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„Vladimir Motherfu**er Putin!“: 11 eindrucksvolle Statements von Künstler:innen gegen den Krieg

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Von: Jana Stäbener

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Collage mit Kunstwerken zum Ukraine-Konflikt. Putin, ukrainische und russische Flaggen und ein Paar, das sich küsst.
Viele Künstler:innen haben eine klare Haltung zu Putin und seinem Krieg gegen die Ukraine. © alisa.gots, putinarainbow, grande_flagello (von links)/Collage

Der Ukraine-Krieg nimmt kein Ende. Viele Künstler:innen verurteilen das massiv. Hier sind 11 bewegende Statements:

Seit dem Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 hat sich die Situation, gerade für ukrainische und russische Kunstschaffende, deutlich verschlechtert. Selbst für die, die Putin nahestehen, hat der Ukraine-Krieg Auswirkungen. Von Künstler:innen wie der Opernsängerin Anna Netrebko oder dem Münchner Philharmoniker Waleri Gergijew distanzieren sich aktuell viele Kultur-Institutionen.

Viele Künstler:innen haben sich jedoch ganz klar gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin positioniert. Besonders auf Social Media posten Künstler:innen aus aller Welt ihre Meinung zum Ukraine-Krieg. Dafür nutzen sie diverse Hashtags wie #MakeArtnotWar, #standwithukraine und #stopwar. Wir haben 11 eindrucksvolle Zeichen für euch zusammengefasst.

1. Ukraine-Krieg und Kunst: „Lasst uns Brücken bauen“

Ein 70-köpfiges Künstler:innen-Kollektiv aus Lünescheid hat aus der gesperrten Autobahnbrücke „Rahmede“* am 28. Februar 2022 kurzerhand ein „Monument des Zusammenhalts“ gemacht: Große, weiße Buchstaben formen die Worte „Lasst und Brücken bauen“ auf dem Asphalt der A45. Ursprünglich war die Idee der Künstler:innen, mit dem Schriftzug auch ein Zeichen gegen die Spaltung der Gesellschaft seit der Corona-Pandemie zu setzen und auf die räumliche Trennung der Anwohner hinzuweisen.

Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine war die Sache für das Kollektiv jedoch klar: Sie pinselten die Botschaft, die nun noch mehr Relevanz besitzt, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf die Straße. Dabei gingen sie ein großes Risiko ein, denn die Brücke ist massiv einsturzgefährdet – ein Grund, warum sie besser nur digital bestaunt werden sollte.

2. Erotische Kuss-Szene in ukrainischen Landesfarben

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber dieses Video-Kunstwerk von Maxim Dao aus Russland, erinnert mich an die Aufnahme des Fotografen Régis Bossu*, die von Dmitri Wladimirowitsch Wrubel 1990 an der East Side Gallery verewigt wurde. Mit einem Bruderkuss haben sich Erich Honecker und Leonid Iljitsch Breschnew damals bei der 30. Geburtstagsfeier der DDR in Ost-Berlin begrüßt.

Der Moment ist ein Klassiker: Er zeigt die innige Verbindung der sozialistischen Staaten während des Kalten Krieges und es wirkt fast surreal, dass sich zwei weiße, alte Männer einfach so auf den Mund küssen. Maxim Dao lässt sich von dieser Surrealität inspirieren und schafft eine Szene, in der es nicht zum Kuss kommt, sondern in der die sich küssenden Gesichter durch blutige Cuts getrennt werden.

3. Putin treibt selbstgefällig in einer großen Blutlache

Der Grafikdesigner Mike Winkelmann aus Charleston (USA) nennt sich auf Twitter „Beeple“ und postet regelmäßig zu allen Themen, die ihn interessieren. Er ist Mitbegründer des 3D graphics „everyday“ movement, bei dem Designer:innen und Künstler:innen jeden Tag ein Kunstwerk mit ihrer Community teilen. Am dritten März 2022 postete er ein Bild, bei dem es wohl jedem kalt den Rücken herunterläuft: Putins Gesicht, mit dem für ihn typischen, kaum sichtbaren Lächeln, treibt anteilnahmslos in einer Blutlache. Mike betitelt sein Kunstwerk mit dem Wort „DROWNING“, was so viel bedeutet wie „Ertrinken“. Irgendwie passend.

4. „All of us must stop Vladimir Motherfu**er Putin!“

In mehreren Instagram-Posts macht Alisa Gots auf die Situation in der Ukraine aufmerksam. Die ukrainische Künstlerin kommt aus Kiew und betrieb mit ihren Kolleg:innen noch vor ein paar Tagen die einzige unabhängige Lithografiewerkstatt in der Ukraine. Obwohl der Zugang zu ihrem Atelier seit Putins Angriff versperrt ist, arbeitet sie weiter und postet regelmäßig lithografische Skizzen von dunklem Rauch vor der ukrainischen Flagge, die die diffuse, unfassbare Situation vor Ort ganz gut umschreiben.

Alisa hat sich entschlossen, in Kiew zu bleiben. Viele Menschen fliehen aus der ukrainischen Hauptstadt, so auch ihre Mutter und ihre beiden Kinder, die in Polen Zuflucht gefunden haben. Ihrer unbändigen Wut macht sie in ihren Instagram-Captions Luft. Sie schreibt: „All of us must stop Vladimir Motherfu**er Putin!“, und „Go Home Terror Russia“, beides Aussagen, denen sich momentan wahrscheinlich einige anschließen würden.

5. Die Beziehung zwischen Russland und der Ukraine ist bittersüß

Eine Anspielung auf die russisch-ukrainische Geschichte macht Grande Flagello in einer Collage, die auf dem Kunstwerk „Die Liebenden II“ von Rene Magritte (1928) basiert. Genauso wie Magritte wirken die Tücher vor dem Gesicht der sich Küssenden wie ein ironischer Kommentar – in diesem Fall auf die Beziehung zwischen Russland und der Ukraine. Gleichzeitig sendet das Bild aber auch die klare Message „Art supports peace“ (Kunst ist auf der Seite des Friedens). Mit den Hashtags #nowar und #stopwarinukraine macht Flagello zusätzlich deutlich: Russland muss den Krieg gegen die Ukraine sofort beenden. Wie ihr mit der schwierigen Situation rund um den Ukraine-Konflikt umgehen könnt, erklärt euch eine Psychologin.

6. Ukraine-Konflikt: „Wir müssen irgendwie zusammenleben“

Uldus Bakhtiozina spricht an, was viele Russ:innen momentan fühlen. Sie schreibt in einem Instagram-Post: „Ich bin in Russland geboren. Mein Großvater war Tatare. Mein anderer Großvater war Ukrainer. Beide wuchsen in Russland auf, beschützten das Land, arbeiteten und starben hier. Ich bin tatarischer, russischer, ukrainischer, polnischer und jüdischer Abstammung. In meiner Familie saßen Moslems, Christen und Juden zusammen, stritten sich natürlich, aber betrachteten sich als EINS!“

Sie teilt ein Video, das Ausschnitte ihres Films „Circus 17“ zeigt, ein Videokunstwerk über die Russische Revolution 1917. Zu dieser Zeit emanzipierten sich sowohl die Ukraine als auch die Russen vom Zarenreich. Der kurze Zusammenschnitt löst ein befremdliches Gefühl der Einheit aus, besonders aufgrund der Revolutions-Hymne „Marsellaise“, die im Hintergrund trällert. Er gibt genauso Hoffung wie die Heldengeschichten, die überall in der Ukraine derzeit auftauchen. „Sie sind das BLUT MEINES BLUTS, wir können alle für uns bleiben, aber trotzdem in der Nähe. Wir müssen irgendwie zusammenleben“, beendet Uldus ihren Text im Post.

7. Eine Friedenstaube im Frankfurter Bahnhofsviertel gegen den Ukraine-Krieg

Ukraine-Konflikt - Friedenstaube vor der Bankenskyline
Seit dem 28. Februar 2022 setzt diese Friedenstaube von Graffiti-Künstler Justus Becker an einer Hausfassade in Frankfurt ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine. © Boris Roessler/dpa

Justus Becker, ein begeisterter Sprayer aus Frankfurt, hat keine Scheu davor, Position zu beziehen. „Ein bisschen Haltung sollte schon sein in so einer Zeit“, findet er. Das 13 mal 13 Meter große Graffito ist auf der Fassade eines Mehrfamilienhauses in Frankfurt zu sehen. Fast anmutig schwingt die Friedenstaube ihre Flügel und macht sich auf den Weg – im Schnabel einen blau-gelben Ölzweig, der für die ukrainische Flagge steht. Auf seinem Twitteraccount teilte der Künstler bereits vor dem Sprayen ein Bild seines Vorhabens und benutzte den Hashtag #StandWithUkraine, der eine klare Botschaft sendet. Eine ähnliche Aktion gab es im Raum München: Dort hat ein Künstler:innen-Kollektiv nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine auch ein Graffiti* begonnen.

8. Krieg in der Ukraine: „Not in my Name!“

Die Fotografin Nikita Teryoshin geht noch mal einen Schritt weiter: Sie postete vor rund einer Woche eine Fotografie, die es in sich hat. Zu sehen ist ein russischer Reisepass, der Feuer gefangen hat und am oberen Ende zu schmelzen beginnt. Eine Hand hält diesen vor strahlend blauem Himmel in die Luft und demonstriert genau das, was Nikita unter ihrem Post schreibt: „NOT IN MY NAME!!“ Sie sei beschämt, wütend und sprachlos, sagt Nikita. Putin nennt sie einen Diktator und einen Kriminellen und spricht Ukrainer:innen wie Valeria, die sich gerade auf der Flucht aus Kiew befindet, ihre tiefe Solidarität aus.

9. Alle gegen Putin: Die Twitter-Community gräbt alten Pop-Art-Klassiker aus

Wir alle wissen, wie Putin zu Homosexualität steht. Im Jahr 2013 verbot er „homosexuelle Werbung“, also auch die Regenbogenflagge, mit der Begründung, diese würde die kindliche Entwicklung negativ beeinflussen. Sowohl die Vereinten Nationen als auch Human Rights Watch und Amnesty International verurteilten das Gesetz damals scharf. Viele Mitglieder der LGBTQIA+-Community zogen damals in die Ukraine und sind seit dem Angriff Russlands akut gefährdet.

Als Gegenreaktion gründete sich die Public Domain Putinarainbow, die User auf der ganzen Welt dazu aufrief, Parodien zu Putin und seinem verhassten Regenbogen zu kreieren. Da das Putin-Portait im Warhol-Style damals auch im Kreml für großes Aufsehen sorgte, setzen sich Twitter- und Reddit-User momentan dafür ein, dass das Bild erneut viral geht und wollen Putin damit eins auswischen.

10. Sehnlichster Wunsch: Frieden zwischen Russland und der Ukraine

Pure Ruhe strahlt diese Fotografie von Waldemar Walczak aus. Ein Vogel, der an eine Taube erinnert, sitzt auf einer Laterne. Auf der einen Seite blauer Himmel, auf der anderen die gelbe Hauswand, auf der sich der Schatten des Vogels abzeichnet. Trügerischer Frieden, wenn man an die aktuelle Situation in der Ukraine denkt. Der Fotograf betitelt das Bild ganz simpel mit „Peace.“

Diverse Hashtags wie #solidarity, #stopaggression und #neveragain zeigen, dass er die russische Invasion verurteilt und sich nichts mehr wünscht, als dass in der Ukraine so bald wie möglich wieder diese Art von Frieden herrscht, die er auf seinem Schnappschuss eingefangen hat. Ein Wunsch, den Historiker Andreas Wirsching eher kritisch sieht, denn er sieht den Ukraine-Krieg als Umbruch in der Weltgeschichte.

11. „Der Angriff auf die Ukraine ist ein Angriff auf die Menschheit!“

Marina Abramović, die in Jugoslawien geboren wurde und deswegen gut die Zerrissenheit zwischen Ost und West versteht, zieht zwischen der Invasion Russlands und den Handlungen der Nationalsozialisten vor 80 Jahren klare Parallelen. In zwei Videostatements auf ihrem Instagram-Kanal sagt sie: „Die Kriege sind andere. Aber das Ergebnis ist das gleiche.“

Sie fordert, dass die Welt dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Hilfe kommt, der sich mutig gegen eine Evakuierung seiner Person entschieden hatte. „Das ist unser aller Kampf“, beendet die serbische Performance-Künstlerin ihr Videostatement. „Der Angriff auf die Ukraine ist ein Angriff auf die Menschheit!“ (JS) *fr.de, merkur.de und 24RHEIN.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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