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Hitzlsperger kritisiert „One-Love“-Binde - „Meint viel, aber sagt nichts aus“

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Von: Nadja Pohr

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Fotomontage zeigt Thomas Hitzlsperger und die „One Love“-Binde
Thomas Hitzlsperger hätte sich lieber das Regenbogen-Symbol für die „LGBTQIA+“-Community gewünscht, statt die „One Love“-Kapitänsbinde. © Fotomontage BW24/IMAGO/Sportfoto Rudel/dpa/Federico Gambarini

Kapitän Manuel Neuer wird bei der WM in Katar mit einer „One-Love“-Binde auf dem Platz stehen, die ein Zeichen gegen Diskriminierung ist. Thomas Hitzlsperger kritisiert das und hätte sich lieber das Regenbogensymbol als Zeichen gewünscht.

Stuttgart - Am Sonntag, 20. November, startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Anders als sonst vor dem Sport-Event hält sich in diesem Jahr die Vorfreude bei den Fans in Grenzen. Dem Gastgeberland werden unter anderem massive Verletzungen von Menschenrechten vorgeworfen, weshalb selbst einige Fußball-Fanatiker zum Boykott der WM aufrufen. Zuletzt schockierten zudem die Aussagen des WM-Botschafters Khalid Salman in einem ZDF-Interview, in dem er Schwulsein einen „geistigen Schaden“ nannte.

In Katar ist Homosexualität verboten und steht sogar unter Strafe. Für schwul-lesbische Fußballfanklubs ist es unverständlich, dass man ein Sportereignis, bei dem jeder willkommen sein soll, dann an das Emirat vergibt. Auch von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, der offen homosexuell lebt, gibt es deshalb Kritik. Er wirft auch den Spielern vor, dass sie sich die deutschen Nationalspieler nicht klarer gegen das Gastgeberland positionieren - da helfe auch keine „One-Love“-Kapitänsbinde von Manuel Neuer.

Hitzlsperger hält „One-Love“-Binde für sinnlos - Regenbogen-Symbol hätte Katarer eher provoziert

Mit der „One-Love“-Kapitänsbinde wollen die Verbände von England, der Niederlande, Belgien, Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark und Deutschland ein gemeinsames Zeichen gegen Diskriminierung im Allgemeinen setzen. Thomas Hitzlsperger hält davon nicht viel, er hätte sich lieber das Regenbogen-Symbol speziell für die „LGBTQIA+“-Community gewünscht. „Beim Regenbogen-Symbol weiß man, was es bedeutet. Man weiß auch, dass es die Katarer als Provokation empfinden und daher wäre es ein sehr starkes Symbol gewesen“, sagte er bei SWR Sport. Aber: „Man hat sie ersetzt - und jetzt merke ich keine Reaktion. Das heißt, das Ganze wird verwässert.“

Hitzlsperger versteht zwar den Ansatz, der hinter der gemeinsamen „One-Love“-Binde steckt, kritisiert aber, dass die Idee und das Symbol für viele Menschen nicht greifbar seien. „Man kommt mit einer Binde raus, die viel meint, aber nichts sagt“, äußert er. Es sei natürlich besser als eine komplett weiße Kapitänsbinde, sagt Hitzlsperger. Manuel Neuer, der die Binde tragen wird, sieht es dennoch als „starkes Zeichen“ und „wichtigen Beitrag“.

LGBTQIA+ im Fußball: In den Fankurven hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert

Thomas Hitzlsperger stellte darüber hinaus aber auch positiv fest, dass sich in den Fankurven im Vergleich zu vergangenen Jahren viel getan habe. „In der Fanszene versucht man schon, den Boden für aktive Fußballprofis zu bereiten, dass sie sich outen. Das nehme ich immer wieder wahr“, sagte Hitzlsperger, als er auf die Banner der VfB-Fans angesprochen wurde, die ebenfalls protestierten. Immerhin habe man bei der letzten Europameisterschaft sogar Stadien in Regenbogensymbolen gesehen.

Trotz allem ist Homophobie auch in Deutschland weit verbreitet. „Machen wir uns nichts vor, es gibt Menschen in Deutschland, die auch so denken“, sagte der Ex-Nationalspieler. Um die „LGBTQIA+“-Community im Fußball weiter zu stärken, wäre das Regenbogensymbol auf der Kapitänsbinde umso wichtiger gewesen.

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