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Grunderbe von 20.000 Euro zum 18. Geburtstag? Der Bundesjugendring findet: Das ist zu wenig

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Von: Jana Stäbener

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Junge Menschen feiern den 18. Geburtstag. Eine Idee wäre, dass sie hier 20.000 Euro Grunderbe erhalten.
Grunderbe ja oder nein? Der Deutsche Bundesjugendring findet 20.000 Euro zu wenig. © Westend61/IMAGO

Könnte ein Grunderbe von 20.000 Euro die soziale Ungleichheit in Deutschland beenden? Der deutsche Bundesjugendring glaubt das nicht.

Bis ein Kind erwachsen ist, kostet es die Eltern ungefähr 130.000 Euro –deswegen seien Kinder für viele inzwischen Luxus, sagt eine Soziologin. Vor allem, wenn ein Kind dann auch noch studiert, wird es oft richtig teuer. Viele, gerade einkommensschwächere Familien können es sich überhaupt nicht leisten, ihrem Kind ein Studium zu finanzieren. Während ein Teil der Gesellschaft durch Erbe immer reicher wird, gehen Kinder aus diesen Familien leer aus. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte deswegen schon im Dezember vergangenen Jahres ein „Grunderbe“ für alle 18-Jährigen in Höhe von bis zu 20.000 Euro vorgeschlagen.

Grunderbe: Ost-Beauftragter Carsten Schneider (SPD) setzt sich dafür ein

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, griff diesen Vorschlag am Donnerstag, 12. Mai, erneut auf. Er sagte Journalist:innen der Funke Mediengruppe: „Wir laufen Gefahr, dass sich eine Rentiersgesellschaft, die von Erbschaften lebt, von der normalen Arbeitsgesellschaft abkoppelt. Eigentum zu bilden ist für einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr möglich, gerade in den Metropolen.“ Ein Grunderbe wäre aus Schneiders Sicht deshalb ein interessantes Instrument, um Ungleichheit zu bekämpfen und die Startchancen ins Berufsleben gerechter zu gestalten, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. „Wer nichts hat, der kann nur schwer etwas zurücklegen und ein Vermögen aufbauen.“

Laut des DIW würde ein Grunderbe von 20.000 Euro, das jeder zum 18. Geburtstag automatisch erhält, den Staat 15 Milliarden Euro kosten. Von dem Geld könnte zumindest ein Studium finanziert, ein Auto gekauft oder eine erste finanzielle Spar-Grundlage geschaffen werden. Und das ist enorm wichtig, denn viele junge Menschen sparen kaum fürs Alter – weil ihnen das Geld fehlt. „Ein solches Grunderbe könnte über eine höhere Erbschaftssteuer der oberen zehn Prozent finanziert werden“, sagte auch der SPD-Politiker Schneider. Diese würden in Deutschland sowieso zu gering besteuert, findet er.

Deutscher Bundesjugendring ist „skeptisch, dass eine solche Summe Ungleichheiten abbaut“

Auf Anfrage von BuzzFeed News Deutschland äußert sich auch der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) zu der Idee eines Grunderbes. Er vertritt die Interessen deutscher Jugendverbände in der Politik und gibt den Wünschen und Sorgen von Kindern und Jugendlichen eine Stimme. Die stellvertretende Vorsitzende Lea Herzig findet die Idee eines Grunderbes von 20.000 Euro interessant.

Lea Herzig vom Deutschen Bundesjugendring
Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings, Lea Herzig, findet 20.000 Euro als Grunderbe zu wenig. © Lea Herzig Deutscher Bundesjugendring (Collage)

„Allerdings sind wir eher skeptisch, dass eine solche Summe, die allen Jugendlichen ausgezahlt werden soll, wirklich erheblich Ungleichheiten abbaut und für gleiche Startbedingungen sorgen kann.“ Besonders dann, wenn Jugendliche aus einkommensschwachen Familien kommen, sei der Betrag nicht ausreichend. Gerade für junge Menschen, bei denen der Weg in Ausbildung oder Studium anfangs schwierig sei, „ist solch eine Summe schnell aufgebraucht“, so Herzig.

Bundesjugendring: Wichtiger als ein Grunderbe ist die Kindergrundsicherung

Zudem stelle sich die Frage, ob dieses Grunderbe auf Bafög-Zahlungen oder die Kindergrundsicherung angerechnet werden würde, sagt Herzig BuzzFeed News Deutschland. Auch was das Thema Bafög anbelangt, wird laut Verdi-Jugend-Chefin über zu kleine Summen geredet. Für das Grunderbe gilt dasselbe, findet Herzig. Deswegen habe der DBJR andere Ziele: „Insgesamt liegt für uns die Priorität auf der möglichst schnellen Einführung einer Kindergrundsicherung, die, analog zum Kindergeld, bis zum 25. Lebensjahr gezahlt wird.“

Solch eine Kindergrundsicherung komme Kindern und Jugendlichen über die ganze Zeit des Erwachsenwerdens zu Gute und helfe aus Sicht des Deutschen Bundesjugendrings eher, Ungleichheiten in Bildung und Teilhabe abzubauen. Wenn man also wirklich ein Grunderbe angehen will, dann müsse über den Betrag und die Umsetzung noch diskutiert werden, findet die stellvertretende Vorsitzende Herzig. „Dabei werden wir uns als Deutscher Bundesjugendring natürlich gerne weiterhin beteiligen.“

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