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„Ich bin doch nur niedlich“ – deshalb kritisieren Schwarze TikTokerinnen den Vanilla Girl-Trend als rassistisch

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Von: Felicitas Breschendorf

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Vanilla Girl Aesthetic Videos auf TikTok
„You smell like vanilla“ ist der Soundtrack der Vanilla-Girl-Videos. © TikTok/ Screenshot/ @sincerely_zoya

Vanilla Girls lieben cémefarbene Outfits und einen hellen Teint. Schwarze Frauen auf TikTok sind wütend über den Trend. 

Wie soll ich mich als Frau verhalten? Wie soll ich aussehen, wie soll ich riechen? Auf TikTok kommen immer wieder Trends auf, die weismachen wollen, wie Frauen zu sein haben. Zum Beispiel der #thatgirl-Trend, bei dem Frauen einen perfekten Tagesablauf ausführen.

Seit Kurzem taucht auf TikTok die „Vanilla Girl Aesthetic“ auf: Junge – meistens blonde – Frauen tragen beige oder créme-farbene Kleider. Sie tragen Perlenohrringe und verwenden Vanille-Parfüms. Im Gegensatz zum #Luckygirlsyndrome, bei dem Frauen vorgegaukelt wird, wie sie an Glück kommen, scheint es nur um Oberflächlichkeiten zu gehen. Was kann daran falsch sein?

Das helle Makeup der Vanilla Girls

Nicht nur ihre Kleider – auch das Gesicht stylen sich die TikTokerinnen in der „Vanilla Girl Aesthetic“. Sie verwenden dabei bestimmte Kosmetikprodukte, um sich hellere Gesichtszüge zu geben. Das Make-up funktioniert ausschließlich für weiße Frauen. Schwarze Menschen sind davon ausgeschlossen.

Dem Problem, dass dunkle Hauttöne nicht mitgedacht werden, sind Schwarzen Menschen ohnehin schon ausgesetzt: Bei Buntstiften hat der „hautfarbene“ Stift in der Regel ein heller Ton. Um dagegen ein Zeichen zu setzen, produziert ein Unternehmen Buntstifte in diversen Hauttönen.

TikTokerin bezeichnet „Vanilla Girl Aesthetic“ als „rassistisch“

Ob Outfits, Hautton oder Haarfarbe: Die Vanilla Girls verkaufen ein vanilliges, also besonders helles Aussehen als Ideal. „Das ist rassistisch“, reagiert die TikTokerin Danielle Cheches auf den Trend. „Wtf, ihr wisst, dass ‚vanilla‘ ein anderes Wort für rein und langweilig ist, oder? Ich meine, es gibt klare rassistische Untertöne“, greift sie die Vanilla Girls direkt an.

Mehrere Schwarze TikTokerinnen zeigen sich wütend oder enttäuscht über die „Vanilla Girl Aesthetic“. „Ich bin müde und habe Angst. Lass mich bitte raus aus dieser Hölle“, sagt beispielsweise die TikTokerin @mcknuggett.

„Vanilla Girls Aesthetic“ idealisiert weißes, weibliches Aussehen

Die TikTokerin @kristen_destini erklärt, warum der Trend „rassistische Tendenzen“ habe. „Ursprünglich geht es darum, die White Femininity wieder herzustellen“, sagt sie in einem Video. Die Soziologin Kathy Deliovsky definiert „White Feminity“ als den „kapitalistisch-patriarchalischen Zwang, der weißen, weiblichen Ästhetik zu entsprechen“. Eigenschaften dieser Ästhetik sind laut @kristen_destini rein, begehrenswert und niedlich zu sein.

„[Die TikTokerinnen des „Vanilla Girl“-Trends] versuchen, diese Eigenschaften zurückzuerlangen“, kritisiert die TikTokerin. „Sie stellen ihre Schönheit zur Schau stellen und machen damit klar, was es heißt, eine Schwarze Frau zu sein“ – nämlich eine Person, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden kann.

Gleichzeitig unterstellt @kristen_destini den Vanilla Girls auch, dass ihnen struktureller Rassismus nicht bewusst sei. Nach dieser Ansicht ist Rassismus tief in unserer Gesellschaft und dem Verhalten von weißen Menschen verankert – wenn auch unbewusst. Die Vanilla Girls schützen sich laut @kristen_destini selbst davor, sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen: „Wie kann ich rassistisch oder gemein sein? Ich bin doch nur niedlich. Ich will nach Vanille riechen und meine Haare im Pony tragen.“

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