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Vegane Ernährung für Hunde und Katzen? Das müsst ihr unbedingt wissen, damit es nicht gefährlich wird

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Paula und ihr Hund Steve ernähren sich beide vegan.
Paula und ihr Hund Steve ernähren sich beide vegan. © Instagram „flowmitpaula“/Montage

Vegane Ernährung für Hunde und Katzen: Daran scheiden sich die Geister. Paula ernährt ihren Hund Steve vegan – und hat uns davon erzählt.

Dass Hunde für mich die besten Wesen sind, hab ich bereits in einem früheren Post sehr klar gemacht. Darin habe ich darüber geschrieben, warum ich es hasse, wenn Hunde in Filmen und Serien vorkommen. Spoiler: Sie sterben oftmals! In meiner Wunschvorstellung habe ich später mindestens einen adoptierten Hund und einen dicken, älteren Kater aus dem Tierheim, der ein warmes, ruhiges Plätzchen sucht. Aber ich mache mir schon jetzt darüber Gedanken, wie ich meinen Hund ernähren will. Ausgewogen und gesund auf jeden Fall, das ist klar. Ich bin zwar keine großartige Köchin, aber für den Doggo würde ich dann doch den Kochlöffel schwingen.

Immer wieder höre ich mittlerweile davon, dass Leute ihre Hunde vegan ernähren. Übrigens, mein Kollege Mika hat sich letztens zwei Wochen vegan ernährt und Bilanz gezogen. Mit veganer Tierernährung kenne ich mich aber kaum aus. Und außerdem scheiden sich daran die Geister. Schon zu Beginn meiner Recherche wird mir daher klar, dass es die eine richtige Antwort wohl nicht gibt.

Kann es Hunden damit gut gehen? Darüber spreche ich mit der Personal Trainerin und angehenden veganen Ernährungsberaterin Paula Schulze aus der Nähe von Köln. Sie ist Presenterin im funk-Format „glanzundnatur“ und teilt auf ihrem Instagram-Kanal „flowmitpaula“ viel über ihr Leben mit Hund Steve. Steve ist ein wahnsinnig süßer, wuscheliger Kerl – und wird seit eineinhalb Jahren vegan ernährt.

Wie süß kann man bitte sein? Hallo, mein Name ist Steve und ich bin Veganer

Haustiere erleben Boom durch Corona-Pandemie: Doch ihre Klimabilanz ist leider deprimierend

Fakt ist leider: Unsere kuscheligen Freund:innen sind nicht unbedingt gut für die Klimabilanz. Die Technischen Universität Berlin hat in einer Studie (2020) den CO2-Pfotenabdruck eines Hundelebens gemessen. Das Ergebnis ist ernüchternd: „Etwa 8,2 Tonnen CO2 stößt ein 15 Kilogramm schwerer Hund im Laufe von 13 Lebensjahren aus.“ Das sind rund 13 Hin- und Rückflügen von Berlin nach Barcelona. Oder so viel wie die Produktion eines Luxusautos der Mittelklasse ausstößt. Selbst die Wissenschaftler:innen sind davon überrascht worden. Und eine Studie aus den USA stellte bereits 2017 fest, dass ihre Fleisch-Ernährung zwischen 25 bis 30 Prozent der Umweltauswirkungen durch die Tierproduktion in Bezug auf die Nutzung von Land, Wasser, fossilen Brennstoffen, Phosphat und Bioziden ausmacht.

Ich will meinen Hund weiterhin mit Fleisch füttern, aber wie kann ich es besser machen? Das sagt der Deutsche Tierschutz:

„Kein Tier muss nur für die Herstellung von Hunde- und Katzenfutter geschlachtet werden. Bei der Fleischerzeugung für den Menschen fallen sogenannte Schlachtnebenprodukte an, die nicht ihren Weg über die Ladentheke finden, aber grundsätzlich auch vom Menschen gegessen werden könnten. Sie sind die Ausgangsmaterialien für Hunde- und Katzenfutter: Innere Organe wie das Herz, die Leber, die Milz oder die Nieren werden zum großen Teil zu Tierfutter verarbeitet. Die anfallende Menge ist so groß, dass ausreichend Fleisch für die Herstellung von Tiernahrung vorhanden ist. Wer hier achtsamer vorgehen möchte, greift auf Futter mit Fleisch von Tieren aus besserer Haltung zurück und verzichtet wenn möglich auf Fleischsorten, die nicht aus Deutschland stammen.“

Solche Zahlen geben einem natürlich zu denken. Und gerade die Corona-Pandemie hat einen regelrechten Haustier-Boom ausgelöst. So sind allein 2020 über eine Million Haustiere in ihr neues Zuhause gezogen, teile der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZFF) mit. In fast der Hälfte der deutschen Haushalte leben laut Deutscher Presse-Agentur Haustiere.

Angesichts der Klimakrise muss man sich daher Gedanken machen, wie man seine Fellnasen ernähren will. Natürlich soll das Futter artgerecht sein, ich will nicht, dass meine Haustiere durch mich leiden. Aber ich würde gerne einen Weg finden, die Ökobilanz möglichst gering zu halten und meine Tiere dennoch gesund zu ernähren. Schaffe ich diesen Spagat?

Vegane Ernährung beim Hund: „Flowmitpaula“ ernährt Steve vegan

Für Paula und Steve funktioniert der inzwischen. Doch auch sie mussten sich erst rantasten. Als sie Steve aus dem Tierschutz aufnahm, entschied sie sich zunächst sogar für die Rohfleisch-Ernährung, das sogenannte barfen. „Nach und nach habe ich mich zu veganer Ernährung beim Hund informiert, war aber noch immer unsicher“, erzählt sie mir im Video-Call. Dabei habe auch eine Rolle gespielt, dass viele Menschen diese Ernährungsform für Tierquälerei halten, so Paula. Doch der Kontakt mit anderen Hundehalter:innen, die ihre Tiere vegan ernähren, habe sie schließlich ermutigt, den Schritt zu wagen. „Steve hat das von Beginn an gut vertragen“, berichtet Paula. Seiner Verdauung gehe es sogar besser. Aber sie sagt auch: „Wenn ihm das nicht geschmeckt hätte, hätte ich das niemals gemacht.“ Ein spannender Gedankengang: Da Steve früher ein Straßenhund in Griechenland war, ist sowieso zweifelhaft, wieviel Fleisch er überhaupt gegessen hat.

Auch den Deutschen Tierschutzbund kontaktiere ich. Von ihnen will ich wissen, ob es vertretbar ist, meinen Hund vegan zu ernähren. Ihre Antwort auf meine Anfrage lautet: „Eine vegane Ernährung ist für adulte Hunde durchaus grundsätzlich möglich, sofern diese gesund sind und das Ganze tierärztlich abgestimmt ist. Das heißt, es sollte immer ein*e auf Tierernährung spezialisierte*r Tierarzt bzw. Tierärztin zurate gezogen werden, der beziehungsweise die mit exakter individueller Rationsberechnung bei einer auf den jeweiligen Hund angepassten Ernährung hilft.“ Wie mich der Deutsche Tierschutzbund weiter aufklärt, sind Hunde nämlich Carni-Omnivore (Fleisch- und Allesfresser), sie haben sich also im Laufe der Domestizierung an den Menschen angepasst. Übrigens sagt auch Professorin Ellen Kienzle, Lehrstuhlinhaberin für Tierernährung und Diätetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass eine vegane Ernährung des Hundes grundsätzlich möglich sei. Doch es fehle an Studien. Wer sicher sein wolle, solle auf eine vegetarische Ernährung setzen, also beispielsweise Eier und Milchprodukte dazugeben.

Das klingt ja doch recht positiv. Doch so einfach ist es leider nicht, denn es gibt einiges zu beachten! Abgeraten wird von der veganen Ernährung des Hundes unbedingt in folgenden Fällen:

Und ein regelmäßiger Besuch bei Tierärzt:innen ist sowieso ein Muss. Wie bei Paula und Steve. „Ich würde niemals irgendetwas machen, dass Steve schadet. Wenn es ihm nicht gut tun würde, dann würde ich das nicht machen“, betont sie. Wichtig ist: Informationen einholen, sich beraten lassen, das Futter auf den Hund abstimmen. Wie bei der veganen Ernährung beim Menschen erhält Steve zusätzlich zu seinem Essen Vitamine und Mineralstoffe. Ich frage Paula nach einer typischen Mahlzeit, weil ich mir noch nicht ganz vorstellen kann, was da so im Napf landet. Also: Kartoffeln, vor allem Süßkartoffeln, pürierte Linsen, Tofu, gemahlene Haselnüsse, Öl und drüber ein Obst-Smoothie (natürlich nur mit Obstsorten, die Hunde vertragen). Klingt ziemlich lecker. Für Paula und Steve funktioniert es also gut. Aber kann man das auf andere Hunde übertragen?

Vegane Ernährung beim Hund prinzipiell möglich – bei Katzen hingegen wird dringend abgeraten

Bei der veganen Ernährung des Hundes ist es wie so oft im Leben: Genaue Abwägungssache und Einbeziehung aller Faktoren. Ich habe gelernt, dass es durchaus möglich ist, seinen Hund auf pflanzlicher Basis zu füttern. Paula und ihr Stevie sind dafür ein tolles Beispiel! Doch es ist schwierig, eine generelle Empfehlung abzugeben. Es gibt leider kaum Studien und die Meinungen gehen stark auseinander. Manche packt ja allein beim Begriff vegane Tierernährung der blanke Horror, andere haben sich drauf eingelassen und sind überzeugt davon.

Das war jetzt meine ganz persönliche Reise in die Welt des veganen Hundefutters. Und die ist natürlich nicht vollständig. Ich denke, wichtig ist, dass niemand „blind“, ohne ausreichend Wissen, seinen Hund vegan ernähren sollte. Immerhin sind unsere Tiere total abhängig davon, dass wir das richtige für sie entscheiden. Und sie auch so füttern, dass sie gesund und fit sind. Also was tun? Mit Tierärzt:innen sprechen, sich genau beraten lassen und Erfahrungen anderer Hundehalter:innen einholen. Auf das Tier achten. Das ist ja sowieso das Wichtigste. Ich adoptiere jetzt erst einmal einen Hund und schaue dann weiter.

Übrigens: Von veganer Ernährung bei Katzen wird auf jeden Fall abgeraten

Das schreibt dazu der Deutsche Tierschutzbund: „Katzen dagegen sind streng carnivor, also reine Fleischfresser. Sie haben einen höheren Eiweißbedarf als Hunde und können tierisches Eiweiß sehr viel besser verwerten als pflanzliches. Zudem kommen einige für Katzen lebensnotwendige Aminosäuren nur in tierischem Gewebe vor, wie beispielsweise das Taurin. Hunde (und Menschen) können Taurin selbst bilden, Katzen nicht – und ein Mangel kann schlimmstenfalls zu Erblindung führen, zu Unfruchtbarkeit oder Herzmuskelerkrankungen. Ein weiteres Beispiel für die spezielle Ernährungsweise von Katzen: Katzen können im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren kein Vitamin A aus der pflanzlichen Vorstufe, dem Beta-Carotin bilden, und müssen es deshalb über tierische Nahrung aufnehmen. Eine Fehlversorgung ist außerdem meist erst dann erkennbar, wenn es zu spät ist. Auch Blutbilduntersuchungen sind nur Momentaufnahmen und haben für die Nährstoffdeckung kaum Aussagekraft. Zum Beispiel halten bei einem Calciummangel Hormone den Ca-Spiegel im Blut noch sehr lange stabil, indem sie die Freisetzung von Calcium aus den Knochen fördern: Die Knochen demineralisieren und werden brüchig, ohne dass dies im Blut sichtbar würde. Hinzu kommt, dass Katzen Futterspezialisten sind. Wenn sie also von klein auf auf ein bestimmtes Futter geprägt und daran gewöhnt sind, nehmen sie anderes Futter oft kaum noch an. Das ist vor allem dann problematisch, wenn zum Beispiel wegen einer Allergie oder Erkrankung Diätfutter nötig wird, die Katze aber zuvor auf vegetarisches Futter spezialisiert wurde.

Deshalb gilt: Schon eine vegetarische Ernährung stellt eine besonders schwierige Herausforderung für Tierhalter dar, von der wir eher abraten und die nur in strikter Absprache mit einem/r auf Ernährung spezialisierten Tierarzt / Tierärztin stattfinden sollte. Die vegane Ernährung von Katzen lehnen wir strikt ab! Das vorgeblich bilanzierte vegane Katzenfutter im Handel ist, wie Untersuchungen zeigen, in vielen Fällen nicht bedarfsdeckend, in einigen wurde offenbar sogar tierische DNA nachgewiesen.

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