1. BuzzFeed
  2. News
  3. Rassismus & Rechtspopulismus

Neonazis attackieren Zug in Sachsen: Polizei verharmlost Angriff als „verbale Auseinandersetzung“

Erstellt:

Von: Jana Stäbener

Kommentare

Neonazi in Glauchau zeigt Hitlergruß und schlägt gegen den Zug mit linken Anhänger:innen ein. Auch Steine wurden hier geworfen.
Am 1. Mai 2022 warfen Rechtsextreme in Glauchau auf einen Zug mit Gegendemonstrant:innen Steine. © Screenshot Video Twitter @benjamin_meyer2

Neonazis bewerfen Züge mit Steinen und zeigen linken Gegendemonstrant:innen den Hitlergruß – die Polizei Sachsen nennt das lediglich eine „verbale Auseinandersetzung“.

Am Tag der Arbeit (1. Mai) marschieren traditionellerweise Arbeiter:innen sowie Gewerkschaften und fordern besser Arbeitsbedingungen oder höhere Löhne. Doch auch Rechte, die vor allem auf Plattformen wie TikTok ihren rechtsextremen Nachwuchs rekrutieren, haben den Feiertag in den letzten Jahren für sich entdeckt. In Sachsen gingen so am 1. Mai in mehreren Städten Neonazis auf die Straße. Sie griffen Gegendemonstrant:innen an und warfen sogar mit Steinen auf einen einfahrenden Zug – die Polizei Sachsen verharmlost die Aktion und bezeichnet sie auf Twitter als „verbale Auseinandersetzung“.

Neonazis greifen Zug an: Partei „Der Dritte Weg“ rief zum Marsch auf

Zuerst soll es am Bahnhof in Chemnitz zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Dort seien einige Neonazis von der Polizei aus dem Regionalzug geholt worden, schreibt Tag24. Daraufhin hätten Anhänger:innen der rechtsextreme Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ den Zug mit Flaschen beworfen. Als weitere Rechtsextreme von der Polizei des Zuges verwiesen wurden, kam es in Orten wie Glauchau zu erneuter Gewalt: Ein Angreifer schlug auf den Zug ein, zeigte den Hitlergruß, andere warfen mit Steinen.

In Zwickau hatte die rechtsextreme Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ zu einem „Marsch“ aufgerufen. Die Partei ziehe „überzeugte Nationalsozialisten und militante Gruppen an“, schreibt die Zeit über die Gruppierung. Als Gegenreaktion auf die rechte Gewalt, planten anti-faschistische Gruppen aus Leipzig und anderen Städten, den Neonazi-Aufmarsch zu stoppen und fuhren in Zügen in die kleineren Ortschaften, wo sie dann von rechten Demonstrant:innen mit Steinwürfen und Hitlergrüßen empfangen wurden.

Laut Bild-Informationen hielt die Polizei 41 Rechtsextreme in Glauchau fest. Einige von ihnen seien zudem festgenommen worden. Ein 28-jähriger Gegendemonstrant sei infolge der Ausschreitungen leicht verletzt worden. Auch bei Corona-Protesten demonstrieren Rechtsextreme – und neben ihnen sogar Hippies. Hier erkären wir, wie es dazu kam.

„Benennt sie doch wenigstens als das, was sie sind: Neonazis“

Die Autorin und Soziologin Katharina Warda teilt das Video des Neonazis, der den Hitlergruß macht und anschließend auf die Fensterscheibe des Zuges einschlägt, auf ihrem Twitter-Account. Zuvor hatte die Bild das Video geteilt und als Gewaltanwendung rechtsextremer Gruppen identifiziert. Sie kritisiert in ihrem Tweet (siehe unten), dass die Polizei Sachsen in Glauchau zu wenig Präsenz zeigte und die Ausschreitungen deswegen überhaupt erst passiert wären.

Das Wording der Polizei Sachsen bezüglich der Vorfälle wird von vielen Personen auf Twitter ebenfalls kritisiert. Vor allem die Worte „verbale Auseinandersetzung“ finden viele nicht angemessen für die Gewalt, die von den rechtsextremen Anhänger:innen in Orten wie Glauchau ausging. Auch die Formulierung „Personen aus dem rechten Spektrum“ stößt Twitter-Nutzer:innen bitter auf. Sie fordern, die gewalttätigen Demonstrant:innen als „das zu benennen, was sie sind: Neonazis“ (siehe Tweets unten).

Die Linken-Abgeordnete Clara Anne Bünger schreibt zu den rechtsextremen Ausschreitungen am 1. Mai: „Nach diesen Ereignissen wird der neue sächsische Innenminister Armin Schuster in den kommenden Wochen sicherlich viele Wohnungen von Neonazis durchsuchen lassen...wird er doch? Oder?“. Die Anwältin spielt mit ihrem Tweet darauf an, dass vor allem die CDU/CSU in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik erhielt, gegen rechte Gewalt nicht ausreichend vorzugehen.

Mehr über Rechtsextremismus? Hier schreiben wir über Rechtsradikale in Deutschland, die Putins Krieg bejubeln und vom totalitären Staat träumen.

Auch interessant

Kommentare