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Wie Rechtsextreme über TikTok Jugendliche rekrutieren

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Von: Nils Tillmann

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Rechtsextreme versuchen auch über Tiktok, Jugendliche für sich zu gewinnen.
Rechtsextreme versuchen auch über Tiktok, Jugendliche für sich zu gewinnen. © dpa/Telegram Screenshot/Collage

Die Social-Media-App TikTok ist besonders bei der Generation Z beliebt. Eine Recherche zeigt, dass Rechtsextreme die Jugendlichen dort für sich gewinnen.

Dass rechtsextreme Gruppen das Internet nutzen, um Menschen für sich zu rekrutieren, ist bei weitem nichts Neues. Neonazi-Foren und obskure YouTube-Channels gehören schon lange zu den Schattenseiten des Netzes. Doch nun haben Rechtsextremist:innen einen neuen Weg gefunden, insbesondere junge Menschen zu erreichen: die Social-Media-App TikTok.

TikTok ist besonders durch virale Tanz-Performances und lustige Sketchvideos bekannt geworden, befeuert aber auch andere Trends, wie zum Beispiel den, bei dem mit einem TikTok-Sound die Wahrheit hinter der Social-Media-Scheinwelt gezeigt wird. Hinter dieser schönen Fassade versteckt sich aber zunehmend eine „Gefahr für Kinder und Jugendliche“, schreibt Belltower.News in ihrer neuen Recherche zu dem Thema. Die Untersuchung dokumentiert, wie Accounts, die unverhohlen Neonazi-Ideologien anpreisen, Nutzer:innen in Richtung dieser Gruppen auf Telegram leiten. Dort werden, der Recherche zufolge, rechtsterroristische Inhalte geteilt und kollektive Hass-Postings auf anderen Accounts organisiert.

TikTok und Rechtsextremismus: Nutzer:innen landen schnell in Nischen

Dass dieses Problem ausgerechnet auf TikTok so eklatant ist, sei kein Zufall, zeigt die Recherche. Eva Kappl von der Amadeu Antonio Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert, erklärt, dass „Nutzer:innen auf TikTok eine hohe Reichweite erzielen können, ohne selbst viele Follower:innen haben zu müssen.“ Über Empfehlungen, die der Algorithmus der App steuert, könnten so auch Inhalte aus der rechtsextremen Nische bei Nutzer:innen landen, sobald ein anfängliches Interesse für das Thema besteht, erklärt sie im auf Belltower.News. Dies könne einen Radikalisierungs-Effekt für Kinder und Jugendliche haben, die schon einmal mit rechten Inhalten in Kontakt geraten sind.

Trotz Regeln gegen gewaltverherrlichende Inhalte und Hassrede finden rechtsextreme Accounts immer wieder Wege auf TikTok zu bleiben. Die Recherche beschreibt, wie in Telegramgruppen Tipps ausgetauscht werden, wie man Neonazi-Inhalte auf TikTok am besten kaschiert, um eine Account-Sperrung zu vermeiden und neue Mitglieder zu rekrutieren. In diesen Gruppen organisieren sich Mitglieder außerdem in sogenannten „Raids“, um andere TikTok-Nutzer:innen gezielt mit hasserfüllten Kommentaren anzugreifen. Die Inhalte dieser Gruppen rangieren vom Banalen bis hin zum Rechtsterroristischen, beschreibt Belltower.News.

TikTok will das Problem lösen und steigert Rate blockierter Hass-Inhalte

TikTok gibt an, sich des Problems bewusst zu sein. Das Unternehmen teilte Belltower.News mit, dass die Rate an blockierten Hass-Inhalten sich im Laufe des letzten Jahres gesteigert habe und dass sich die Moderation der Seite in einem kontinuierlichen Prozess befinde. Trotzdem gibt es Kritik: Eva Kappl hält vor allem eine schnellere Erkennung und Entfernung gefährlicher Inhalte für notwendig. Die aktuellen Mechanismen seien nur bedingt effektiv.

TikTok war bereits vor kurzem in die Kritik geraten, als eine Untersuchung zeigte, dass der Algorithmus der App TikTok unauffällig LGBTQI+-Inhalte zensierte.

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