einem Interview von 2012 sagte Chouinard dazu:. „Ich sehe es nicht als Wohltätigkeit an. Es ist das, was es uns kostet Geschäfte zu machen.“

2. Chouinard schmiedete sich aus Geldgründen seine eigene Kletterausrüstung.

Patagonia-Gründer Chouinard beim Klettern.
Alles begann mit der eigenen Herstellung von Kletter-Haken. 1970 verkaufte Chouinard dann auch T-Shirts fürs Klettern und gründete sein Unternehmen Patagonia. © Patagonia/dpa

Schon 1957 begann der Patagonia-Chef, eigene wiederverwendbarer Kletterspikes zu schmieden, die in den Fels gehämmert wurden. Irgendwann begann er, diese Haken zu verkaufen. Nicht für viel Geld, aber zumindest ein bisschen verdiente sich der damals nicht mal 20-Jährige so dazu. Er schmiedete den ganzen Winter lang, um den Sommer in den Bergen verbringen zu können, berichtete die Los Angeles Times. Als er entdeckte, dass seine Haken den Fels schwer beschädigten, beendete er deren Produktion. Etwa um 1970 verkaufte er dann T-Shirts fürs Klettern – die Idee einer Outdoor-Bekleidungsfirma war geboren.

3. Er besitzt kein Telefon oder gar einen Computer.

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Wie die New York Times berichtete, besitzt Chouinard bis heute kein Smartphone oder gar einen Computer. In seinem Buch „Lass die Mitarbeiter surfen gehen: die Erfolgsgeschichte eines eigenwilligen Unternehmers“ begründet er solche Entscheidungen zum Minimalismus so: „Umso mehr du weißt, desto weniger brauchst du.“

4. Yvon Chouinard fährt einen Subaru mit Surfboard auf dem Dach.

2002 Modell eines Subaru Forester mit Allradantrieb.
Auf dicke Luxusschlitten gibt der Patagonia-Chef Yvon Chouinard nichts – er fährt nach eigenen Angaben einen Subaru. (Symbolbild) © ZUMA Wire/IMAGO

Laut Guardian fährt Chouinard einen zerbeulten Subaru mit einem auf dem Dach festgeschnallten Surfbrett. Von dicken Limousinen oder teuren Porsches kann bei diesem Milliardär also keine Rede sein. Ein paar Jahre hat der heute 83-Jährige zu seinen Kletter-Zeiten in Yosemite Valley auch schon komplett in einem Auto gelebt. Auch dieser Krypto-Milliardär will 99 Prozent seines Vermögens spenden – er fährt einen Toyota-Corolla, zieht sich an wie ein schlampiger College-Student und wohnt in einer Luxus-WG

5. Patagonia bietet seinen Mitarbeitenden ein Umwelt-Praktikumsprogramm an.

Das Umwelt-Praktikumsprogramm von Patagonia bietet Mitarbeitenden laut Washington Post die Möglichkeit, bis zu zwei Monate Pause mit ihrer regulären Arbeit zu machen und für eine Umwelt-Organisation ihrer Wahl zu arbeiten. Dabei bekommen sie weiterhin Gehalt und Sozialleistungen. Erinnert ein wenig an das Start-up Einhorn, das seinen Beschäftigten erlaubt, auf ein Sabbatical hinzuarbeiten.

6. Der Chef von Patagonia weiß ganz genau, wo seine Grenzen liegen.

„Wie man einen Berg erklimmt, ist wichtiger, als den Gipfel zu erreichen“, schreibt Chouinard in seinem Buch. Er erklärt, dass er sich immer als 80-Prozenter gesehen habe. Er stürze sich gerne leidenschaftlich in einen Sport oder eine Aktivität, bis er etwa ein Leistungsniveau von 80 Prozent erreicht habe. „Darüber hinauszugehen, erfordert eine Besessenheit, die mich nicht anspricht. Sobald ich 80 Prozent erreicht habe, gehe ich gerne los und mache etwas völlig anderes“, erzählt der Patagonia-Chef und setzt damit ein Zeichen dafür, wie wichtig eine gute Balance ist. Davon könnten sich viele junge Menschen eine Scheibe abschneiden – denn sogar die Generation Z hat schon Burn-outs.

7. Er sagte mal zu einem Journalisten man soll ihn doch „Drecksack“ (eng. Dirtbag) nennen.

Dass ihn manche gar als Geschäftsmann bezeichnen, findet Chouinard anstößig. Nach Angaben des Guardian sagte er einmal einem Journalisten des Outside Magazines während einer mehrtägigen Klettertour auf den Mount Arrowhead in Wyoming, er würde es vorziehen, als „Dirtbag“ (Drecksack) bezeichnet zu werden. Als der Reporter ihn auslachte und sagte, man könne kein Milliardär und Drecksack gleichzeitig sein, entgegnete Chouinard zwei Dinge. Erstens: Er habe all das Geld verschenkt und „nicht einmal ein Sparkonto“. Und zweitens: „Ein Drecksack zu sein, ist eine Frage der Philosophie, nicht des persönlichen Reichtums. Ich bin ein existenzieller Drecksack.“ Auf die Bezeichnung „Drecksack“ sind auch andere Naturliebhaber:innen stolz (siehe TikTok oben).

8. Chouinard verbrachte mal Wochen in den Rocky-Mountains – wie bei „7 vs. Wild“.

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Einmal verbrachte der Patagonia-Gründer in seiner Jugend wochenlang in den Rocky-Mountains und lebte dort von einer Kiste mit Dosen Thunfisch-Katzenfutter. Dazu gab es Haferflocken, Kartoffeln und manchmal sogar „Erdhörnchen, Blauhuhn und Stachelschweine, die à la Trotzki mit einem Eispickel ermordet wurden“, schreibt der Guardian. Erinnert an die Show „7 vs. Wild“, bei der auch schon eine Debatte über Tampons als unfaire Vorteile losgetreten wurde.

9. Er hat schon vor Jahren flexibles Arbeiten bei Patagonia vorgelebt.

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Laut Guardian war flexibles Arbeiten und Homeoffice, das vom neuen Gesetz zur Arbeitszeiterfassung nicht betroffen sein darf, schon Jahrzehnte vor der Corona-Pandemie bei Patagonia etwas ganz Normales. Die Firma hat ihren Hauptsitz in Ventura, Kalifornien, wo es ein paar der weltbesten Surfspots weltweit gibt. Besonders weil Yvon Chouinard selbst Surfer war, betonte er immer wieder, wie egal es ihm sei, wenn seine Mitarbeitenden in der Mittagspause mal kurz zum Strand heruntergehen und auf den Wellen reiten. „Es ist uns egal, wann Sie arbeiten, solange die Arbeit erledigt wird“, sagte er in einer Rede an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. „Wenn du ein ernsthafter Surfer bist, sagst du nicht ‚Hey, lass uns nächsten Donnerstag um 14 Uhr surfen gehen‘ – das sagen Verlierer.“

10. Es hat ihn angekotzt, in der Liste bei Forbes als Milliardär aufgeführt zu werden.

„Ich wurde im Forbes-Magazin als Milliardär aufgeführt, was mich wirklich, wirklich sauer machte“, sagte er der Times einmal. „Ich habe keine Milliarde Dollar auf der Bank. Ich fahre keinen Lexus.“ Im Jahr 2015 sagte eine Sprecherin von Patagonia gegenüber Forbes: „Wir lehnen es entschieden ab, in diese Liste aufgenommen zu werden.“ Immer wieder sage Chouinard er sei seit fast sechzig Jahren Geschäftsmann und trotzdem sei es für ihn genauso schwierig, diese Worte zu sagen, wie es für jemanden sei, zuzugeben, ein Alkoholiker oder Anwalt zu sein. „Ich habe den Beruf nie respektiert. Es ist das Geschäft, das die Hauptschuld dafür tragen muss, dass es der Feind der Natur ist.“

11. Einmal war Yvon Chouinard nahe dran, den damaligen Präsidenten Donald Trump zu verklagen.

Dass es in New York kalt sein kann, war für Trump 2013 ein Zeichen, dass es keinen Klimawandel gibt.
Dass es in New York kalt sein kann, war für Trump 2013 ein Zeichen, dass es keinen Klimawandel gibt. © Evan Vucci/dpa/Collage thetrumparchive.com

Trump, dessen kuriose Tweets wir mittlerweile fast vergessen haben, leugnet schon immer den menschengemachten Klimawandel (siehe Tweet oben). Allein das dürfte dem Patagonia-Chef ein Dorn im Auge sein – er setzt sich schließlich mit all seinem Vermögen dafür ein, die Umwelt zu retten. Im Jahr 2017 machte das Outdoor-Unternehmen Schlagzeilen, weil es den damaligen Präsidenten sogar verklagen wollte. Warum? Weil Trump beschlossen hatte, die Größe der Nationaldenkmäler Bears Ears und Grand Staircase-Escalante drastisch zu reduzieren, schreibt die Washington Post. „Der Präsident hat unser Land gestohlen“, schrieb Patagonia damals groß auf seiner Website und organisierte eine große Werbekampagne gegen Trump.

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