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Jauch macht sich bei „Wer wird Millionär“ über Gewicht von Kandidaten lustig - das ist dreistes Bodyshaming

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Von: Jana Stäbener

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Günther Jauch und Kandidat Artur Exler sitzen in den Stühlen bei RTL „Wer wird Millionär“. Auf einem roten Textblock ist die Frage Jauchs nach dem Gewicht des Teilnehmers zu sehen.
Moderator Günther Jauch fragt Kandidaten Artur Exler nach seinem Körpergewicht. Die Frage ist nur: warum? © RTL/Stefan Gregorius (Collage)

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Warum interessiert es RTL-Moderator Günther Jauch bei „Wer wird Millionär“, wie viel die Kandidat:innen wiegen? Unsere Autorin sucht nach einer Erklärung.

Moderator Günther Jauch hat schon das ein oder andere Mal Kommentare gebracht, bei denen wir unangenehm berührt vor dem Fernseher saßen. Trotzdem hat er es bei der „Wer wird Millionär“-Sendung vom 14. März 2022, bei der er auch für die „Noagal“-Frage Aufsehen erregt hat, übertrieben. Er fragte alle Kandidat:innen, die sich einen Platz auf dem Quiz-Stuhl erspielten, nach ihrem Gewicht. Die meisten von ihnen waren davon mehr als peinlich berührt.

„Wer wird Millionär“-Frage zum Fürchten: „Bei wie viel sind Sie, 95 Kilogramm?“

Weil Artur Exler, der erste Kandidat des Abends, sich über die Auswahlfrage freute (es war eine Brotfrage und er kennt sich mit Brot gut aus), kam Jauch gleich mal auf die Idee, ihn zu fragen, ob er denn alles mit Kohlenhydraten möge. Direkt daran schließt er die Frage „Bei wie viel sind Sie, 95 Kilogramm?“ an, auf die Artur nicht wusste, was er antworten sollte. Verständlich, ich wüsste nicht, wie ich reagiere, wenn mich ein bekannter TV-Moderator nach meinem Körpergewicht fragt. „Ne, 114“, sagte der 35-Jährige dann schließlich und lachte peinlich berührt. Ganz ehrlich: I feel you.

„Wer wird Millionär“-Moderator Jauch hört nicht auf, Kandidaten nach ihrem Gewicht zu fragen

Beim nächsten Kandidaten Peter Gaschko machte Jauch mit seinem Ratespiel weiter, was in etwa so angebracht ist, wie eine Frau beim Vorstellungsgespräch nach ihren Kinderwünschen zu fragen. „Sie sind nicht bei 115, sondern bei 109, oder?“, begrüßte Günther Jauch den zweiten Teilnehmer der Montagabend-Show „ganz uncharmant“, wie er es an diesem Abend selbst beschrieb.

„Na gut, dann legen wir mit jedem Kandidaten ein Kilo drauf.“

Günther Jauch, in „Wer wird Millionär“ am 14. März 2022

„Nicht ganz“, sagte Peter. Bei ihm wären es schon 116 Kilogramm, meinte der Objektleiter und versuchte sein Aussehen mit dem Hemd zu begründen, das er an dem Abend trug. „Na gut, dann legen wir mit jedem Kandidaten ein Kilo drauf“, beendete Jauch die unangenehme Situation.

Peter Gaschko sitzt bei RTL „Wer wird Millionär“ auf dem Stuhl im Studio. Auch ihn hatte Günther Jauch nach seinem Gewicht gefragt.
Auch der zweite Kandidat Peter Gaschko bleibt von der Frage nach seinem Körpergewicht nicht verschont. © RTL / Stefan Gregorowius

Was ich an seinen expliziten Fragen nach dem Gewicht nicht verstehe: In welchem Universum interessiert es irgendeinen RTL-Zuschauer, ob Peter und Artur 85 oder 115 Kilogramm wiegen? Ich dachte Body-Shaming, so wie es diese 18 berühmten Männer täglich erleben, ist out. Und vor allem: Wenn Sie sowieso schon wussten, dass diese Frage „ganz uncharmant“ ist, warum stellen Sie sie dann, Herr Jauch?

Mehr Body-Neutralität: Gewicht sollte keine Rolle spielen – vor allem nicht bei „Wer wird Millionär“

In einer TV-Show, in der es um Wissen geht (oder zumindest sollte es das, oder?) ist es schlicht unangemessen, wenn Teilnehmer:innen nach ihrem Gewicht gefragt werden. Denn nicht nur ist Mehrgewicht teilweise genetisch veranlagt, Moderator:innen wie Jauch kennen in dem Moment, in dem sie die vermeintlich harmlose Frage „Bei wie viel sind Sie, 95 Kilogramm?“ stellen, die Vorgeschichte der Kandidat:innen nicht. Sie können nicht wissen, ob die besagten Personen jemals eine Essstörung hatten, emotionale Esser sind, mentale Probleme oder einfach schon hunderte Diäten hinter sich und keinen Bock auf Kommentare haben. Auch auf Twitter fragen sich Zuschauer, was das soll:

Natürlich ist starkes Übergewicht gefährlich und sollte auch nicht mit toxischer Body-Positivität propagiert werden. Aber ein paar Kilos mehr oder weniger – come on. Ich wünsche mir, dass wir auch in klassischen Fernsehsendungen wie „Wer wird Millionär“ zu mehr Body-Neutralität finden. Im Endeffekt geht es doch darum, dass alle Spaß haben – die Zuschauer, der Moderator und die Kandidat:innen. Also: Bitte mehr lustige Wortspiele in den Unter-500-Euro-Fragen und weniger Kommentare über das Gewicht der Teilnehmer:innen.

Mehr TV-Show Kritik? Hier schreibt unser Autor, warum die ProSieben Show „Balls“ menschenverachtend ist.

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