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„Queer Eye“ startet in Deutschland - genau zum richtigen Zeitpunkt

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Von: Mika Engelhardt

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Die deutschen Fab 5 Jan-Henrik, David, Ayan, Leni und Aljosha sind bereit, das Leben anderer Menschen zu verändern.
Die deutschen Fab 5 Jan-Henrik, David, Ayan, Leni und Aljosha sind bereit, das Leben anderer Menschen zu verändern. © Yotube/Netflix/Trailer-Screenshot

Die deutschen Fab 5 helfen Menschen, zu sich selbst zu stehen. Das macht beim Zuschauen richtig Spaß.

Über fünf Staffeln und 100 Folgen lief die Serie „Queer Eye for the Straight Guy“ bei dem amerikanischen Sender Bravo zwischen 2003 und 2007. Das Konzept ist denkbar einfach. Fünf queere Menschen (die „Fab 5“) nehmen sich in jeder Folge einer Person an, für die es im Leben nicht ideal läuft. Jede:r der Fab 5 bringt Expertise in einem gewissen Gebiet mit; Beauty, Life(-style), Einrichtung, Fashion und Essen/Gesundheit. Die Person erfährt im Verlauf einer Woche mit den Fab 5 ein „Makeover“ und soll danach ein glücklicheres Leben führen.

Schon damals gab es internationale Ableger der Sendung, zum Beispiel das deutsche „Schwul macht dich cool“. Aber wirklich populär wurde das Format erst wieder, als Netflix es im Jahr 2018 neu auflegte. Die amerikanischen Fab 5 sind echte Weltstars geworden. Jonathan Vann Ness wurde zur nonbinären Ikone und zum Vorbild für HIV-Positive. Die Neuauflage bringt es mittlerweile schon auf stolze sechs Staffeln. Bei dem Erfolg war es klar, dass Netflix das Format weiter ausbaut. Dass der erste Ableger es aber direkt nach Deutschland schafft, ist eine schöne Überraschung.

„Queer Eye Germany“ erscheint bei Netflix am 9. März bei Netflix. Für BuzzFeed Deutschland habe ich bereits in die Serie schauen und auch mit den Fab 5 sprechen können. Und ich kann nur sagen: Die Show macht richtig Spaß! Das Format folgt dem altbekannten und bewährten Muster. Die Fab 5 reisen durch Deutschland und helfen den Menschen. Dabei lernen wir nicht nur die Kandidat:innen, sondern vor allem die Fab 5 kennen. Und die sind diverser denn je.

Die Fab 5 bestehen aus Jan-Henrik Maria Scheper-Stuke (Fashion), Leni Bolt (Life), David Jakobs (Beauty), Aljosha Muttardi (Essen/Health) und Ayan Yuruk (Design/Einrichtung). Sie sind keine bloße Kopie der amerikanischen Fab 5, sondern eine ganz eigene Gruppe mit einer eigenen Dynamik. Zudem setzen sie ein deutliches Zeichen für queere Diversity. Im Interview mit BuzzFeed stellen sie sich nicht nur mit Namen, sondern auch mit ihren Pronomen vor (David und Leni nutzen sie/ihre-Pronomen, während die anderen drei auf er/ihn setzen). Und auch optisch sind die Fab 5 eine außergewöhnliche Mischung.

„Queer Eye Germany“: Vielfalt im Übermaß

Während der Mode-Experte Jan-Henrik sich nur im Anzug zeigt, fallen Leni und David durch ihre besonderen Looks auf. David ist bis ins Gesicht tätowiert, hat sehr lange Fingernägel und eine mehr als ungewöhnliche Frisur. Leni fällt vor allem durch ihre violetten Haare auf. Und Ayan spricht schon im Trailer davon, dass er als schwuler Türke gerne das Vorbild werden möchte, dass er selbst nie hatte. Die Fab 5 sind Menschen, die in Erinnerung bleiben.

Doch alle Äußerlichkeiten spielen bei „Queer Eye“ keine große Rolle - weder bei den Fab 5, noch bei den Kandidat:innen. Die bekommen ja sowieso einen neuen Look und eine neue Frisur gezaubert. Viel wichtiger ist aber: Als Zuschauer:in hält man sich bei „Queer Eye Germany“ nicht lange an Nationalitäten oder dem Aussehen auf, sondern lernt direkt und authentisch die Menschen kennen. Das verleiht der Show ein ganz besonderes Herz und ruft beim Zusehen echte Emotionen hervor.

Natürlich werden gerade „straighte“ Personen ein paar Minuten brauchen, um sich an die wirklich queere Welt von „Queer Eye“ zu gewöhnen. Neue Pronomen sind noch für viele ein schweres Thema. Und auch die unverfroren queere Art der Fab 5 sieht man im Fernsehen nicht oft. Doch ist diese erste Umgewöhnung geschehen, kommt man kaum noch aus dem Sog der Serie hinaus.

„Queer Eye Germany“ ist genau die richtige Serie für die aktuelle Zeit. Einerseits sind wir als Gesellschaft an einem Punkt angelangt, an dem LGBTQIA+-Thematiken endlich offen besprochen und diskutiert werden. Diese Thematik ist bei „Queer Eye“ natürlich stets präsent, aber abseits der großen Klischees. Wenn Leni zum Beispiel davon spricht, dass sie zwei Coming Outs hatte, einmal als schwuler Mann und dann als nonbinäre Person, dann ist dieser Moment gerade so stark, weil kein großes Tamtam darum gemacht wird.

„Queer Eye Germany“ ist die Show, die wir aktuell brauchen

Andererseits macht es gerade in schweren Zeiten, wie zum Beispiel während einer globalen Pandemie, Spaß, eine Serie zu sehen, die einfach nur unterhalten will. „Queer Eye Germany“ kommt zu keinem Zeitpunkt mit dem moralischen Holzhammer, es ist eine pure Unterhaltungs-Serie. Die Fab 5 helfen einem alleinerziehenden Vater, einem ungeouteten Fußballtrainer und einer 18-Jährigen, die viele Schicksalsschläge hinter sich hat. Die Kandidat:innen sind sehr gut gewählt, und ihre Geschichten werden vor dem Fernseher kaum eine:n Zuschauer:in kaltlassen.

Wer die Netflix-Version von „Queer Eye“ bereits gesehen hat, weiß genau, was ihn:sie bei „Queer Eye Germany“ erwartet. Lustige Anekdoten, quirlige Charaktere und viel Herz. Wer mit dem Original nichts anfangen konnte, lässt besser die Finger davon. Aber allen anderen ist die deutsche Fassung durchaus zu empfehlen. Die Fab 5 bringen Schwung und eine gute Dynamik in die Show - setzen aber auch durch ihre Vielfalt ein Zeichen für Diversity. Spaßiger und unterhaltsamer kann man wohl kaum etwas über die LGBTQIA+-Community lernen - und besser fühlt man sich danach auch.

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