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„Weird Girl“ sein macht dich auf TikTok nicht zur Außenseiterin, sondern Trendsetterin

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Von: Felicitas Breschendorf

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Der „Weird girl“-Trend auf TikTok.
Der „Weird girl“-Trend auf TikTok. © TikTok/ @mariadistrito.mx/ @tinyjewishgirl

TikTokerinnen tragen für den Trend „weird girl“ Kleider in bunten Farben und mit wilden Mustern. Auch Topmodels machen mit.

„Nichts ist seltsam an der weird girl Ästhetik“, sagt die TikTokerin @thealgorythm. Seltsam aus sieht die Mode des TikTok-Trends dennoch: bunte, karierte und gestreifte Kleider, die nicht zueinander zu passen scheinen, und lustige, selbstgestrickte Mützen. Bekannt geworden durch diesen ausgefallenen Stil ist zum Beispiel die Fashion-TikTokerin @tinyjewishgirl. Doch auch Highfashion-Model und Gen Z-Vorbild Bella Hadid zog sich im vergangenen Jahr als „weird girl“ an. (Um so auszusehen wie Hadid, unterziehen sich manche junge Menschen sogar einer Beauty-OP). Was bedeutet nun aber der „weird girl“-Trend?

Von Cluttercore zum „Weird Girl“: Der Maximalismus der Gen Z

Statt einer minimalistischen Einrichtung stellte die Generation Z unter dem TikTok-Hashtag #Cluttercore ihre Zimmer voll mit bunten und obskuren Objekten. Ähnlich wie bei diesem Trend geht es auch beim weird-girl-sein um Maximalismus und Individualität. Statt angepasst einfarbige Kleider tragen die TikTokerinnen schreiend helle und auffällige Farben. Designer:innen wie Marc Jabos haben ihre Kollektionen seit der Pandemie ähnlich farbenfroh und durcheinander gestaltet, wie die TikTokerin @barefacedmedia in einem Video deutlich macht. „Die Müdigkeit aus der Pandemie sorgt dafür, dass wir gegen Einfachheit rebellieren und gewagte Muster verwenden“, sagt sie.

Woher kommt der „weird girl“-Trend?

@barefacedmedia beschreibt den Ursprung des „weird girl Trends“ im japanischen Harajuku. So heißt ein Fashion-Style, benannt nach der gleichnamigen Stadt, aus der er kommt. Bei dem Stil werden Farben und Kleiderform wild kombiniert, so wie es jetzt auch die weird-girl-TikTokerinnen tun. Gleichzeitig erinnern die Kleider des „weird girl“-Trends an den Style aus den 2000er-Jahren, der bei der Gen Z schon seit längerem beliebt ist. Wobei es bei „Weird girl“ eigentlich gerade nicht darum geht, sich einem bestimmten Trend zu unterwerfen – sondern eher darum, sich nicht anzupassen.

„Dinge mögen, die andere nicht kennen“ macht dich zur Trendsetterin

Der Charakter des „Weird Girl“ kennt man aus Filmen der Popkultur: zum Beispiel Janis Ian, gespielt von Lizzy Caplan, aus „Mean Girls“ in den 2000ern oder „Diane Nguyen“ aus der Netflix-Serie „BoJack Horseman“. Das typische „weird girl“ aus Filmen „trägt normalerweise schwarz, passt nicht zu den anderen, verwirrt ihre Umgebung, hat seltsame Interessen und ein von der Norm abweichendes Verhalten“, heißt es auf dem TikTok-Kanal „The Take“, der sich mit Trends rund um die Internetkultur beschäftigt.

Aus der Reihe tanzen oder „weird sein“ hat, so könnte man meinen, keinen guten Ruf. In 2000er-Filmen sind „weird girls“ noch Außenseiterinnen und stehen nicht im Mittelpunkt. Mit dem neuen TikTok-Trend hat sich das geändert. „Glücklicherweise ist uns heutzutage bewusst, dass sich anders anziehen und Dinge mögen, die andere nicht kennen, dich zu einer Trendsetterin macht“, sagt die Sprecherin von „The Take“ auf TikTok.

Der „weird girl“ Trend könnte eine Kopie von queerem Lebensstil sein

Die TikTok-Userin Trinity Bell schreibt, der weird-girl-Trend „fühlt sich an, als würden Frauen, die hetero sind, den Stil von queeren Frauen kopieren“. „Maximalismus ist weniger ein Trend, als ein Lebensstil von queeren Menschen: Sie verwendeten krasse Farben und Outfits schon seit Jahrzehnten als einen Ausdruck von Extravaganz und Selbstentfaltung“, erklärt die TikTokerin @barefacedmedia. Ein Beispiel ist die Kunstform der Drag Queens mit ihrem schrillen Aussehen, die auch aus der queeren Community kommt.

Queere Menschen sind im Netz oft mit Hetze und Ausgrenzung konfrontiert. Sich selbst zu entfalten, brauche deshalb mehr Überwindung und Mut als bei Hetero-Personen. Userin Bell zweifelt womöglich daran, ob sie diesen Stil leichtfertig kopieren sollten. @barefacedmedia bewertet es dagegen positiv, dass TikTokerinnen den queeren Lebensstil in Form des „weird girl“-Trends verbreiten. Der Trend „bezieht sich auf die queere Community und schreckt ein älteres oder weniger progressives Publikum“ ab, sagt sie.

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