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„Übergewichtssteuer“: Grünen-Politikerin Ricarda Lang kämpft auf Twitter mit Bodyshaming

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Von: Jana Stäbener

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Ricarda Lang (Parteivorsitzende Bündnis90/Die Grüne) spricht während einer Veranstaltung. Die Grünen wollen an höhere Unternehmensgewinne herangehen, die ihre Ursache in Kriegen und Krisen haben.
Ricarda Lang von den Grünen muss sich auf Twitter die schlimmsten Beleidigungen zu ihrem Gewicht anhören. © Carsten Koall/dpa, Screenshot @OriginalB15 (Collage)

Grünen-Politikerin Ricarda Lang schlug eine Steuer für Unternehmen vor, die vom Ukraine-Krieg profitieren. Jetzt muss sie sich auf Twitter Bodyshaming gefallen lassen.

Die Grünen machten bekannt, dass sie die Unternehmen besteuern möchten, die aufgrund des Ukraine-Kriegs ihre Gewinne steigern konnten. Diese Art von Steuer werde als „Übergewinnsteuer“ bezeichnet. Ricarda Lang, die Parteivorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, sagte laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa), wenn es offensichtlich sei, dass einige Konzerne am „Horror dieses Krieges verdienen“, dann sollte man dem entgegenwirken. Auf Twitter betreiben nun Grünen-Gegner:innen und AfD-Anhänger:innen intensives Bodyshaming gegen die Politikerin und fordern eine „Übergewichtssteuer“.

Bodyshaming gegen Ricarda Lang: Die Politikerin will eine Steuer für Krisengewinner

Nicht nur die Grünen sprechen sich für eine Steuer aus, die Unternehmen mit Krisengewinnen betrifft: Im April 2021 hatte, gemeinsam mit den Grünen, auch die Linksfraktion eine Steuer für Unternehmen gefordert, die in der Corona-Krise zugelegt hatten. Vor allem große Digitalkonzerne wie Microsoft, Facebook oder Amazon wären in diese Kategorie gefallen, so berichtete die dpa. Zu diesem Zeitpunkt sprach sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) für eine Art Solidaritätssteuer aus, die auf Krisengewinner wie Pharma- und Digitalunternehmen abzielte.

Die „Übergewinnsteuer“ würde dafür sorgen, dass sich alle Unternehmen finanziell beteiligen und „dass wir alle gut und vor allem mit einem stärkeren Zusammenhalt durch diese Krise hindurchkommen“, erklärte Ricarda Lang den Vorschlag der Grünen. Katja Hessel (FDP), wies den Steuer-Vorschlag zurück und argumentierte mit einer Mehrbelastung der Unternehmen durch die Corona-Pandemie, hohe Energiepreise und „zusammengebrochene Lieferketten“. Sie wolle lieber auf neues Wachstum setzen und nicht „mit Steuererhöhungsdebatten Unsicherheit [...] schüren“, schreibt die dpa.

Oft kritisieren Grünen-Politiker:innen sexistisches Verhalten in der Gesellschaft und Politik. Die Grünen fordern nun, umstrittene und „sexistische“ Bilder von Frauen beim Stuttgarter Volksfest zu entfernen.

Unter dem Hashtag #Übergewichtssteuer und #Ricarda Lang hagelt es jetzt Bodyshaming

Statt inhaltlicher Kritik an Ricarda Langs Vorschlag für eine „Übergewinnsteuer“, so wie ihn Katja Hessel vorbrachte, hagelt es auf Twitter nun Bodyshaming. Die Kommentare spielen nahezu alle auf das Gewicht der Grünen-Politikerin an: „Sie soll erstmal abnehmen“, schreibt ein User unter dem Hashtag #Übergewichtsteuer, am Abend des zweiten Mai, trendete. Ein anderer Nutzer schreibt: „Ich würde eine Übergewichtssteuer sehr gut finden, dann gehen die Fettsäcke mal endlich abspecken, statt mit ihrem Gewicht negativ den Klimawandel zu beeinflussen.“

Ricarda Lang wird in diversen Tweets aufs äußerste beleidigt – und zwar zu ihrem Aussehen und Körpergewicht. Ein:e User:in schreibt unter ein Bild von ihr, ihr Kleid sehe aus wie der Vorhang seiner Oma. Ein:e andere:r postet ein Bild von ihr und schreibt „Die #schwerenWaffen der #Grünen“. Die Kommentare sind unterste Schublade, Bodyshaming und Sexismus vom Feinsten. Eine Userin schreibt zu Ricarda Langs Vorschlag einer „Übergewinnsteuer“: „Übergewichtige Studienabbrecher:innen, die mutmaßlich unser Gesundheitssystem belasten[...] & von #Uebergewinnsteuer faseln, sollten auch eine Übergewicht-Steuer in Betracht ziehen“.

Ein:e Nutzer:in zeigt mit diesem Tweet, dass bei einer „Übergewichtssteuer“ definitiv auch Politiker bei der Alternative für Deutschland (AfD) betroffen wären und macht auf das sexistische Verhalten gegenüber Frauen in der Politik aufmerksam, die viel mehr als Männer auf ihr Äußeres reduziert werden.

Auch diese:r Nutzer:in findet, dass Bodyshaming bei männlichen Politikern kein Thema ist. Diese würden nicht, wie Ricarda Lang, ständig auf ihr Gewicht reduziert werden.

Bei Männern und Frauen in der Politik werden oft verschiedene Maßstäbe herangezogen. Auch über Anne Spiegels Rücktritt gab es auf Twitter Unverständnis: „Konservative Männer machen trotz Korruption weiter“.

„Was haltet ihr eigentlich von einer Dumpfbackensteuer?“, fragt diese:r Nutzer:in. Bei den vielen Bodyshaming-Kommentaren gegen Ricarda Lang müssten ja alle auf Twitter „schlank und schön“ sein, schreibt die Person. „Für schlau und sensibel hat es ja leider nicht gereicht.“

Auch bei RTL ist Bodyshaming ein Thema: Erst letztens machte sich Jauch bei „Wer wird Millionär“ über das Gewicht von Kandidaten lustig.

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