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Küken statt Bomben: TikTok verhindert, dass Menschen in Russland Bilder vom Krieg sehen

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Von: Pia Seitler

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Eine Recherche des öffentlich-rechtlichen Rundfunks NRK in Norwegen zeigt, wie wenig die Menschen in Russland bei TikTok vom Krieg gezeigt bekommen.
Eine Recherche des öffentlich-rechtlichen Rundfunks NRK in Norwegen zeigt, wie wenig die Menschen in Russland bei TikTok vom Krieg gezeigt bekommen. © Screenshot/NRK.no

Menschen in Russland bekommen in ihren TikTok-Feeds keine Videos oder Bilder zum Ukrainekrieg zu sehen. 

Soldat:innen aus Russland kämpfen in der Ukraine seit beinahe 50 Tagen in einem Krieg, der in Russland nicht einmal Krieg genannt werden darf. Eine Recherche von Investigativ-Journalisten aus Norwegen zeigt jetzt, was junge Menschen in Russland sehen, wenn sie durch TikTok scrollen und wie weit das von den Geschehnissen entfernt ist, die sich im Nachbarland Ukraine abspielen und die Ukrainer:innen auf TikTok sehen.

Zwischen Charkiw in der Ukraine und Belgorod in Russland liegen nur etwa 80 Kilometer Autostrecke. Auf TikTok seien sie Welten voneinander entfernt, schreibt der norwegische Journalist Christian Nicolai Bjørke und berichtet Netzpolitik.org. Nachdem Facebook, Twitter und Instagram in Russland verboten sind, fragt sich Bjørke, was die Menschen in Belgorod bei TikTok mitbekommen, von dem Krieg, der in der nahegelegenen Stadt im Nachbarland Ukraine wütet. Gemeinsam mit seinem Kollegen Henrik Bøe vom norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK programmierte er zwei Bots, die sich automatisch durch TikTok-Feeds bewegen. Mit einem Proxy verschleiern sie ihre echten IP-Adressen und sorgen dafür, dass TikTok denkt, die programmierten Bots wären ein Russe und ein Ukrainer.

Norwegische Journalisten programmieren zwei Bots, die sich durch TikTok-Feeds bewegen.
Norwegische Journalisten programmieren zwei Bots, die sich durch TikTok-Feeds bewegen. © Screenshot/NRK.no

Zerbombte Häuser vs. lustige Pannenvideos: So unterschiedlich sind die TikTok-Feeds in Russland und der Ukraine

Den ukrainischen Bot nennen sie Nykolai, den russischen Bot Alexei. Alter und Geschlecht sind gleich, da diese Faktoren den TikTok-Algorithmus ebenfalls beeinflussen können. So konnten die Journalisten herausfinden, was Menschen in den beiden Städten bei TikTok angezeigt bekommen.

Der Unterschied könnte nicht größer sein: Der Versuch zeigt, dass Nykolai in seinem Feed Videos von Soldaten und von Bomben zerstörte Häuser eingeblendet werden, während Alexei lustige Pannenvideos, selbstgebastelte Kostüme und ein Clip von einem süßen Küken sieht. 18 der 25 Videos, die Nykolai in den ersten Minuten angezeigt werden, thematisieren den Krieg in der Ukraine. Alexei hingegen bekommt nur vier Videos angezeigt, die entfernt etwas mit Krieg zu tun haben.

TikTok blendet in Russland alle neuen Videos aus – auch aus dem Ukraine-Krieg

TikTok ist zwar das einzige große nicht-russische soziale Netzwerk, das in Russland noch nicht gesperrt ist, aber der Versuch zeigt: TikTok zensiert seinen Inhalt in Russland. TikTok blende in Russland alle neuen Uploads aus und alle Videos, die von nicht-russischen Accounts stammen, wie Netzpolitik.org berichtet. Grund dafür ist, das russische Gesetz, das angebliche Fake News über die russische Armee verbietet, behaupte TikTok. Der norwegische Journalist Bjørke stelle sich allerdings die Frage, wieso sich das Portal nicht komplett aus Russland zurückgezogen hat.

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