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Moderator von russischer Propaganda-Show stinksauer: Italien lässt ihn nicht in seine Villa

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Von: Robert Wagner

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Fernsehmoderator Vladimir Soloviev
Wegen der Sanktionen gegen Russland darf Fernsehmoderator Vladimir Soloviev seine Villa am Comer See nicht mehr betreten. © Screenshot Youtube Vesti News/Imago

Der russische Fernsehmoderator Vladimir Soloviev darf seine beiden Villen in Italien nicht mehr betreten - und schimpft jetzt auf den Westen.

Er ist einer der berüchtigtsten Propaganda-Köpfe des Kremls: der Fernsehmoderator Vladimir Soloviev. In seiner TV-Show „Der Abend mit Soloviev“ hetzt der bekannte Moderator regelmäßig gegen den aus seiner Sicht „degenerierten“ und „perversen“ Westen und ist damit eine wichtige Stütze von Wladimir Putins Propaganda-Apparat. Der funktioniert in erster Linie über das russische Staatsfernsehen, das gerade für ältere Menschen der wesentliche Informationskanal ist. Menschen wie Soloviev trifft der Krieg nun jedoch so, wie sie es womöglich gar nicht erwartet haben.

Offenbar wird dem gut bezahlten Kreml-Propagandisten der Zugang zu seinen zwei italienischen Luxusvillen am Comer See verweigert. Die befinden sich unweit von George Clooneys berühmten Anwesen und sorgen wegen ihres berüchtigten Besitzers seit Jahren für großen Unmut in der gut betuchten Nachbarschaft. (Und offenbaren Soloviev, der gerne über „Dekadenz“ klagt, übrigens auch als Heuchler.) Nun droht Soloviev als Folge der Russland-Sanktionen laut „Daily Beast“ sogar die Enteignung. Am 25. Februar beklagte er sich in seiner TV-Show lautstark und wehleidig und über das angebliche Unrecht, das ihm durch Europa widerfahren sei: Die ach so „heiligen Eigentumsrechte“ würden für Russen plötzlich nicht mehr gelten.

Ukraine-Krieg: Wichtiger Kanal von Putins Propaganda

Diese persönliche Jammerei wurde natürlich sogleich für politische Propaganda genutzt: „Ist das der Eiserne Vorhang?“, fragte er. Sein ebenfalls kremlhöriger Gesprächspartner Alexander Sosnovsky antwortete darauf: „Ja, absolut, der Eiserne Vorhang in seiner schlimmsten Form, bemalt in LGBT-Farben.“ Der fanatische Hass auf alles Queere, auf alles, was nicht traditionellen heterosexuellen Lebensentwürfen entspricht, ist ein zentrales Element der autoritären und völkisch angehauchten Staatsideologie in Putins Russland. Der Westen wird als politische Verkörperung dieser „Perversion“ dargestellt, auch und gerade in Solovievs Propaganda-TV-Show.

Aber auch konkrete politische Vorhaben des Kremls werden bei Soloviev besprochen. Im April 2021 ließ sich Andrey Sidorov, Vertreter eines staatshörigen russischen Think Tanks, in Solovievs Fernsehsendung über die geopolitischen Pläne des Kremls aus: „Es wird alles in der Ukraine beginnen. Wir werden gezwungen sein, einen Kampf zu beginnen, von dem sie glauben, dass wir nicht darauf vorbereitet sind.“ Auf Nachfrage („Eine Schlacht gegen wen?“) präzisierte er: „Gegen den kollektiven Westen.“

Ukraine-Krieg als „brüderliche Hilfe“?

Derselbe Politinsider Sidorov durfte sich auch am 25. Februar, unmittelbar nach Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, zu dem Thema äußern. Er betonte ganz im Sinne des Autokraten Putin die propagandistische Bedeutung der richtigen Wortwahl: „Nennt es nicht eine Besetzung. Nennt es brüderliche Hilfe.“ Damit übernimmt er das Narrativ Putins, der seinen Überfall auf die unabhängige Ukraine als Befreiung der Menschen von einem kriminellen und rechtsextremen Terrorregime darstellt.

In derselben Sendung, in der er gegen das angeblich so ungerechte Europa herzieht, wird der brutalste Kriegsakt Europas seit 1945 also als Akt „brüderlicher Hilfe“ verharmlost. Die Wahrheit wird rücksichtslos verzerrt, wie man es von russischer Seite gut kennt (siehe Fake-News-Ticker). Die harten Sanktionen des Westens treffen also auch die, die sich bisher wohl für nicht angreifbar hielten.

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