1. BuzzFeed
  2. News

Geheime Dokumente: USA blockieren russische Bank, die Millionenvermögen von Oligarchen verschoben hat

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Roman Abramovich und die russische Promsvyazbank.
Die russische Promsvyazbank soll Oligarchen geholfen haben, Millionen zu verschieben. © dpa/Alexander Shcherbak / TASS via Getty Images/Collage

Die USA haben die russische Promsvyazbank im Zahlungssystem blockiert. Sie transferierte offenbar die Millionen von Oligarchen.

Die USA haben als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine russischen Banken den Geldhahn zugedreht. Eine der Banken spielte laut geheimen Dokumenten, die BuzzFeed News US vorliegen, eine Rolle bei einigen der weltweit größten Geldwäschegeschäften. Prüfer:innen bei großen westlichen Finanzinstitute wie der Bank of New York Mellon und Barclays hatten bereits 2011 auf „verdächtige“ Transaktionen der Promsvyazbank hingewiesen.

Am Dienstag sperrte das US-Finanzministerium die Promsvyazbank und die Vnesheconombank für das amerikanische Finanzsystem, um "Russlands Fähigkeit, Aggressionen gegen seine Nachbarn zu finanzieren" zu bekämpfen. Die Sanktionen bedeuten, dass die Banken und ihre Kund:innen keine Geschäfte in den USA tätigen können und dass ihre Konten eingefroren wurden. Die Maßnahmen zielten auch auf den inneren Kreis des russischen Präsidenten Wladimir Putin ab. Die USA haben signalisiert, dass sie nach dem Einmarsch in die Ukraine in dieser Woche noch härtere finanzielle Konsequenzen verhängen könnten

Russische Bank unterstützt Rüstungsindustrie

Beide Banken befinden sich im Besitz der russischen Regierung. Die Promsvyazbank (PSB) wurde 2018 von der Regierung übernommen, um die Rüstungsindustrie zu unterstützen. Fast 70 Prozent der staatlichen Aufträge für das russische Verteidigungsministerium werden über die PSB abgewickelt, so das US-Finanzministerium. Die Bank unterstütze, den Verteidigungssektor des Landes mit Milliarden von Dollar. Der Leiter der Bank ist der Sohn des ehemaligen russischen Geheimdienstchefs.

In den Jahren, bevor die PSB von der russischen Regierung geleitet wurde, reichten westliche Banken geheime Berichte ein, in denen sie die Transaktionen der Bank als verdächtig bezeichneten. Banken müssen dem Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) des US-Finanzministeriums immer dann eine sogenannte „Verdachtsmeldung“ schicken, wenn sie eine Transaktion bemerken, die auf Geldwäsche oder andere finanzielle Verstöße hindeutet.

Geheime Dokumente zeigen Geldwäscheaktionen russischer Bank

Verdachtsmeldungen sind zwar keine Beweise für ein Verbrechen, können aber nützlich für die Strafverfolgungsbehörden sein. BuzzFeed News US hat von einer Whistleblowerin des Finanzministeriums, Natalie Mayflower Sours Edwards, tausende geheime Dokumente erhalten. Sie zeigen, wie die PSB anonymen Briefkastenfirmen die Beteiligung an globalen Geldwäscheaktionen ermöglichte und wie sie Mitgliedern von Putins innerem Kreis ungehinderten Zugang zum amerikanischen Finanzsystem verschaffte. Zu den prominentesten Mitgliedern gehörte die Familie Rotenberg. Arkadi Rotenberg ist ein Jugendfreund Putins und einer der einflussreichsten Bürger Russlands. Seine Unternehmen erhielten lukrative Aufträge zum Bau von Autobahnen, Einkaufszentren und Pipelines im ganzen Land.

Der russische Präsident Wladimir Putin zeichnet Arkadi Rotenberg am 18. März 2020 in Sewastopol (Krim) mit der Medaille „Held der Arbeit“ aus.
Putin zeichnet Arkadi Rotenberg am 18. März 2020 mit der Medaille „Held der Arbeit“ aus. © Alexander Nemenov / AFP via Getty Images

Die US-Regierung sanktionierte Rotenberg und weitere Personen erstmals 2014 wegen ihrer vermeintlichen Rolle bei der Annexion der Krim. Rotenberg, der keine Geschäfte in den USA mehr tätigen durfte, verkaufte seinen Anteil an einer Immobiliengesellschaft an seinen Sohn Igor. Das Unternehmen erhielt so weiter Zugang zum amerikanische Finanzsystem über die russische Bank.

Russische Bank in sogenannten „russischen Waschsalon“ verwickelt

Im Jahr 2016 wurde die Deutsche Bank misstrauisch wegen Transaktionen in Höhe von etwa 5 Mio. USD. Sie wurden von einem Unternehmen der Familie Rotenberg veranlasst. Dieses Immobilienunternehmen, Netmar Holdings mit Sitz in Belize, nutzte PSB für "ungewöhnlich hohe Dividendenzahlungen" an die Top-Führungskräfte, wie aus den Dokumenten hervorgeht. Sprecher:innen der Familie Rotenberg und der PSB antworteten nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.

2017 stellten Prüfer:innen der Standard Chartered Bank fest, dass PSB Geld für mehrere Unternehmen bewegte, die mit dem sogenannten „russischen Waschsalon“ in Verbindung standen. Ein globales System, bei dem zwischen 20 und 80 Milliarden US-Dollar gestohlen wurden. Eine große lettische Bank verlor in dieser Angelegenheit ihre europäische Lizenz. Die Bank of New York Mellon berichtete außerdem, dass eines dieser Unternehmen, Seabon Limited, zwischen Juni 2013 und Januar 2014 57 Millionen Dollar an Unternehmen vor allem in der Schweiz und den Vereinigten Arabischen Emiraten überwies. Die meisten dieser Transaktionen wurden über die PSB abgewickelt.

Deutsche Bank wird bei Channel One Russia Worldwide misstrauisch

Die Prüfer:innen wurden misstrauisch, weil viele der Transaktionen in großen, „runden“ Dollarbeträgen erfolgten – ein Anzeichen für Geldwäsche. Außerdem bewegte das Unternehmen Geld in seltsamen Mustern. Es wurden zum Beispiel bis zu zwölf Überweisungen an einem Tag getätigt.

Ein Jahr nachdem die Deutsche Bank wegen der Familie Rotenberg Bedenken geäußert hatte, wurde sie bei einem anderen PSB-Kunden mit Verbindungen zu Putin misstrauisch. Sie stellte 39 Überweisungen im Wert von mehr als zwei Millionen Dollar fest, die an und von Channel One Russia Worldwide, dem staatlichen Medienunternehmen, gesendet wurden. Mindestens 23 dieser Transaktionen liefen über PSB.

Roman Abramovich
Roman Abramovich © Vladimir Gerdo / TASS via Getty Images

Verbindungen der russischen Bank zu Roman Abramovich

Die Deutsche Bank äußerte Bedenken wegen der Verbindung von Channel One zu Roman Abramowitsch. Der Milliardär hielt zu diesem Zeitpunkt 24 Prozent der Anteile an Channel One. Die Bank schrieb, gegen Abramowitsch sei mehrfach wegen Geldwäsche ermittelt worden. Sein Anwalt erklärte 2018, dass Abramowitsch „nie wegen Beteiligung an Geldwäsche angeklagt wurde und nicht vorbestraft ist“.

Die Deutsche Bank schrieb auch, dass einer der Empfänger der Channel One-Überweisungen von dem ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch geleitet wurde, der bereits in den USA angeklagt und in Österreich wegen Erpressung und Bestechung verhaftet worden war. Firtasch wurde gegen eine Kaution von 125 Millionen Euro freigelassen und wehrt sich seither gegen seine Auslieferung an die USA. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen und er hat die Vorwürfe wiederholt bestritten. Ein:e Sprecher:in von Firtash sagt, er sei nicht in der Lage, einen Kommentar abzugeben. Sprecher:innen von Abramovich antworteten nicht auf die Anfragen nach einer Stellungnahme.

Russische Bank investiert gestohlenes Geld in Luxusimmobilien in Manhatten

PSB überwies auch an eine Briefkastenfirma Geld, die mit einem russischen Steuerrückerstattungsprogramm in Verbindung steht und einen Teil der Erlöse in amerikanische Immobilien investierte– darunter auch Luxusimmobilien in Manhattan. Im Mai 2017 berichtete Barclays (internationales Finanzunternehmen, Anm. d. Red.) in New York der Abteilung für Finanzkriminalität des US-Finanzministeriumsverdächtige von verdächtigen Aktivitäten. Mehr als ein Dutzend Strohfirmen standen demnach im Verdacht an der Verschwörung beteiligt zu sein.

Eine dieser Firmen, Nysorko Limited mit Sitz in Zypern, hat zwischen Mai und Oktober 2008 14 Überweisungen in Höhe von insgesamt fast drei Miollionen US-Dollar von ihrem Konto bei der PSB an Barclays-Konten in England getätigt.

Ein:e Sprecher:in von Barclays lehnte eine Stellungnahme ab und sagt: "Wir sind nicht befugt, uns dazu zu äußern, ob eine Verdachtsmeldung eingereicht wurde oder nicht." Vertreter:innen der Deutschen Bank, der Bank of New York Mellon und von Standard Chartered lehnten eine Stellungnahme ebenfalls ab.

Autorin dieses Textes sind Anthony Cormier, Jason Leopold, John Templon, Scott Pham. Er wurde aus dem Englischen übersetzt.

Auch interessant

Kommentare