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Google Maps entfernt Markierungen auf Ukraine-Karten: Menschen fürchten, Russland plane damit Luftangriffe

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Ein Gebäude in der Ukraine ist nach den russischen Raketenangriffen beschädigt.
Ein Gebäude in der Ukraine ist nach den russischen Raketenangriffen beschädigt. © Google Maps Screenshot/dpa/Collage.

Nutzer:innen von Social-Media-Accounts in der Ukraine fürchten, dass neu aufgetauchte Markierungen bei Google Maps Russland als Orientierung für Luftangriffe dienen.

Als Reaktion auf Hinweise, dass Karten womöglich zur Koordinierung russischer Militäraktivitäten in der Ukraine genutzt werden, hat Google damit begonnen, von Nutzer:innen erstellte Orte innerhalb Russlands, der Ukraine und Weißrusslands zu entfernen. Das Unternehmen entferne neue Inhalte wie Fotos und Geschäftsinformationen „aus reiner Vorsicht“, so ein Google-Sprecher gegenüber BuzzFeed News US.

In den sozialen Medien wurde Google Maps vorgeworfen, Inhalte und Markierungen zuzulassen, die womöglich für Luftangriffe auf Städte wie Kiew und Charkiw als Orientierung dienen.

Makierungen stimmen angeblich mit Orten überein, die im Ukraine-Krieg angegriffen wurden

„Die Markierung in Google Maps wurden am 28. Februar erstellt, und die Leute haben bemerkt, dass die Markierungen mit den Orten übereinstimmen, die heute von den Raketenangriffen betroffen sind“, schreibt Oleksandr Balatskyi in einer Twitter-Direktnachricht an BuzzFeed News US. Die Leute behaupten, dass die Markierungen oder von Nutzer:innen generierten Pins seit gestern auftauchten, mit Titeln wie „ФЕРМЕРСЬКЕ ГОСПОДАРСТВО“, ukrainisch für „Bauernhof“ und „СІЛЬСКЕ ГОСПОДАРСТВО“ ukrainisch für „Landwirtschaft“.

BuzzFeed News US konnte weder die Existenz der einzelnen Pins noch die Behauptung verifizieren, das russische Militär habe sie zu Google Maps hinzugefügt. Dutzende Twitter-Nutzer:innen teilten dieselben Screenshots, die Pins mit der Aufschrift „ФЕРМЕРСЬКЕ ГОСПОДАРСТВО“ (dt.: Bauernhof) in Kiew zeigen, obwohl unklar ist, wann sie erstellt wurden und von wem.

Google entfernt Markierungen aus „reiner Vorsicht“

Nach einer Untersuchung der Vorwürfe erklärt Google, dass einige der Bearbeitungen, die sich auf Bauernhöfe beziehen, vor mehr als einem Jahr vorgenommen wurden. Dennoch erklärt das Unternehmen, dass es die seit dem 24. Februar vorgenommenen Bearbeitungen von Karten in der Region entferne und neue Bearbeitungen stoppen werde.

„Aus reiner Vorsicht entfernen wir Nutzer:innenbeiträge wie Fotos, Videos, Bewertungen und Geschäftsinformationen sowie alle von Nutzer:innen eingereichten Orte aus Google Maps in der Ukraine, Russland und Weißrussland seit Beginn der Invasion und blockieren vorübergehend neue Bearbeitungen“, sagt ein Google-Sprecher.

Im Telegram-Kanal des ukrainischen Parlaments wurden Behauptungen geteilt, dass Google Maps-Markierungen zur Koordinierung von Anschlägen verwendet werden.
Im Telegram-Kanal des ukrainischen Parlaments wurden Behauptungen geteilt, dass Google Maps-Markierungen zur Koordinierung von Anschlägen verwendet werden. © Screenshot Telegram

Ukrainer:innen fordern Google auf, Markierungen bis zum Ende des Ukraine-Kriegs zu verhindern

Ukrainischsprachige Accounts auf Twitter und Telegram forderten die Menschen auf, verdächtige Ortskennzeichnungen an Google Maps zu melden. In einer am 1. März veröffentlichten Google-Maps-Hilfeanfrage wurde das Unternehmen aufgefordert, „die Erstellung von Markierungen auf dem Hoheitsgebiete der Ukraine bis zum Ende des Krieges mit Russland zu verhindern“. Die Anfrage wurde später auf dem Telegram-Kanal des ukrainischen Parlaments geteilt.

In den Tagen nach dem Einmarsch deaktivierte Google nach Rücksprache mit den örtlichen Behörden bestimmte Funktionen seiner Maps-App, darunter Live-Verkehrsinformationen und Daten über die Auslastung von Orten, um die Ukrainer:innen zu schützen.

Am 25. Februar twitterte der ukrainische Nachrichtendienst, dass die Kiewer Stadtverwaltung die Bürger gewarnt habe, „nach Markierungen auf den Dächern ihrer Gebäude zu suchen und diese zu verdecken“. Sie könnten als Wegweiser für russische Bomber gedient haben. Offenbar glauben einige Ukrainer:innen, dass digitale Markierungen auch gegen sie gerichtet sein könnten.

Unternehmen stehen im Ukraine-Krieg unter Druck

Seit Russland vergangener Woche seine tödliche Invasion startete, stehen die Unternehmen des Silicon Valley unter Druck, ihre Dienste vor Missbrauch zu schützen. Am Wochenende teilten Facebook und Twitter mit, dass sie zwei Desinformationskampagnen abgeschaltet haben, die gegen die Ukraine gerichtet waren. Eine der Kampagnen hatte künstliche Intelligenz eingesetzt, um falsche Personen zu erstellen. Die Personen gaben sich als Blogger:innen aus, um die falschen Informationen zu verbreiten.

Am 28. Februar teilte Youtube, das zu Google gehört, mit, dass es eine Reihe von Kanälen entfernt habe, die mit einer der Kampagnen in Verbindung stehen. Am Dienstag (01.03.2022) gab Apple bekannt, dass das Unternehmen alle Produktverkäufe gestoppt und die Nutzung von Apple Pay in Russland eingeschränkt habe. Auch die Funktionen für Verkehrsmeldungen und Live-Ereignisse in Apple Maps in der Ukraine habe Apple deaktiviert. YouTube, Facebook und TikTok verbieten die vom russischen Staat unterstützten Medien RT und Sputnik auf ihren Plattformen in Europa. Apple hat sie außerhalb Russlands aus dem App Store entfernt.

*Autor:innen dieses Textes sind Sarah Emerson und Richard Nieva. Er wurde aus dem Englischen von Pia Seitler übersetzt.

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