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Aufträge per Telegram: Russische Influencer:innen verbreiten bezahlte Propaganda bei Tiktok

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Von: Pia Seitler

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Influencer:innen auf TikTok lesen scheinbar alle die gleiche pro-russische Botschaft vor.
Influencer:innen auf TikTok lesen scheinbar alle die gleiche pro-russische Botschaft vor. © Screenshot/Instagram/@magonovaa_

Russische Propaganda per Tiktok: Über einen Telegram-Kanal erhalten Influencer:innen offenbar Aufträge, Fake News über den Ukraine-Krieg zu verbreiten.

Russische Influencer:innen wurden offenbar dafür bezahlt, pro-russische Propaganda und Fake-Informationen auf ihren Accounts zu verbreiten, während des Kriegs in der Ukraine. Das hat eine Recherche des US-amerikanischen Nachrichtenmagazins Vice herausgefunden. Die Kampagnen wurden demnach über einen Telegram-Kanal koordiniert, in dem die Influencer:innen Anweisungen erhielten, was und wann sie posten sollen und unter welchem Hashtag. Auf TikTok verbreiten sich gerade Tausende Videos, die den Krieg in der Ukraine thematisieren, oder in denen junge Ukrainer:innen von ihrem Leben im Krieg berichten.

Der Telegram-Kanal, von dem die Anweisungen kamen, wurde laut Vice Ende 2021 erstellt und hatte über 500 Mitglieder. Er sei zunächst dafür verwendet worden, Kampagnen, also Jobs für Influencer:innen anzubieten und zu koordinieren. Der Administrator suchte demnach Influencer:innen, die für Wettbüros oder Unternehmen werben. In den vergangenen Wochen habe der Kanal jedoch mehrere Kampagnen-Jobs angeboten, in denen eine pro-russische Botschaft über den Ukraine-Krieg verbreitet werden sollte.

Russische Kampagnen mit Desinformationen im Krieg gegen die Ukraine

Der Administrator gab laut VICE News den Influencer:innen Anweisungen, wo sie ihre Videos aufnehmen und was sie darin sagen sollten, welche Tonspur sie verwenden und welchen Text und Videos sie einblenden sollen. Er soll potenziell Mitwirkenden auch Tipps gegeben haben, wie sie das TikTok-Verbot für Uploads von russischen Konten umgehen können. Die Inhalte des Kanals wurden am Mittwochabend (9. März 2022) gelöscht, nachdem VICE News den Administrator kontaktiert hatte.

In den Kampagnen waren vermutlich einige sehr bekannte russische Influencer:innen involviert. Einige davon mit über einer Million Follower:innen. Die Ukrainerin Christina Magonova hatte eine dieser Kampagnen zuerst entdeckt und davon auf ihrem Instagram-Account berichtet:

Die gezeigten Influencer:innen lesen darin scheinbar alle den gleichen Text vor. Sie versuchten darin laut VICE News den Krieg in der Ukraine zu entschuldigen, indem sie die Lüge verbreiten, die Ukraine habe einen Völkermord an russischsprachigen Menschen in der Donbass-Region verübt.

Desinformation als Kriegsmittel im Ukraine-Krieg

In den Posts wurden Hashtags wie „Wir lassen unser Volk nicht im Stich“ verwendet. Es ist unklar, wie viel und ob die Influencer:innen überhaupt bezahlt wurden, berichtet VICE News. Viele Videos seien inzwischen entfernt worden, aber auch das sei etwas, worum die Organisator:innen der Kampagne angeblich gebeten hatten. Einige sind immer noch auf der Plattform und haben Hunderttausende Aufrufe erreicht. Es sei unmöglich zu sagen, ob die von VICE News entdeckte Kampagne nur die Spitze des Eisbergs oder ein Einzelfall ist. TikTok hat sich auf Anfrage von VICE News nicht zu den koordinierten Kampagnen auf seiner Plattform geäußert.

Expertin für Verschwörungsideologien Pia Lamberty und zahlreiche andere Beobachter:innen warnen seit Beginn des Kriegs in der Ukraine vor Desinformation als Kriegsmittel. BuzzFeed News Deutschland führt deswegen einen fortlaufenden News-Ticker zu falschen und irreführenden Informationen und Gerüchten.

Ukraine-Krieg: Instagram in Russland blockiert

Seit Montag (14. März 2022) ist Instagram in Russland blockiert. Die russische Medienaufsicht sperrte die Plattform, weil Instagrams Dachunternehmen Meta Ausnahmen bei Aufrufen zur Gewalt gegen russische Truppen in der Ukraine macht. Einige russische Influencer:innen zeigen sich deshalb in Tränen aufgelöst, wie das US-Portal Insider berichtet. Olga Buzova, die 23,3 Millionen Instagram-Follower hat, postete demnach am Sonntag ein fast siebenminütiges Video, in dem sie über den drohenden Verlust ihres Publikums weint.

„Ich habe nur mein Leben, meine Arbeit und meine Seele geteilt. Ich habe das alles nicht als Job für mich gemacht, es ist ein Teil meiner Seele. Es fühlt sich an, als ob ein großer Teil meines Herzens und meines Lebens von mir genommen wird“, sage die Influencerin darin.

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