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Ihr boykottiert russische Produkte? Ethiker erklärt, was das bringt

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Von: Carolin Freytag

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Russische Lebensmittel werden in vielen deutschen Supermärkten boykottiert.
Russische Lebensmittel werden in vielen deutschen Supermärkten boykottiert. © dpa/Imago/Collage

Seit dem Ukraine-Krieg boykottieren Supermärkte wie Rewe, Edeka und Co. russische Lebensmittel. Auch Kund:innen machen mit. Bringt das den gewünschten Effekt? 

Seit Ende Februar herrscht in der Ukraine nun Krieg. Täglich spielen sich dort grausame Szenen ab. Millionen von Menschen sind auf der Flucht aus dem Land, denn viele Städte in der Ukraine stehen nahezu unter Dauerbeschuss der russischen Armee. Immer wieder werden auch Zivilisten Opfer der russischen Angriffe. Sogar Routen, auf den Ukrainer:innen fliehen, werden von Putins Armee Berichten zufolge gezielt attackiert.

Die westliche Welt hat auf Putins Angriffskrieg bisher mit zahlreichen Sanktionen reagiert. Die russische Wirtschaft ist bereits stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele westliche Unternehmen wie Zara, McDonald‘s oder Netflix schließen Filialen und Standorte in Russland und ziehen ihre Mitarbeiter ab. Auch in Deutschland wird gegen den Krieg ein Zeichen gesetzt. Immer wieder wird in Städten gegen den Ukraine-Krieg mit Hunderttausenden Teilnehmer:innen protestiert.

Boykott russischer Produkte: Supermärkte streichen Wodka und Co. aus dem Sortiment

Um ein weiteres Zeichen zu setzen, haben mehrere Supermärkte, darunter beispielsweise Edeka, russische Produkte aus ihrem Sortiment gestrichen. „Wir unterstützen alle Sanktionen, die von der EU und der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurden und werden. Deshalb ermitteln wir bereits, ob und in welchem Umfang wir Produkte aus Russland beziehungsweise von Unternehmen, die in Händen russischer Oligarchen sind, in unserem Sortiment führen“, erklärte die Kette bereits Ende Februar. Auch andere Supermarktketten wie Rewe und Lidl folgten mit ähnlichen Aktionen.

Auch viele Kund:innen beteiligen sich am Boykott und haben sich entschieden, keine Produkte mehr aus Russland zu kaufen. Aber was bringt dieser Boykott eigentlich. Führt er tatsächlich zum gewünschten Ziel?

Der Wirtschaftsethiker Joachim Fetzer hat sich zu dieser Frage gegenüber dem Portal web.de geäußert: „Um festzustellen, ob ein freiwilliger Boykott bestimmter Waren die Richtigen trifft, müsste man die Lieferketten genau kennen“, sagt er. „Dass der Verkaufsstopp russischer Lebensmittel direkt Wladimir Putin und sein Umfeld trifft, ist fraglich.“ Zwar habe die Wirtschaft grundsätzlich eine gesellschaftliche Mitverantwortung, unter anderem etwas für faire Arbeitsbedingungen, „aber lässt sich daraus ableiten, dass die Wirtschaft auch eine Mitverantwortung trägt, wenn ein Autokrat einen Angriffskrieg führt?“, fragt Fetzer.

Wirtschaftsethiker: „Wir haben einen emotionalen Schock erlitten“

Für die Unternehmen seien das eher Symbolaktion, wirkliche Kosten entstünden ihnen dadurch nicht. Vielmehr komme es darauf an, dass sich die Unternehmen auch dann solidarisch zeigen, wenn die Folgen des Krieges bei uns etwas durch steigende Energiepreise sichtbar werden.

Dass die Menschen dennoch ein Zeichen setzen wollen und sich gegen den Ukraine-Krieg engagieren, kann der Wirtschaftsethiker dennoch gut verstehen: „Wir haben einen emotionalen Schock erlitten. Viele Jahrzehnte haben wir von einer globalen, miteinander verflochtenen, Handel treibenden Welt im Frieden geträumt. Aus diesem Traum aufgeweckt zu werden, ist nicht schön.“

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