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Eltern erschrecken für TikTok-Trend Kinder mit Horrorvideos - „ich genieße das“

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Von: Felicitas Breschendorf

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Ein Junge verdeckt mit den Händen sein Gesicht.
Die Kinder haben Angst vor Gruselvideos. Auf TikTok finden Eltern das witzig. © IMAGO/Adalberto Rodriguez

Auf TikTok zeigen Eltern ihren Kindern ein gruseliges Video und sperren sie ein. Der Trend kann laut einer Psychologin das Bindungsverhältnis stören.

Ein blaues Gespenst mit roten Augen und verzerrtem Mund erscheint. Ein kleines Mädchen und ein Junge halten sich schreiend aneinander fest. Das TikTok-Video von @peluchita80 hat 3, 5 Millionen Aufrufe. Durch die Tür fliehen könnten die Kinder nicht. Sie wurde von den Eltern abgeschlossen. Viele Videos dieser Art werden zurzeit auf TikTok hochgeladen. Der Trend ist gefährlich für das Verhältnis zwischen Kind und Erziehungsberechtigtem, macht die Psychologin Rüya Kocalevent gegenüber RTL News deutlich.

Ein Junge, der vor dem Gruselvideo wegrennt, wird von einem TikToker aufgehalten

Der Ablauf der TikTok-Videos ist immer derselbe: Zuerst zeigen Eltern, Geschwister oder andere Familienangehörige den Kindern ein Video mit gruseligem Lachen. Daraufhin lassen sie die Kinder allein. Sie rennen schnell aus dem Zimmer, machen das Licht aus und die Tür zu. In einem Video von @minhhung2306 sieht man einen Jungen, der schnell versucht, aus dem Raum zu entkommen. Der vietnamnesische TikToker, dessen Kanal 69,8 Millionen Aufrufe hat, hält den Jungen daraufhin auf. Mit der Hand drückt er den kreischenden Jungen zurück in das Zimmer. Er weint daraufhin laut und sieht offensichtlich verstört aus.

Die meisten Kommentare unter den Videos sind positiv. „Ich genieße das grad so hart“, schreibt eine Person auf TikTok. „Umso öfter ich mir das anschaue, umso lustiger wird es“, eine andere. Es gibt auch Kommentare, die sorgenvoll klingen: „Ich denke, für die Kids ist es wirklich ganz schlimm“, heißt es etwa. Oder: „Dass sie ausgesperrt werden, ist too much für mich.“

Bei dem Kind kann es zu einer posttraumatischen Belastungsstörung kommen

Beim TikTok-Trend #Gentleminions werfen Kinder nur mit Bananen und tragen Anzüge. Bei anderen Trends jedoch bringen sie ihr Leben in Gefahr. Bei der #Blackoutchallenge strangulieren sich junge TikToker:innen bis sie bewusstlos sind. Auch der Gruselvideo-Trend ist problematisch, wie die Psychologin gegenüber RTL News erklärt. „Es ist gefährlich in dem Sinne, als dass das Bindungsverhältnis gestört werden kann“, sagt sie. Unter anderem könne eine posttraumatische Belastungsstörung entstehen. Außerdem könnten Kinder durch die Videos Albträume, Konzentrationsschwierigkeiten oder emotionale Taubheit erfahren.

Statt die Kinder zu schützen, werden die Eltern zu Mobbern

Kocalevent findet die Rolle der Eltern in den Videos besonders irritierend. „Normalerweise haben Eltern eine Schutzfunktion“, sagt sie. Eltern hätten beispielsweise Angst, dass ihre Kinder gemobbt werden könnten. „Scheinbar treten sie jetzt aber selbst in diese Mobber-Rolle ein“, sagt sie. Im Gegensatz zu dem TikTok-Trend „Gentle Parenting“, bei dem Eltern sehr extrem in das Innenleben ihrer Kinder investiert sind, zeigen sie in den Videos ein Desinteresse. Statt des Bedürfnisses der Kinder stünde das „Spiel- und Spaßbedürfnis der Eltern“ im Vordergrund. Bei der Erziehungsmethode „U-Boot-Eltern“ interessieren sich die Eltern genauso wenig dafür, wie sich das Kind fühlt

Für Eltern, die trotzdem an dem TikTok-Trend mitmachen wollen, hat Kocalevent einen Tipp: „Holt euch das Einverständnis der Kinder“, sagt sie. Werden die Videos gemeinsam inszeniert, könnten keine psychischen Schäden entstehen.

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