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Studie belegt: Telegram befeuert Proteste und Gewalt - „Brandbeschleuniger für Rechtsextreme“

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Von: Pia Seitler

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Screenshot und Demo gegen Corona-Schutzmaßnahmen
Sogenannte „Querdenker“ protestieren gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. © Telegram/QPatrioten24/Screenshot/dpa/Frank Rumpenhorst/collage

Telegram wird häufig zusammen mit der Verbreitung von Verschwörungserzählungen auch in der Corona-Pandemie genannt. Eine Studie zeigt, dass Telegram die Protestbereitschaft beeinflusst.

Je häufiger Menschen Telegram als Informationsquelle nutzen, desto eher sind sie offenbar bereit, gegen die Corona-Politik und Schutzmaßnahmen zu protestieren oder sich illegalen Aktionen anzuschließen. Das hat das Forschungsinstitut Cemas in einer Studie mit 2202 Personen herausgefunden. Damit existieren nun Daten, die die Nutzung des Messengerdiensts Telegram als Informationsquelle in Zusammenhang mit den Protesten stellt.

Telegram ist anders als andere reine Messenger-Anbieter wie Whatsapp oder Signal. Die Gruppen bei Telegram können unbegrenzt groß werden und als Kanäle genutzt werden, in denen eine einzelne Person Nachrichten verbreitet. Diese Kanäle können abonniert werden, weshalb Telegram hier eher einem sozialen Netzwerk ähnelt. Für soziale Netzwerke gilt in Deutschland allerdings das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Es besagt, dass beispielsweise Online-Dienste potenziell strafrechtlich relevante Inhalte dem BKA melden müssen.

Coronaleugner und Protestorganisation: Ist auf Telegram alles erlaubt?

Morddrohungen, Verbreitung von Verschwörungstheorien, Aufrufe zur Gewalt: Es scheint, als sei auf Telegram alles erlaubt. Inzwischen hat sich das Bundesinnenministerium eingeschaltet. Am 11. Februar reagierte Telegram auf die Forderungen der Politik zur Löschung von Hass-Botschaften, gab Bundesinnenministerin Nancy Faeser bekannt - und sperrte 64 Kanäle.

Ein erster Erfolg, aber die Politikerin will den Druck weiter hochhalten: „Telegram darf nicht länger ein Brandbeschleuniger für Rechtsextreme, Verschwörungsideologen und andere Hetzer sein. Morddrohungen und andere gefährliche Hassposts müssen gelöscht werden und deutliche strafrechtliche Konsequenzen haben“, sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Bereits im Januar wurde bekannt, dass mindestens sechs Telegram-Gruppen und -Kanäle gesperrt wurden, in denen Verschwörungstheorien rund um Covid-19 verbreitet werde*.

Protestbereitschaft gegen Coronaschutzmaßnahmen

Seit Beginn der Corona-Pandemie gingen Menschen auf die Straße, um gegen die staatlichen Coronaschutzmaßnahmen und etwas später dann auch gegen Impfungen zu protestieren. Rechtsextremisten und verschwörungsideologische Akteur:innen seien dabei von Anfang an in die Mobilisierung involviert gewesen, schreiben die Verfasser:innen der Studie Pia Lamberty und Josef Holnburger.

Für ihre Analyse befragten sie 2202 Personen online im Zeitraum von 17. bis 22. Januar 2022 und fanden heraus, dass vier Prozent der Befragten, mindestens einmal an den Protesten gegen die staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen teilgenommen haben. Die Protestbereitschaft und damit auch das Potenzial zur Mobilisierung ist aber deutlich höher. Elf Prozent der Befragten äußerten, dass sie auf jeden Fall oder eher bereit wären, an diesen Protesten teilzunehmen. Weitere sieben Prozent gaben an, teilweise mit dem Gedanken zu spielen.

Der Zusammenhang von Telegram und Proteste gegen Coronaschutzmaßnahmen

Als eine der ersten, beschäftigten sich die Verfasser:innen der Studie mit dem Zusammenhang der Telegram-Nutzung und der Protestbereitschaft. Das Ergebnis: Je häufiger Menschen insbesondere Telegram als Informationsquelle nutzen, desto höher war die Protestbereitschaft. Von den Menschen mit niedriger Protestbereitschaft sagten nur sechs Prozent, sie würden sich über Telegram täglich oder mehrfach pro Woche informieren. Bei Menschen mit hoher Protestbereitschaft sind es knapp 25 Prozent. „Bei anderen Social-Media-Plattformen waren diese Effekte geringer oder nicht signifikant“, halten die Verfasser:innen fest.

Die Ergebnisse seien besorgniserregend, denn die Pandemie sei noch nicht vorbei und die mögliche Einführung einer Impfpflicht werde schon jetzt für die Mobilisierung genutzt.

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