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Forschende finden heraus: Videos von ekligen Krankheiten aktivieren dein Immunsystem

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Von: Jana Stäbener

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Junge Frau schaut sich ekelerregende Videos von Krankheiten an, die ihre Immunantwort triggern.
Nicht nur Viren oder Bakterien scheinen unser Immunsystem anzuregen – auch Videos von kranken Menschen reichen, dass wir Antikörper bilden, zeigt Studie aus Hamburg. (Symbolbild) © Panthermedia/Imago

Schon eklige Videos von Krankheiten reichen offenbar aus, damit dein Immunsystem aktiv wird. Das zeigt eine neue Studie der Universität Hamburg.

In den vergangenen Jahren mussten wir uns wohl öfter mit der Funktion unseres eigenen Immunsystems auseinandersetzen, als uns eigentlich lieb war. Zum Beispiel dann, wenn wir zum Händewaschen zweimal hintereinander Happy Birthday sangen, damit auch ja alle Viren, die unser Immunsystem angreifen könnten, absterben. Hier schreiben wir über neun kuriose Dinge, die wir im Corona-Lockdown 2020 gemacht haben. Im Jahr 2022 folgten dann die Affenpocken, die Corona an Pandemie-Potential bisher (zum Glück!) nicht das Wasser reichen konnten. Weil Affenpocken von Mensch zu Mensch unterschiedlich, beschreiben wir in einem Artikel, was bei einer Affenpocken-Infektion wirklich passiert. Wir zeigen auch Bilder der Affenpockenbeulen, die sich bei den Betroffenen sowohl an Körperteilen wie dem Po als auch den Händen bilden.

Dass die nicht gerade schön anzusehen sind, ist klar. Aber sie könnten in uns anscheinend noch viel mehr als bloßen Ekel auslösen und sogar unsere Immunantwort befeuern. Das haben Forschende des Fachbereichs Biologie der Universität Hamburg in einer neuen Studie herausgefunden. Sie untersuchten anhand von 116 Personen, welche Wirkung krankheitsbezogene ekelerregende Videos auf das Immunsystem haben und stellten fest: Das physiologische Immunsystem reagiert schon bevor ein Krankheitserreger überhaupt in unsere Nähe gelangt.

Ekelerregende Videos sorgen für steigende Antikörperkonzentration im Speichel

Die Ergebnisse, die ähnlich verblüffend sind, wie eine andere Studie, laut der Mittagsschlaf dein Risiko für einen Schlaganfall erhöhen kann, wurden in der Fachzeitschrift „Brain, Behavior & Immunity – Health“ veröffentlicht. In einer Pressemitteilung beschreibt die Universität Hamburg genau, wie die Versuche abliefen. Die Forschenden setzten ihren Proband:innen drei Ekel erregende Videos vor. Ein Video einer Virusinfektion der Atemwege, ein Video mit ekligen Dingen, die keine konkrete Krankheit hervorrufen, wie Kakerlaken oder Tierkadaver und ein Video einer Landschaft und nahmen dann Speichelproben. Sie stellten fest: Das Krankheitsvideo sorgte für eine steigende Antikörperkonzentration im Speichel.

„Es zeigte sich, dass die sIgA-Konzentration bei Testpersonen nach der Stimulation – vor allem bei Videos, die Menschen mit Krankheitssymptomen zeigen – anstieg“, sagt Judith Keller, Erstautorin der Studie. Die Konzentration des sekretorischen Immunglobulins A (sIgA) sei nach dem Schauen des Krankheitsvideos um 83,15 Prozent angestiegen. „Dies ist besonders, da das physiologische Immunsystem bisher als hauptsächlich reaktiv gilt, also sonst eher auf ein Pathogen im Körper reagiert. Der Anstieg in unserer Studie spricht dafür, dass es auch reagiert, bevor das Pathogen in den Körper kommt“, so Keller.

Verhaltensimmunsystem und physiologisches Immunsystem wirken im Zusammenspiel

Was die Forscher:innen in Hamburg herausgefunden haben, sei deswegen sehr interessant, weil es die ersten Ergebnisse seien, die das Zusammenspiel des Verhaltensimmunsystems (engl. behavioral immune system, BIS) und des physiologischen Immunsystems (PIS) bei der Bekämpfung von Infektionen zeigen. Frühere Studien gaben nur Hinweise, dass es einen Zusammenhang geben könnte.

Der Körper reagiert also nicht nur auf Viren und Bakterien, sondern auch auf Reize wie Gerüche oder sichtbare Krankheitsanzeichen in der Umgebung, was Vermeidungsverhalten auslöse. Wichtig sei nun, zu überprüfen, ob die erhöhte slgA-Konzentration im Speichel tatsächlich eine Immunantwort auslöst und somit eine erhöhte Immunität vor zum Beispiel auch Corona ermögliche. Nicht nur Ekel könnte also vor Corona schützen – laut Studie schützt auch eine frühere Tuberkulose-Erkrankung vor Corona.

Du bist einer der wenigen in deinem Freundes- und Bekanntenkreis, die sich noch nie mit Corona infiziert haben? Daran könnte es liegen.

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