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Boris Palmer: „Bei meiner Oma gab es einen N****kuss, und da war nichts dabei“

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Von: Niklas Noack

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Der als Tübinger Oberbürgermeister wiedergewählte Boris Palmer hat seine eigenen Ansichten beim Thema Rasssismus.
Boris Palmer hat seine ganz eigenen Ansichten beim Thema Rassismus. © Eibner-Pressefoto/IMAGO

Boris Palmer steht aufgrund von rassistischen Äußerungen in der Kritik. Jetzt verteidigt er erneut die Verwendung des N-Worts.

Tübingen - Der frisch wiedergewählte Oberbürgermeister Tübingens, Boris Palmer, polarisiert gerne. Das ist sein Stil, an dem er nichts ändern möchte, der ihm aber auch ein Parteiausschlussverfahren bei den Grünen eingebrockt hatte. Mit einem Facebook-Kommentar brachte er damals das Fass zum Überlaufen, weil Palmer in einem Beitrag zum ehemaligen deutschen Fußballnationalspieler Dennis Aogo das N-Wort verwendet hatte.

Darin sieht Palmer auch weiterhin kein Problem. In einem Interview mit dem Tagesspiegel sagte Tübingens OB: „Den Begriff N-Wort kannte ich vor zehn Jahren noch nicht. Bei meiner Oma gab es einen N****kuss, und da war nichts dabei. Jetzt ist die reine Verwendung von Begriffen bereits so provokant, dass daraus Ausschlusswünsche erwachsen.“ Dies sei seiner Meinung nach keine gute Entwicklung.

Boris Palmer: „‚Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann‘ meint die Pest, nicht den Afrikaner“

Vielmehr verklärt der Lokalpolitiker die rassistische Bedeutung des Begriffs, der seinen Ursprung im Kolonialismus und der Sklaverei hat. Palmer: „Sprachgeschichtlich haben viele der inkriminierten Begriffe keinen kolonialen oder rassistischen Ursprung. ‚Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann‘ zum Beispiel meint die Pest, also den Schwarzen Tod, nicht den Afrikaner. Trotzdem soll das jetzt auf den Index. Ich respektiere, wenn Menschen sagen, sie wollen nicht, dass ich solche Begriffe verwende, wenn sie dabei sind. Aber ich möchte umgekehrt keine Sprachvorschriften in Form von Geboten und Verboten akzeptieren.“

Zu der Thematik um den „N****kuss“ meinte Tübingens OB außerdem: „Wenn es um eine Süßspeise geht, reproduziert das keinen Rassismus und die meisten schwarzen Menschen, mit denen ich darüber spreche, finden das nicht verletzend. Das sind oft Stellvertreterbehauptungen von Menschen, die nicht betroffen sind.“

Bei den Grünen ist Boris Palmer weiter umstritten

Mit solchen Rassismus-relativierenden Äußerungen dürfte Palmer beim Großteil seiner Grünen-Kollegen einmal mehr für Erschaudern sorgen. Die Partei ist sich bereits nach seiner Wiederwahl als Tübingens Oberbürgermeister uneins darüber gewesen, wie man mit Palmer umgehen sollte.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ging bereits mit versöhnlichen Worten auf den OB zu und setzt darauf, dass Palmer wieder ein ordentliches Parteimitglied wird. Er nannte ihn einen „erfolgreichen Oberbürgermeister, vor allem in den grünen Kernthemen“.

Andere ärgerten sich derweil über Palmers Wiederwahl, wie der Berliner Grünen-Abgeordnete Vasili Franco. Der twitterte: „Mit Boris Palmer hat Deutschland jetzt den ersten AfD Oberbürgermeister. Traurig!“. Später löschte er den Post und schrieb stattdessen: „Es ist 2022 und Rassismus ist immer noch kein Ausschlusskriterium.“

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