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Gefährliche Armutsfalle: Junge Menschen sparen kaum fürs Alter - weil ihnen das Geld fehlt

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Von: Jana Stäbener

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Zwei junge Frauen.
Junge Menschen sparen eher für Reisen, als für die eigene Altersvorsorge. © Yanapi Senaud/Unsplash/Collage Buzzfeed

Einer Befragung zufolge legen die Generationen Y und Z zu wenig fürs Alter zurück. Daran ist Nachlässigkeit schuld, aber auch, dass sich viele Sparen gar nicht leisten können.

Sparen ist ihnen zwar kein Fremdwort – das angesparte Geld geben sie aber lieber für Dinge im „hier und jetzt“ aus, zeigt die neue Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen 2022“ vom Versorgungswerk „MetallRente“. Diese befragte junge Menschen im Alter von 17 bis 27 Jahren zu ihren persönlichen Zukunftserwartungen und ihrem Spar- und Vorsorgeverhalten. Die große Mehrheit der Befragten (88 Prozent) blickt der Studie zufolge optimistisch in die Zukunft. Bei der Rente könnte genau das jedoch ein Problem werden – denn die ist bei den Generationen Z und Y nicht mehr so sicher, wie bei deren Eltern und Großeltern.

Altersvorsorge bei jungen Menschen: Gespart wird lieber für Urlaubsreisen

Laut der Studie spart die überwältigende Mehrheit junger Menschen (86 Prozent) entweder regelmäßig oder ab und zu. Das habe sich seit der ersten Jugendstudie von 2010 kaum verändert. Die Corona-Pandemie habe also keine direkten Auswirkungen auf das Sparen gehabt. Wofür die jungen Leute sparen, ist jedoch der entscheidende Punkt, der ihnen in 40 Jahren Schwierigkeiten bereiten könnte.

Am häufigsten sparen sie nämlich für größere Anschaffungen (78 Prozent), unvorhersehbare Ereignisse (76 Prozent) oder für Urlaubsreisen (70 Prozent). Erst auf dem vierten Platz ist bei Angehörigen der Generation Y und Z die Rente. Nur 51 Prozent legen dafür überhaupt etwas zurück – vor 10 Jahren waren es immerhin noch 55 Prozent. Regelmäßig fürs Alter sparen – das tun mittlerweile sogar nur 37 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen. Besonders gering ist der Anteil mit 29 Prozent bei den Frauen.

Was das Sparen der jungen Menschen zusätzlich beeinflusst, ist ihre finanzielle Lage. Von denjenigen, die regelmäßig Geld sparen, schätzen 82 Prozent ihre finanzielle Lage als „sehr gut“ oder „gut“ ein. Bei denen, die ihre finanzielle Situation als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ bewerten, sparen nur 26 Prozent regelmäßig. Überhaupt nichts ansparen können 14 Prozent der jungen Erwachsenen. Bei den meisten dieser „Nicht-Sparer“ sind daran fehlende finanzielle Mittel schuld.

Altersarmut ist auch für Generation Y und Z ein Thema

Nur weil junge Menschen heute nicht hauptsächlich für die Rente sparen, bedeutet das nicht, dass sie sich nicht vor Altersarmut fürchten. Über drei Viertel der Befragten (78 Prozent) sorgen sich darüber, ob sie im Alter genug Geld zum Leben haben werden. Besonders bedrückt sie aber nicht ihre individuelle Situation, sondern die der gesetzlichen Rentenversicherung. 85 Prozent stufen die demografische Entwicklung und die Finanzlage der gesetzlichen Altersvorsorge als kritisch ein.

Aber auf was vertrauen junge Menschen für ihre Altersvorsorge? Obwohl Finanzexpert:innen warnen, dass es immer weniger Erwerbstätige geben wird, und damit auch die Renten sinken, bleiben Generation Z und Y zuversichtlich. Sie glauben weiterhin an die gesetzliche Rente, zeigt die Studie. Wie schon 2019 vertrauen dieser immerhin 58 Prozent der 17- bis 27-Jährigen. Mit 49 Prozent folgt die betriebliche Altersvorsorge in puncto Vertrauen an zweiter Stelle. Anbieter für Lebensversicherungen oder von Banken stehen bei den jungen Leuten nicht so hoch im Kurs.

Junge Menschen erwarten von der gesetzlichen Altersvorsorge mehr Sicherheit

Laut der Umfrage erwarten immer mehr junge Erwachsene, dass die gesetzliche Altersvorsorge wieder die Sicherheit bietet, die sie für ihre Eltern und Großeltern hatte. Sie erwarten von der Politik, mehr als noch 2010, rentenpolitisch zu handeln und sind der Auffassung, Politiker:innen müssten eine ausreichende Rente nur wirklich wollen, dann lasse sich das schon ermöglichen.

Neue Ideen, wie beispielsweise die der Aktienrente, könnten bei ihnen daher auf positives Feedback stoßen. Die Ampelkoalition möchte 10 Milliarden Euro in eine teilweise Kapitaldeckelung der Rentenversicherung stecken. Vorbild für solch ein Rentensystem ist Schweden, in dem die gesetzliche Rente einerseits per Umlagesystem und andererseits durch eine kapitalgedeckte Komponente finanziert wird. Politisch sind solche Visionen allerdings erst einmal unrealistisch. Grünen-Sprecher Markus Kurth erklärte laut der Frankfurter Rundschau erst kürzlich „eine Aktienrente in der gesetzlichen Rente sei erst in 70 Jahren bereit, einen tragenden Beitrag zu leisten.“

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