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Ukraine-Krieg drängt Frauen in alte Geschlechterrollen? Historikerin widerspricht - „sie sind sehr emanzipiert“

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Von: Pia Seitler

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Ein Mann verabschiedet auf dem Bahnhof von Lwiw seine Familie.
Ein Mann verabschiedet auf dem Bahnhof von Lwiw seine Familie. © IMAGO/ZUMA Wire/Mykola Tys

Männer kämpfen für ihr Land im Ukraine-Krieg. Mütter kümmern sich um die Kinder und fliehen. Verstärkt der Krieg alte Geschlechterrollen?

Seit mehr als 20 Tagen herrscht Krieg in der Ukraine. Immer neue Schreckensmeldungen über die Situation vor Ort verbreiten sich in der Welt. Darunter auch viele Bilder von Frauen, die sich um die Familie kümmern. Von Müttern, die mit ihren Kindern aus dem Land fliehen und von herzergreifenden Abschiedsszenen am Bahnhof in Kiew. Volljährige Männer unter 60 Jahren dürfen die Ukraine derzeit nicht mehr verlassen. Sie sollen das Land gegen den Aggressor verteidigen. Auch Frauen bleiben zurück. Von ihnen sehen wir indes Bilder in den Medien, wie sie Essen für Bedürftige in einem Kantinenbetrieb zubereiten (ZDF).

Im Krieg scheint die Rollenverteilung klar und es entsteht der Eindruck, der Krieg fördere alte Geschlechterrollen. Doch Historikerin Claudia Kraft erklärt im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass „das nur auf den ersten Blick ein ‚traditionelles Frauenbild‘“ sei. Es sei unglaublich mutig und selbstständig sich auf die Flucht zu begeben, Verantwortung für Kinder und alte Menschen zu übernehmen, so Kraft.

Eine Frau trägt ein Kind, nachdem sie aus der Ukraine geflohen ist, in der Nähe des Grenzübergangs in Medyka.
Eine Frau trägt ein Kind, nachdem sie aus der Ukraine geflohen ist, in der Nähe des Grenzübergangs in Medyka. © dpa/Markus Schreiber

Frauen haben im Ukraine-Krieg „viel zu verlieren“

Die Ukrainerinnen seien oft sehr emanzipiert, so die Historikerin im Interview mit der SZ und haben im Ukraine-Krieg viel zu verlieren. Das hänge mit der Berufstätigkeit der Frauen in der Sowjetunion zusammen und der Tatsache, dass sich Frauen nach dem Ende der Sowjetunion nicht mit einem Leben als Hausfrau durchschlagen konnten, „sie mussten sehen, wie sie über die Runden kommen“.

Die Verknüpfung von Ukrainerinnen mit Heiratsmarkt und Leihmutterschaft sei „nicht das Problem einer angeblich rückständigen Ukraine, sondern das Problem Westeuropas“ und vielmehr unserer problematischen Haltung gegenüber Ländern in Osteuropa.

Auch Frauen kämpfen im Ukraine-Krieg – das bricht Opferrolle zum Teil auf

Frauen werden im Krieg oft zum Opfer gemacht, man müsse sie schützen. Im Ukraine-Krieg greifen jedoch einige selbst zu den Waffen und verteidigen ihr Land. Leandra Bias von Swisspeace sagt im Interview mit dem WDR, das breche zum Teil das Opferbild auf. Aber die klassische Rollenverteilung zeige sich natürlich trotzdem im Krieg. „Die Frauen in der ukrainischen Armee sind ein bisschen mehr als 15 Prozent“, so Bias. Allerdings dürfe man auch nicht vergessen, dass viele Männer sich nicht freiwillig in die Rolle des Kämpfers begeben.

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