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Berichte über Ukraine-Krieg: Westliche Medien machen viele Fehler

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Von: Emily Erhold

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Wladimir Putin
Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine ist nicht der erste Krieg auf europäischen Boden sei dem Ende des zweiten Weltkrieges. © Mikhail Klimentyev/SNA/Imago

Der Ukraine-Krieg bringt erneut Krieg nach Europa. Das stimmt. Doch der Krieg wütet nicht erst seit dem 24. Februar. 

Am 24. Februar 2022 hat sich der seit 2014 herrschende Krieg in der Ostukraine auf das ganze Land ausgeweitet. Die russische Armee startete einen flächendeckenden Angriff auf die gesamte Ukraine. Der Schock sitzt tief. Die Berichterstattung über den nun ausgearteten russisch-ukrainischen Krieg ist ausführlich, aber nicht fehlerfrei. Folgende Tatsachen sollte man beim Medienkonsum beachten:

In der Ukraine herrscht seit 2014 Krieg

Westliche Medien nennen den 24. Februar 2022 gerne als Beginn des Ukraine-Krieges. Tatsächlich herrscht schon seit 2014 Krieg. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat einen langen historischen Hintergrund. Schon seit Jahrhunderten ist die Beziehung der beiden Ländern von Machtdemonstrationen, Konflikten und Kriegen geprägt. Immerhin geht das gemeinsame Erbe der beiden Staaten auf die Kiewer Rus zurück, die als Vorläuferstaat von Russland, Ukraine und Belarus gilt. Von 1922 bis 1992 war die Ukraine Teil der Sowjetunion (UdSSR).

Seit ihrer Auflösung sind die ehemaligen Sowjetrepubliken eigene Staaten. Seither sind etwa Estland, Litauen und Lettland Mitglied der EU und dem Militärbündnis NATO geworden. Die Ukraine hingegen nicht. Der NATO beitreten möchte die Ukraine schon länger. Bisher ist sie nur Partner-Staat. Auch der Wunsch nach einem EU-Beitritt besteht zumindest in der ukrainischen Bevölkerung schon lange. Ende 2013 protestierten hunderttausende Menschen auf Kyivs zentralen Platz, dem Maidan. Sie forderten einen EU-Beitritt der Ukraine. Bei den als Euromaidan bezeichneten Demonstrationen ging die Polizei teils brutal gegen die Demonstrant:innen vor. Die Bevölkerung wandte sich vor allem gegen den damaligen Präsidenten Wiktor Janukowytsch, der zwar oft den „europäischen Weg“ der Ukraine bekräftigt hatte, sich aber immer mehr Russland zuwandte.

Am 22. Februar 2014 erklärte ihn das ukrainische Parlament im Zuge der Unruhen und seiner Flucht ins Ausland für abgesetzt. Am 18. März annektierte Russland nach einem bewaffneten Konflikt schließlich die zur Ost-Ukraine gehörende Halbinsel Krim im Schwarzen Meer. Dadurch hat Russland völkerrechtliche Verträge gebrochen. Um die Städte Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine wurden 2014 zwei international nicht anerkannte „Republiken“ ausgerufen. Seit fast acht Jahren kämpfen ukrainische Soldat:innen in der Ost-Ukraine gegen sogenannte „pro-russische Separatisten“. Am 21. Februar 2022 hat Russland die beiden „Republiken“ um Donezk und Luhansk anerkannt. Am 24. Februar kam es zum Großangriff. Der Krieg weitete sich auch auf den Westen des Landes aus.

Der Begriff „Konflikt“ ist falsch

Oft wird noch immer vom „Ukraine-Konflikt“ gesprochen. Die bewaffneten Kämpfe seit 2014 beweisen aber, dass es sich hierbei schon lange nicht mehr um einen Konflikt handelt. Der von Russland geführte Krieg dauert bereits seit acht Jahren an und ist nun weiter eskaliert.

Wir sollten nicht die anderen Kriege und Konflikte in Europa, die es seit 1945 gegeben hat, vergessen

Noch vor der aktuellen Invasion Russlands in die Ukraine, schrieb die NZZ, dass „der erste Angriffskrieg in Europa seit 1939“ drohe. Auch die Süddeutsche Zeitung verwendete den Begriff „erster Angriffskrieg“ in einem Artikel am 26. Februar. Vergessen scheinen hier die Jugoslawienkriege. Anfang der 90er-Jahre führten Auseinandersetzungen zur Auflösung Jugoslawiens und zum Ausbruch von Kriegen in nahezu allen Regionen des Landes. Zu den sogenannten Jugoslawienkriegen zählten der Krieg in Slowenien im Jahr 1991, der Kroatienkrieg von 1991 bis 1995, der Bosnienkrieg von 1992 und 1995 und später der Kosovokrieg in den Jahren 1998 und 1999 und der Albanische Aufstand in Mazedonien 2001. Als Serbien Bosnien 1992 angriff, war Bosnien bereits ein international anerkanntes unabhängiges Land. Die Jugoslawienkriege der 90er sollten übrigens nicht als Balkankriege bezeichnet werden. Diese zwei Kriege wurden im Vorfeld des Ersten Weltkrieges geführt.

Ohnehin gibt es seit Ende des Zweiten Weltkrieges immer wieder Kriege und Konflikte auf europäischen Boden. Der bestehende Zypernkonflikt zwischen der griechisch-zyprischen Mehrheit und der türkisch-zyprischen Minderheit führte 1974 dazu, dass türkische Streitkräfte den Norden der Insel besetzten. Die 1983 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern ist international nicht anerkannt.

Wir sollten nicht vergessen, was 2008 in Georgien passiert ist

Im Zuge der Berichterstattung über den Ukraine-Krieg ist es auch wichtig zu erwähnen, dass Putin bereits 2008 in Georgien einen Krieg geführt hat. Der fünf Tage dauernde Kaukasuskrieg war die Eskalation des lange schwelenden Konflikts zwischen Russland und Georgien um die georgische Provinz Südossetien. Georgische Truppen waren in Zchinwali - der Hauptstadt Südossetiens - einmarschiert. Die Regierung wollte damit die Kontrolle über die Provinz zurückzugewinnen, die seit der Unabhängigkeit Georgiens 1991 nach Eigenstaatlichkeit gestrebt hatte. Russland antwortete mit einer Militäroffensive.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat bereits viele Kriege geführt, seitdem er an der Macht ist. Seit 2015 greift Russland besonders mit Luftschlägen in den Bürgerkrieg in Syrien ein. Der erste Krieg unter der Führung Putins begann bereits 1999, und zwar kurz vor seiner ersten Amtszeit als Präsident. Dabei handelte es sich um den zweiten sogenannten Tschetschenienkrieg. Tschetschenien ist eine autonome Region in Russland. Von 1994 bis 1996 herrschte Krieg gegen russische Truppen, weil eine tschetschenische Nationalbewegung nach dem Zerfall der Sowjetunion völkerrechtswidrig die Unabhängigkeit der „Tschetschenischen Republik“ erklärt hatte. In diesem ersten Tschetschenien-Krieg kann die Region ihre Unabhängigkeit behaupten. 1999 begann dann der zweite Krieg mit dem Einmarsch russischer Truppen. Er dauerte 10 Jahre an.

Wieso sich Ukrainer:innen wünschen, dass wir Kyiv statt Kiew schreiben, lest ihr hier.

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