1. BuzzFeed
  2. News
  3. Rassismus & Rechtspopulismus

„Gefährlicher Trend“: Immer mehr Rechtsradikale ziehen nach Ostdeutschland

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Robert Wagner

Kommentare

Ein Teilnehmer einer Kundgebung von Neonazis in Dresden trägt einen Pullover mit der Aufschrift „Sportlich Aktivistisch Gemeinschaftlich“.
Ein Teilnehmer einer Kundgebung von Neonazis in Dresden trägt einen Pullover mit der Aufschrift „Sportlich Aktivistisch Gemeinschaftlich“. © Sebastian Kahnert/dpa

Der Verfassungsschutz in Brandenburg warnt: Neonazis ziehen vermehrt von West- nach Ostdeutschland.

Der Chef des brandenburgischen Verfassungsschutzes erklärte kürzlich eine besorgniserregende Entwicklung: Bekannte Rechtsextremisten aus Westdeutschland ziehen offenbar gehäuft in den Osten Deutschlands. „Wir registrieren, dass führende Köpfe etwa der rechtsextremen Szene aus den alten Bundesländern, zum Beispiel aus Bayern und Dortmund, nach Brandenburg oder Sachsen gegangen sind“, sagte Jörg Müller gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe de

Es würden Immobilien gekauft, Konzerte veranstaltet und neue Gruppierungen gegründet. Der Verfassungsschützer Müller sieht darin einen „gefährlichen Trend“, da es gerade in den ländlichen Gebieten dieser Bundesländer „keine aus sich heraus starke Zivilgesellschaft“ gebe. Die sei aber von entscheidender Bedeutung, um dem Rechtsextremismus Einhalt zu gebieten.

Umug der rechtsradikalen Kräfte Richtung Osten ist keine überraschende Entwicklung

Das Fehlen zivilgesellschaftlicher Strukturen in weiten Teilen Ostdeutschlands wirkt schon länger auf viele westdeutsche Rechtsradikale anziehend. Die alten Bundesländer werden aufgrund des höheren Anteils an Menschen mit Migrationsgeschichte praktisch als verloren betrachtet, während der weniger diverse, weitgehend weiße Osten vielen als „stabil“ gilt. Die gerade in Mitteldeutschland hohen Wahlergebnisse der AfD, der viele Beobachter:innen eine Entwicklung zur Lega Ost prognostizieren, bestärken sie in diesem Glauben. Sie sehen in den neuen Bundesländern den idealen Rückzugsort.

Nicht neu ist auch das Phänomen der völkischen Siedlerbewegung, die gezielt entlegene und strukturschwache Regionen Deutschlands besiedelt. Berüchtigt ist das Dorf Jamel in Mecklenburg-Vorpommern, das seit vielen Jahren von Neonazis praktisch besetzt wird, wie etwa der Deutschlandfunk berichtete. Bereits vor über 20 Jahren ist auch der berüchtigte neurechte Publizist Götz Kubitschek in das dünn besiedelte Sachsen-Anhalt gezogen, wo er in einem kleinen Dorf das „Institut für Staatspolitik“ gründete. Er stammt aus Baden-Württemberg. Rechtsradikale Ideologen wie Kubitschek sind von der Diversität westdeutscher Städte geradezu angewidert.

Auch interessant

Kommentare