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Die Zeitumstellung kann deine Gesundheit gefährden – das solltest du wissen

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Eine rote Tischuhr, daneben ist ein Pfeil aufgemalt, der anzeigt, dass die Zeit um eine Stunde zurückgestellt wird.
Bald steht die Zeitumstellung an - das macht sie mit deinem Körper. © imageBROKER / Imago

Am letzten Sonntag im März stellen wir die Uhr um eine Stunde vor. Das wirkt sich auf deinen Körper aus und schadet nicht allen gleich stark.

Es ist wieder einmal so weit. Am Sonntag, dem 26. März, erfolgt in Deutschland die Umstellung auf die Sommerzeit – wir verlieren also eine Stunde Schlaf, wenn die Uhren vorgestellt werden. Das bedeutet weniger Sonnenlicht am Morgen und mehr Sonnenlicht am Abend. Je nachdem, ob du eine Nachteule oder ein Frühaufsteher bist, kann dich das aus deinem Winterblues oder zurück in den Winterblues katapultieren.

Die Sommerzeit kann zwar ein Zeichen dafür sein, dass hellere, fröhlichere Tage kommen, aber es ist nicht alles nur Sonnenschein und Regenbogen. Diese 60-minütige Zeitumstellung, auch wenn sie gering erscheinen mag, kann größere Auswirkungen auf deine Gesundheit haben, als dass du am Sonntagmorgen eine Stunde zu spät zum Frühstück kommst.

Das liegt daran, dass die Sommerzeit deinen zirkadianen Rhythmus – die innere biologische Uhr, die vom Tageslicht gesteuert wird – stört, indem sie ihn zwingt, einem unnatürlichen Zeitplan zu folgen, bis im November die Uhren wieder auf Winterzeit umgestellt werden.

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Was ist der zirkadiane Rhythmus?

Der zirkadiane Rhythmus ist ein komplexes Zusammenspiel von Genen, Enzymen und Hormonen, die zum Beipsiel die täglichen Schwankungen von Stimmung, Appetit, Immunfunktion, Verdauung, Blutdruck, Körpertemperatur und Blutzucker steuern.

Selbst wenn du nicht auf die Uhrzeit achtest, hat so gut wie jedes Gewebe, jedes Organ und jede Zelle in deinem Körper eine innere Uhr. Wenn man diese Uhr um eine Stunde vorstellt, kann das Folgen haben, die sich über Wochen oder sogar Monate hinziehen können.

Unsere biologischen Uhren werden bei der Zeitumstellung aus dem Gleichgewicht gebracht

Eine der offensichtlichsten Folgen ist die Schlafbeeinträchtigung, die oft für den vorübergehenden Anstieg von Verkehrsunfällen (das passiert auch deshalb, weil es noch sehr dunkel sein kann, wenn man morgens fährt), Fehlern am Arbeitsplatz und Verletzungen nach Beginn der Sommerzeit verantwortlich gemacht wird. Die Zeitumstellung wird auch mit einem zumindest kurzzeitigen Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle in Verbindung gebracht.

Joseph Takahashi, Experte für die biologische innere Uhr und Vorsitzender der Abteilung für Neurowissenschaften an dem University of Texas Southwestern Medical Center, erklärt gegenüber BuzzFeed News US, dass die Sommerzeit keine offensichtlichen gesundheitlichen Vorteile biete.

Natürlich lieben manche Menschen die Sommerzeit wegen des zusätzlichen Abendlichts, das ihnen einen Serotoninschub und mehr Zeit für Aktivitäten im Freien nach der Arbeit oder Schule schenkt. Aber nicht alle Länder stellen ihre Uhren auf die Sommerzeit um. Etwa ein Viertel der Welt folgt der Sommerzeit. In ein paar US-Bundestaaten gilt die Sommerzeit beispielsweise nicht. In Deutschland gibt es die Sommerzeit und du solltest wissen, wie sich die Umstellung auf deine innere Uhr auswirkt und welche Auswirkungen das auf deine Gesundheit haben kann.

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Warum die Umstellung auf Sommerzeit deinen Körper beeinträchtigt

Die Umstellung auf die Sommerzeit bringt unsere soziale Uhr durcheinander, die uns vorgibt, wann wir zur Arbeit und zur Schule gehen und wann wir uns mit Freunden treffen. Unsere biologischen Uhren, die sich nach der Sonne richten, können nicht immer mit der Umstellung Schritt halten. (Es geht viel um Uhren, ich weiß).

Das Ergebnis ist das, was Wissenschaftler:innen als „zirkadianen Versatz“ oder „sozialen Jetlag“ bezeichnen. Vielleicht bist du ja in der Lage, dich in ein paar Tagen an die Umstellung zu gewöhnen, aber manche Menschen haben damit mehr zu kämpfen – insbesondere diejenigen mit Schlafstörungen, Jobs mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, psychischen Problemen oder autistische Menschen.

Aber egal, wer du bist oder was du beruflich machst, deine innere Uhr passt sich nie wirklich an, so Beth Malow, Professorin für Neurologie und Leiterin der Abteilung für Schlafstörungen am Vanderbilt University Medical Center in Tennessee, USA, gegenüber BuzzFeed News US.

Jede Zelle des Körpers ist beeinträchtigt

„Man kann sich zwar in ein paar Tagen an den Schlafverlust gewöhnen, aber vom Standpunkt der zirkadianen Ordnung aus gesehen, ist man wirklich die ganze Zeit aus dem Takt“, sagt Malow. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was mit dem Licht passiert, und dem, was in unserem Körper vor sich geht. Das bringt das System auf eine Art und Weise durcheinander, wie es bei einem einfachen Wechsel der Zeitzone nicht der Fall wäre.“

Außerdem sind nicht alle Körperuhren gleich. Etwa 80 Prozent der Menschen haben einen zirkadianen Rhythmus, der langsamer als 24 Stunden verläuft, während die restlichen 20 Prozent einen etwas schnelleren Rhythmus haben, so Takahashi. Das würde erklären, warum manche Menschen länger brauchen, um sich an die Sommerzeitumstellung zu gewöhnen als andere.

Und dann sind da noch die Billionen von mikroskopisch kleinen Uhren, die in jeder Zelle unseres Körpers ticken. „Wie du dir vielleicht denken kannst, sind diese Unstimmigkeiten in der Synchronisierung unserer Uhren nicht optimal und das erschwert viele Aspekte unserer Zellfunktionen“, sagt Takahashi. „Vielleicht ist es das, was das Gleichgewicht stört.“

Die Zeitumstellung wird deinen Schlaf durcheinanderbringen

Expert:innen der Society for Research on Biological Rhythms sind sich einig, dass die innere Unordnung, die durch das „Vorwärtsspringen“ verursacht wird, am meisten Einfluss auf unseren Schlaf hat. Es kann oft zu kurzfristiger Schlaflosigkeit, Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit, einem Energiemangel und Schwierigkeiten klar zu denken führen.

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Eine 2007 in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlichte Studie mit 55.000 Menschen in Mitteleuropa ergab, dass die Menschen an „freien Tagen“ während der Sommerzeit zum Rhythmus ihrer biologischen Uhren zurückkehrten, anstatt der sozialen Uhren. Die Forscher:innen begleiteten auch eine Untergruppe von 50 Personen über einen Zeitraum von acht Wochen in dem Zeitraum der beiden Zeitumstellungen. Die Freiwilligen waren entweder Nachteulen, die es vorzogen, lange aufzubleiben und auszuschlafen, oder Morgenmuffel, die dazu neigten, früher aufzustehen und ins Bett zu gehen.

Die Studie ergab, dass sich die Proband:innen zwar schnell an das Ende der Sommerzeit anpassten, dass sie sich aber nie wirklich an die Zeitumstellung im Frühling anpassten, insbesondere wenn sie Nachteulen waren. Laut den Forscher:innen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass dieser Zustand der „nicht abgeschlossenen Anpassung“ nicht nur kurzfristig ist, sondern für die gesamte Dauer der Sommerzeit andauern kann.

Auch schwerwiegende gesundheitliche Folgen können auftreten

1. 24 Prozent mehr Herzinfarkte

Die Sommerzeit wird auch mit einem Anstieg von Herzinfarkten in Verbindung gebracht. In einer in der Fachzeitschrift Open Heart veröffentlichten Studie von 2014 untersuchten Forscher:innen beispielsweise Patient:innen, die in Krankenhäuser in Michigan eingeliefert wurden. Sie fanden heraus, dass über einen Zeitraum von drei Jahren die Zahl der Herzinfarkte an den Montagen nach Beginn der Sommerzeit im Vergleich zu anderen Montagen des Jahres um 24 Prozent anstieg. An den Dienstagen, die auf die Rückstellung auf die Standardzeit folgten, ging die Zahl der Herzinfarkte um 21 Prozent zurück.

Die Forscher:innen kamen zu dem Schluss, dass sich die Auswirkungen der Sommerzeit auf den Zeitpunkt der Herzinfarkte und nicht auf die Häufigkeit insgesamt auswirkten. Die abrupten Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus sowie der erhöhte Stress, der vom Beginn einer neuen Arbeitswoche kommt, kann darauf Einfluss nehmen, dass Menschen einen Herzinfarkt erleiden, den sie sonst zu einem späteren Zeitpunkt gehabt hätten.

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2. Schlaganfälle

Es wurde auch festgestellt, dass die Schlaganfallquote nach der Sommerzeit sprunghaft ansteigt. In einer Studie mit Krankenhauspatient:innen in Finnland war die Schlaganfallquote in den zwei Tagen nach Beginn der Sommerzeit um acht Prozent höher als in den zwei Wochen davor und danach. Die Studie aus dem Jahr 2016 wurde in der Zeitschrift Sleep Medicine veröffentlicht.

3. Fehler und Verletzungen am Arbeitsplatz

Eine 2020 im Journal of General Internal Medicine veröffentliche Studie ergab, dass „menschliche Fehler“ unter den Beschäftigten im Gesundheitswesen des Mayo Clinic Health System in der Woche nach der Umstellung auf die Sommerzeit im Vergleich mit den Wochen davor um etwa 19 Prozent zunahmen. Zu diesen Fehlern gehörten die Verabreichung falscher Medikamente oder Dosierungen, die falsche Beschriftung von Laborproben und Fehler bei Operationen. Nach dem Ende der Sommerzeit im Herbst war kein Fehleranstieg zu verzeichnen.

Eine auf Grundlage einer Datenbank des National Institute for Occupational Safety and Health durchgeführte Studie mit Minenarbeiter:innen von 2009 fand zudem heraus, dass die Arbeiter:innen sich an den Montagen nach der Sommerzeit mehr und schwerere Verletzungen zuzogen als an anderen Tagen.

4. Autounfälle

Es gibt auch Hinweise für einen Zusammenhang zwischen der Sommerzeit und der Zunahme von Verkehrsunfällen, die auf müde Autofahrer:innen zurückzuführen sein könnten, die in den dunklen Morgenstunden unterwegs sind. Bei einer Studie, in der 21 Jahre lang Daten über Autounfälle in den USA ausgewertet wurden, stellte sich heraus, dass sich in der Arbeitswoche nach der Sommerzeitumstellung im Vergleich zu anderen Wochen etwa 28 zusätzliche Verkehrsunfälle mit Todesfolge ereigneten. Die Ergebnisse wurden im Jahr 2020 in der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht.

Wer wird am meisten von der Sommerzeit beeinflusst?

Jeder kann durch die Zeitumstellung mitten in der Nacht aus dem Konzept gebracht werden, aber manche Menschen sind stärker davon betroffen als andere.

Laut der American Academy of Sleep Medicine (AASM) ist das Risiko für Schlafentzug bei Teenagern aber am höchsten, da viele bereits während der Schulwoche mit chronischen Schlafproblemen zu kämpfen haben. Es gibt auch eine biologische Erklärung, sagt Malow von der Vanderbilt University. Jugendliche setzen ihr natürliches Melatonin im Durchschnitt zwei Stunden später frei als Erwachsene, weil sich ihre innere Uhr während der Pubertät auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt. Wenn also die Sommerzeit kommt, wird ihr ohnehin schon gestörter Schlaf noch mehr gestört, was durch ihr volles Sozialleben, ihre frühen Schulzeiten und mögliche Nebenjobs noch verschlimmert wird.

Schichtarbeiter:innen, die zu ungewöhnlichen Zeiten arbeiten, haben ebenfalls eher mit der Sommerzeit zu kämpfen. Einige Mitglieder dieser Gruppe leiden bereits an einer Schichtarbeitsstörung (einer Art von Störung des zirkadianen Rhythmus), die laut der AASM dazu führt, dass sie bis zu vier Stunden weniger schlafen als die durchschnittlichen Arbeitnehmer:innen und insgesamt eine schlechte Schlafqualität haben.

Menschen, die stark auf veränderte Tagesabläufe reagieren, sind auch stark betroffen

Nach der Umstellung auf die Sommerzeit können sich auch Veränderungen der psychischen Gesundheit einstellen. Besonders bei Menschen mit saisonal abhängigen Depressionen – einer Form der Depression, die mit den jahreszeitlichen Veränderungen und dem Mangel an Sonnenlicht zusammenhängt –, die empfindlich auf Störungen ihrer Körperuhr reagieren, deutlicher spürbar oder gravierender sein.

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Malow sagt, dass Menschen, die durch bestimmte Erkrankungen anfällig auf Veränderungen in ihrem Tagesablauf reagieren, wie zum Beispiel Menschen mit einer bipolaren Störung, nach der Umstellung auf die Sommerzeit mit größerer Wahrscheinlichkeit größere Verstimmungen erleben.

So kannst du die Umstellung auf die Sommerzeit so reibungslos wie möglich gestalten

Falls es dir bisher noch nicht klar wurde: Du solltest auf jeden Fall zum Beginn der Sommerzeit deinen Schlaf priorisieren. Malow empfiehlt, zwei bis drei Tage vor der Umstellung auf die Sommerzeit etwas früher ins Bett zu gehen (etwa 15 bis 20 Minuten) – so bist du besonders ausgeruht, wenn dir diese eine Stunde genommen wird.

Versuch‘, am Tag der Umstellung nicht auszuschlafen. „Du solltest stattdessen versuchen, ziemlich früh aufzuwachen. Nicht wahnsinnig früh, aber um 7 oder 8 Uhr morgens. Es wird helfen, sich dem hellen Licht auszusetzen, denn das Licht am Morgen hilft dir, dich neu einzustellen“, erklärt Marlow.

Hier sind einige weitere Möglichkeiten, wie du die Auswirkungen der Sommerzeit auf deinen Schlaf und deine Gesundheit minimieren kannst:

Woher kommt die Sommerzeit?

Entweder man liebt sie oder man hasst sie, aber die Sommerzeit wird bleiben – zumindest vorerst. Zwar stimmten die Abgeordneten des Europäischen Parlaments dafür, die Zeitumstellung nach dem Jahr 2021 aufzugeben, seitdem scheint das Vorhaben aber auf Eis zu liegen. „Zumindest ist für uns keine Entwicklung erkennbar“, sagt der Sprecher der Physikalisch-Technische Bundesanstalt Dirk Piester. So ist sicher, dass die Sommerzeit am 29. Oktober 2023 wieder endet.

Die Zeitumstellung wurde erstmals im April 1916 im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn eingeführt. Ziel war es Energie zu sparen. Auch im Bemühen, Brennstoff zu sparen, führten die USA 1918 dann erstmals die Sommerzeit ein. Die Umstellung war jedoch unpopulär und wurde nach dem Krieg wieder rückgängig gemacht; die Menschen wollten nicht im Dunkeln aufwachen, vor allem nicht im Winter.

Die Sommerzeit wurde dann 1966 in den USA mit dem gleichen Gedanken zum Energieeinsparen eingeführt (die politischen Entscheidungsträger gingen davon aus, dass die Menschen wegen des zusätzlichen Sonnenlichts am Abend keinen Strom verbrauchen würden). Deutschland zog etwas später auch nach. 1979 verkündete die DDR überraschend die Einführung einer Sommerzeit für das folgende Jahr. Per Verordnung galt sie ab 1980 in beiden deutschen Staaten.

Autorin ist Katie Camero. Dieser Artikel erschien am 6.3.2023 zunächst auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Lea Samira Maier. Redaktionell überarbeitet von Pia Seitler.

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