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Gänsehaut-Moment: Twitter feiert Rede zur Ukraine von UN-Botschafter - „so viel Liebe“

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Von: Robert Wagner

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Kenias UN-Botschafter Martin Kimani bei einer Rede 2021.
Kenias UN-Botschafter Martin Kimani hielt eine Rede, die Twitter begeistert. © Nicolas Remene/dpa

Der UN-Botschafter von Kenia hält eine leidenschaftliche Rede zur Ukraine-Krise. Twitter feiert ihn dafür.

Afrika ist ein Kontinent, der immer wieder außer Acht gelassen wird, wenn es um Ereignisse von geostrategischer Bedeutung geht. Auch im Konflikt um die Ukraine kommen Stimmen aus Afrika nur wenig zu Wort. Welche wichtigen Perspektiven der Weltgemeinschaft dadurch entgehen, hat der kenianische Botschafter Martin Kimani bei den Vereinten Nationen gezeigt. Auf der am Montag einberufenen Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates zur eskalierenden Krise um die Ukraine hielt er eine Rede, die an den russischen UN-Botschafter gerichtet war. Auf Twitter sorgt ein Ausschnitt davon seitdem für Aufsehen. „Wenn man sich eine Rede über die Ukraine anhören will, dann sollte es diese sein“, twitterte etwa ein niederländischer Journalist begeistert.

Der Tweet wurde über 40.000 Mal geteilt und über 100.000 Mal gelikt. Kimani wird für seine eindrücklichen Worten gefeiert, die, so der Tenor, die Problematik auf den Punkt bringen. Er verurteilte scharf die Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine durch Russland. Die Charta der Vereinten Nationen, eine Art Grundgesetz des Völkerrechts, werde einmal mehr durch den „unnachgiebigen Angriff der Mächtigen“ mit Füßen getreten. Der Diplomatie, die noch eine friedliche Lösung hätte herbeiführen können, sei eine Absage erteilt worden.

Twitter-User:innen feiern Rede von UN-Botschafter aus Kenia zur Ukraine-Krise: „So viel Liebe“

Was die Menschen an Martin Kimanis Rede besonders begeistert, ist der spezifisch afrikanische Blickwinkel auf diese internationale Krise. Gerade in Afrika sind die Grenzen der heutigen Staaten willkürlich von den Kolonialherren gezogen worden – ohne Rücksicht auf ethnische, sprachliche oder religiöse Gemeinsamkeiten. Wollte man die heutigen Grenzen verschieben, um frühere Verhältnisse wiederherzustellen, würde man jedoch bereits seit Jahrzehnten „blutige Kriege“ führen, so der UN-Botschafter. Der Versuchung, dieser Sehnsucht nachzugeben, hätten die afrikanischen Staaten daher bewusst eine Absage erteilt.

Kimani warnt seinen russischen Amtskollegen und die Welt eindringlich davor, mit einer „gefährlichen Nostalgie (...) rückwärts in die Geschichte zu blicken“, und der Sehnsucht nach Wiedervereinigung mit kriegerischen Mitteln nachzugeben. Genau diese Sehnsucht treibt laut Kimani den russischen Autokraten Wladimir Putin an. Er sehe in der Ukraine einen Teil Russlands, ohne Recht auf eigene Staatlichkeit, der mit dem russischen Mutterland wiedervereinigt oder bestenfalls zu einem Vasallenstaat gemacht werden muss. Putins Russland legt damit ein Politikverständnis früherer Jahrhunderte an den Tag, während Kimanis Kenia „im 21. Jahrhundert angekommen zu sein“ scheint, wie ein Twitter-Nutzer kommentiert.

Ukraine-Krise: Worte von kenianischen UN-Botschafter zu Russland aus postkolonialer Perspektive

Dass diese besonnene Mahnung aus Afrika kommt, finden viele Menschen bemerkenswert. Es zeigt aber auch, dass die postkolonialistische Perspektive unsere Debatten bereichern und unseren Horizont erweitern kann. Manch einer forderte auf Twitter sogar den Pulitzerpreis für Kimani.

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