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Solidarität mit der Ukraine: So deutlich verurteilt Deutschland Putins Krieg

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Von: Mika Engelhardt

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Eine Werbung von Edeka mit der Ukraine-Flagge und das Heizkraftwerk in Erlangen wird in den Farben der Ukraine angestrahlt
Solidarität von allen Seiten: Supermärkte bekennen sich zu Menschenrechten und Gebäude erstrahlen in den Nationalfarben der Ukraine. © Collage/Screenshot/Twitter/reddit

Nicht nur die Politik reagiert auf Putins Ukraine-Krieg. Mehrere Organisationen und Unternehmen in Deutschland ziehen Konsequenzen.

Es ist vielleicht die schrecklichste Nachricht seit vielen Jahren. In Europa herrscht wieder Krieg. Der russische Präsident Putin ist mit seinen Truppen nach Monaten der Androhung und Provokation in die Ukraine einmarschiert. Für das Land sieht es aktuell nicht gut aus - umso wichtiger sind entschiedene und starke Sanktionen aus der Politik. Doch nicht nur Politiker:innen können ihrer Meinung Taten folgen lassen. Viele Organisationen und Unternehmen in Deutschland ziehen ebenfalls ihre Konsequenzen aus der aktuellen Situation, zeigen Solidarität und beenden ihre Zusammenarbeiten mit russischen Unternehmen. Hier sind ein paar Beispiele.

UEFA: Absage des Pokalfinals in Sankt Petersburg als Reaktion auf den Ukraine-Krieg

Nachdem die UEFA im vergangenen Jahr während der Fußball-Europameisterschaft noch vor politischen Zeichen zurückgeschreckt war, reagierte sie nach der Invasion in der Ukraine rasch. Das Finale der UEFA-Pokalmeisterschaft am 28. Mai zieht um, denn bisher sollte es in Sankt Petersburg stattfinden.

Schon seit Tagen forderten Fußball-Fans diesen Schritt. Das Finale der Champions League ist eines der größten Sportevents des Jahres und Sankt Petersburg ist die Heimatstadt Putins. Es also wie geplant auszutragen, wäre ein Paradebeispiel für schlechten Geschmack gewesen. In einem Statement schreibt die UEFA, dass sie neben Fußball auch für „die gängigen europäischen Werte wie Frieden und Menschenrechte“ stehe. Sie verurteilt die Invasion Putins und ordnet an, dass zukünftige Spiele ukrainischer und russischer Mannschaften auf neutralem Boden stattzufinden haben. Für weitere Maßnahmen bleibt der Krisenstab im Stand-Bye.

Weitere Maßnahmen könnten ein vollständiger Ausschluss der russischen Mannschaften aus dem Turnier sein, wie viele Fans auf Twitter bereits fordern. „Warum nehmen russische Mannschaften überhaupt an europäischen Turnieren teil?“, schreibt ein User zum Beispiel. Dennoch ist der Schritt der UEFA zumindest ein großes Zeichen einer europaweit bekannten Organisation.

Ein User teilt der UEFA seine Meinung zum Ukraine-Konflikt mit
Dieser User fordert, alle russischen Mannschaften sofort aus UEFA-Wettbewerben auszuschließen. © Screenshot/Twitter

Formel 1: Kein Großer Preis von Russland wegen dem Krieg in der Ukraine

Eine weitere große Sport-Organisation, die sich zu Schritten entschlossen hat, ist die Formel 1. Der Große Preis von Russland, der in Sotschi hätte stattfinden sollen, wird gestrichen. „Wir beobachten schockiert und voller Trauer die Entwicklungen in der Ukraine“, schreibt die Organisation in einem Statement bei Twitter. Am Donnerstagabend sei der Verein gemeinsam mit dem Teams zu dem Schluss gekommen, dass es aktuell unmöglich sei, einen Großen Preis in Russland auszurichten.

Diese Entscheidung fällt, nachdem Rennfahrer wie der deutsche Weltmeister Sebastian Vettel bereits gesagt hatten, auch im Falle einer Ausrichtung nicht in Sotschi anzutreten. Dieses Jahr ist mit der Entscheidung das erste Jahr seit 2014, in dem nicht in Sotschi gefahren wird. Vertraglich soll die Formel 1 ab nächstem Jahr vor den Toren von Sankt Petersburg fahren. Präsident Putin setzte sich in der Vergangenheit stets für einen großen Austragungsort der Formel 1 ein. Ob diese Pläne fortgesetzt werden, wird sich erst nach weiterer Beobachtung der Situation zeigen.

Schalke 04 in der Ukraine-Krise: Gazprom weg von den Trikots

Die deutsche Fußballmannschaft Schalke 04 erklärte als Reaktion auf die Invasion, man werde in den kommenden Spielen das Gazprom-Logo von den Trikots der Sportler nehmen. Gazprom ist ein russischer Energiekonzern, der besonders mit Gas handelt. Dieser Schritt sei, so das Statement der Mannschaft, „in Absprache mit Gazprom Germania“ getätigt worden. Gazprom ist Hauptsponsor der Mannschaft und Fans forderten ihren Verein auf Twitter zu diesem Schritt auf.

Im Online-Shop der Mannschaft sucht man Gazprom-Trikots aktuell vergeblich. Eine Sonderversion, auf der nur „Schalke 04“ steht, wurde bereits angekündigt. Auf der Webseite von Schalke 04 bleibt das Gazprom-Logo allerdings noch prominent vertreten. Denn auch wenn Fans das fordern, hat Schalke die Zusammenarbeit mit dem russischen Unternehmen nicht gekündigt. Das liegt daran, dass Schalke und Gazprom seit 15 Jahren zusammenarbeiten - und der Verein eine finanzielle Abhängigkeit entwickelt hat. Der aktuelle Vertrag läuft bis 2025. Schalke geht es aktuell finanziell nicht besonders gut, weshalb weitere Schritte mit Spannung erwartet werden.

Edeka: Jedes Zeichen der Solidarität in der Ukraine-Krise ist gut

Es ist nicht einmal die Dachmarke Edeka, sondern der privat geführte Supermarkt Edeka Wollny, der ein kleines, aber viel diskutiertes Zeichen der Solidarität in die Ukraine sendet. Auf dem Twitter-Account des „Eventsupermarkts“ ist in einem Tweet die ukrainische Flagge zu sehen. „Freiheit ist ein Lebensmittel“ heißt es schlicht dazu. „Wir denken an die Menschen in der #Ukraine“, schreiben die Supermarktbetreiber dazu. Es ist ein kleines Statement, das in den Kommentaren zu großen Diskussionen führt. Einige werfen Edeka vor, die Krise zu Werbezwecken zu missbrauchen, andere loben die menschlichen Werte.

Hier seht ihr den Post von Edeka Wollny. So reagieren die Kritiker:innen der Aktion darauf:

Und so denken die Befürworter:innen:

Der Supermarkt selbst schreibt in einem weiteren Statement auf Twitter, dass man nicht für die ganze Edeka-Gruppe spreche. „In unserem Firmenverbund arbeiten tausende von Menschen für euch, die direkt von diesem Konflikt betroffen sind. Menschen aus Russland. Menschen aus der Ukraine“, heißt es da.

Freund:innen und Familienmitglieder der Mitarbeiter:innen seien nun in Gefahr. „Wer daraus ableitet, wir würden einen billigen Weg suchen, um Werbung zu machen, der möge in den Spiegel schauen und seinen eigenen Kompass justieren. Heute sind wir nicht Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl. Heute sind wir einfach nur Menschen“, schreiben die Marktbetreiber:innen.

Telekom: Gratis Anrufe und SMS während der Ukraine-Krise

Eine weitere Ankündigung kam via LinkedIn vom Vorstandsvorsitzenden der Telekom, Tim Höttges. Der wurde am 24. Februar scharf kritisiert, da er trotz der Invasion seine Unternehmenszahlen vorstellte. Nebst einer Entschuldigung gab er bekannt, dass Telekom- und congstar-Kund:innen bis auf weiteres gratis in die Ukraine telefonieren oder SMS senden können.

Ein Screenshot von LinkedIn zeigt Tim Höttges‘ Ankündigung, gratis Anrufe und SMS in die Ukraine bereitzustellen
Der Vorstandsvorsitzende der Telekom, Tim Höttges, verkündet gratis Anrufe und SMS in die Ukraine. © Screenshot/LinkedIn

Dieser Schritt dürfte besonders eine Erleichterung für die sein, deren Freund:innen oder Familien in der Ukraine festsitzen. Zwar gibt es Berichte über zusammengebrochene Funknetze im Land, aber vielleicht macht diese Aktion zumindest den Kontakt einiger Menschen einfacher.

Europapark zieht Konsequenzen - „Nord Stream 2“ verschwindet

Seit 2009 arbeitet der Europapark mit Gazprom und später mit dem Tochterunternehmen Nord Stream 2 zusammen. Gazprom sponserte die beliebte Europapark-Achterbahn „Blue Fire“*, in deren Eingangsbereich für Nord Stream 2 geworben wird. Die Zusammenarbeit mit diesem großen Sponsoren wird ausgesetzt. Die Attraktionen „Blue Fire Megacoaster powered by Nord Stream 2“ und der „Nord Stream 2 Dome“ sind auf der Webseite bereits umbenannt und weisen nun keinerlei Verbindung mehr zu dem russischen Unternehmen auf.

Das Logo der Achterbahn wurde bereits abgeändert und bis der Park gegen Ende März für die neue Saison öffnet, ist auch sicherlich noch genug Zeit, um alle Verweise auf Gazprom aus den Attraktionen verschwinden zu lassen. Mit Gästen aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich ist der Europapark der zweitgrößte Freizeitpark Europas nach dem Disneyland Paris und lockt bis zu 60.000 Gästen pro Tag an. Daher hat die schnelle Reaktion Gazprom gegenüber durchaus Symbolcharakter.

Farbe bekennen in der Ukraine-Krise: Viele Unternehmen verpassen sich einen neuen Anstrich

Aber nicht nur Unternehmen, die mit russischen Betrieben zusammenarbeiten, wollen ihre Solidarität bekunden. Nachdem bereits das Brandenburger Tor am Abend vor der Invasion in den ukrainischen Nationalfarben erstrahlt war, ziehen viele Firmen an ihren Häusern nach. Auf reddit sammeln die User:innen die Solidaritätsbekundungen. Hier sieht man zum Beispiel die Sparkasse in Braunschweig.

Eindrucksvoll ist auch der Anblick des Heizkraftwerkes in Erlangen.

Und das sind nur einige der Unternehmen und Organisationen, die sich gegen Russland ausgesprochen oder sogar Maßnahmen in die Wege geleitet haben, um in Zukunft nicht mehr mit russischen Unternehmen zusammenarbeiten zu müssen. Die Situation in der Ukraine ist und bleibt kritisch und muss in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten genau beobachtet werden. Aber aktuell machen die Menschen, was sie können, um ihre Solidarität zur Ukraine zu bezeugen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.Media.

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