1. BuzzFeed
  2. News

US-Reporter wird in der Ukraine bei russischem Angriff erschossen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ukrainische Soldaten gehen auf einer zerstörten Brücke in Irpin, am Stadtrand von Kiew.
Ukrainische Soldaten gehen auf einer zerstörten Brücke in Irpin, am Stadtrand von Kiew. © Felipe Dana/dpa

Ein US-amerikanischer Reporter, der aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine berichtete, wurde von russischen Soldaten erschossen.

Brent Renaud, ein preisgekrönter amerikanischer Videojournalist, der über den Krieg Russlands gegen die Ukraine berichtet hatte, wurde am Sonntag in der Nähe von Kiew erschossen, wie die örtliche Polizei und Zeugen berichten. Der 50-jährige Renaud und ein weiterer Reporter gerieten in Irpin, einem Vorort nördlich der Hauptstadt Kiew, unter Beschuss, wie der Kiewer Regionalpolizeichef Andriy Nebytov mitteilt. Der Polizeichef teilte auch auf Facebook Fotos von Renauds Reisepass und einem Presseausweis der New York Times mit dessen Foto sowie einen Bildausschnitt, der angeblich seine blutverschmierte Leiche zeigt.

„Natürlich ist der Beruf des Journalisten ein Risiko, aber der US-Reporter Brent Renaud bezahlte mit seinem Leben, weil er versuchte, den Einfallsreichtum, die Grausamkeit und die Rücksichtslosigkeit des Aggressors aufzuzeigen“, schreibt Nebytov. Renaud war in der Ukraine, um mit der Filmfirma Time Studios an einem Projekt über die globale Geflüchtetenkrise zu arbeiten, sagten Time-Chefredakteur Edward Felsenthal und Time-Präsident Ian Orefice in einer gemeinsamen Erklärung. „Unsere Herzen sind bei allen Angehörigen von Brent. Es ist wichtig, dass Journalisten sicher über die laufende Invasion und die humanitäre Krise in der Ukraine zu berichten können.“

US-Reporter Renaud arbeitete zuvor für die New York Times

Renaud hatte zuvor für die New York Times gearbeitet. Ein Sprecher erklärt, er habe einen Ausweis der Zeitung bei sich getragen, der ihm bereits vor einigen Jahren für einen Auftrag ausgestellt worden war. „Der Tod von Brent ist ein schrecklicher Verlust“, schreibt der stellvertretende Chefredakteur der Times, Cliff Levy, auf Twitter. „Mutige Journalisten wie Brent gehen enorme Risiken ein, um zu berichten und die Welt über die Verwüstung und das Leid zu informieren, die durch Russlands Einmarsch in der Ukraine verursacht wurden.“

Brent Renaud (rechts) mit seinem Bruder Craig im Jahr 2015.
Brent Renaud (rechts) mit seinem Bruder Craig bei der 74. jährlichen Peabody-Preisverleihung in New York City im Jahr 2015. © Daniel Zuchnik / WireImage

Juan Arredondo, ein weiterer us-amerikanischer Fotojournalist, der bei dem Angriff verletzt wurde, sagt in einem Videointerview von seinem Krankenhausbett aus gegenüber der italienischen Reporterin Annalisa Camilli, beide hätten Geflüchtete gefilmt, als das Auto, in dem sie fuhren, beim Passieren eines Kontrollpunkts beschossen wurde. „Mein Freund ist Brent Renaud, er wurde angeschossen und zurückgelassen“, sagt Arredondo. „Ich habe gesehen, dass er in den Hals geschossen wurde.“

Jane Ferguson, eine Reporterin von PBS Newshour, die in der Ukraine arbeitet, sagt, sie habe Renauds Körper unter einer Decke am Straßenrand gesehen. Es sei zu spät gewesen, die Sanitäter hätten ihm nicht mehr helfen können.

Der nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan, sagte in der Sendung „Face the Nation“ von CBS News, Renauds Tod sei „schockierend und entsetzlich“. „Wir werden uns mit den Ukrainern beraten, um herauszufinden, wie es dazu gekommen ist, und um dann entsprechende Konsequenzen zu ziehen“, so Sullivan. Der Tod von Renaud wurde auch vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron hervorgehoben, der ihm auf Twitter Tribut zollte:

Nach den Genfer Konventionen werden Journalisten, die in Kriegsgebieten arbeiten, als Zivilisten betrachtet. Das heißt, dass gezielte Angriffe auf sie Kriegsverbrechen sind. Anfang März geriet ein Journalistenteam des britischen Nachrichtensenders Sky News in einen mutmaßlichen russischen Hinterhalt, obwohl sie sich wiederholt zu erkennen gaben. Der Korrespondent Stuart Ramsay wurde angeschossen und verwundet, das Team wurde anschließend evakuiert.

Carlos Martinez de la Serna, Programmdirektor des Komitees zum Schutz von Journalisten, verurteilte am Sonntag die Ermordung Renauds und forderte, die Täter vor Gericht zu stellen. „Wir sind schockiert und traurig über den Tod des US-amerikanischen Journalisten Brent Renaud in der Ukraine. Diese Art von Angriff ist völlig inakzeptabel und stellt eine Verletzung des Völkerrechts dar“, sagte Martinez de la Serna in einer Erklärung. „Die russischen Streitkräfte in der Ukraine müssen sofort jegliche Gewalt gegen Journalisten und andere Zivilisten einstellen. Wer auch immer Renaud getötet hat, muss zur Rechenschaft gezogen werden.“

Renaud und dessen Bruder wurden mehrfach ausgezeichnet

Im Jahr 2015 gewannen Renaud und sein Bruder Craig einen Peabody Award für ihre Vice-News-Dokumentation Last Chance High, die für ihren „kompromisslosen Blick auf die Gewalt an Schulen und ihre mitfühlende Darstellung“ von Schülern mit schweren emotionalen Störungen gelobt wurde.

Renaud, der aus Little Rock, Arkansas, stammt, wurde außerdem 2019 von der Harvard University zum „Nieman Fellow“ ernannt. Ann Marie Lipinski, Kuratorin der Nieman Foundation for Journalism, sagte, die Nieman-Gemeinschaft habe mit großer Betroffenheit von seinem Tod erfahren. „Unser Nieman-Fellow Brent Renaud war begabt und freundlich, und seine Arbeit war von Menschlichkeit durchdrungen“, schrieb sie auf Twitter.

Die Arbeit der Brüder Renaud führte die beiden oft an gefährliche Orte: Sie berichteten über die Kriege in Afghanistan und im Irak, über Kartellgewalt in Mexiko und Extremismus in Nordafrika. Der vergangene Sonntag war ein weiterer blutiger Tag in Russlands tödlichem Krieg, als die Streitkräfte auf die belagerte südliche Stadt Mariupol vorrückten und sie mit einer Reihe von Bombenangriffen attackierten. Zu Beginn dieser Woche wurde zudem eine Entbindungsstation in der Stadt durch einen russischen Angriff zerstört.

Warnungen nach der tödlichen Attacke auf den Journalisten

Bei einem der bisher tödlichsten Angriffe in diesem Krieg wurden bei einem Luftangriff auf einen militärischen Ausbildungsstützpunkt in Jaworiw in der Westukraine nach offiziellen Angaben 35 Menschen getötet und Dutzende weitere verwundet. Der Stützpunkt lag etwa 16 Kilometer von der Grenze zum Nato-Staat Polen entfernt. Sullivan warnte, dass jeder Angriff - auch ein versehentlicher - auf das Territorium eines NATO-Mitglieds mit Gewalt von den Mitgliedsstaaten beantwortet werden würde.

„Der Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, dass die Vereinigten Staaten mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten werden, um jeden Zentimeter des Nato-Territoriums zu verteidigen, und das bedeutet jeden Zentimeter“, sagte er gegenüber CBS.

Autor dieses Textes ist David Mack. Er wurde aus dem Englischen übersetzt.

Auch interessant

Kommentare