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Weizenpreis explodiert: Warum ihr etwas Gutes tut, wenn ihr jetzt vegan lebt

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Von: Jana Stäbener

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Krieg in der Ukraine auf der einen Seite, Weizenfeld auf der anderen Seite. In der Mitte ein Zeichen für veganes Essen. Aufgrund des Ukraine-Konflikts steigen die Weizenpreise. In ärmeren Länder, vor allem in Afrika, könnte Getreide knapp werden. Weniger Fleischkonsum wäre eine Lösung.
Weil in der Ukraine Krieg herrscht, fällt das Land als Getreide-Exporteur aus. © Vadim Ghirda/dpa, Martin Wagner/ IMAGO (Collage)

MEINUNG

Im Ukraine-Krieg kann Osteuropa seiner Rolle als Getreide-Exporteur nicht mehr nachkommen. Der Weizenpreis steigt. Das ist ein guter Zeitpunkt, um vegan zu werden.

Die Ukraine gilt als „Kornkammer Europas“. Sie ist für fast 30 Prozent der weltweiten Weizen-Exporte verantwortlich. Auch bei Gerste, Mais und Sonnenblumenöl hat sie enorme Anteile am Weltmarkt. Weil diese im aktuellen Ukraine-Konflikt wegbrechen, wird Getreide im Rest der Welt knapp, der Weizenpreis steigt. Laut einer Studie von „Brot für die Welt“ dienen in der Europäischen Union rund 62 Prozent der Getreideernte als Tierfutter. Wäre also jetzt nicht eine gute Zeit, um auf eine vegane oder vegetarische Lebensweise umzusteigen?

Weizenpreis verdoppelt: Nordafrikanische Länder sind die Leidtragenden

Während der Weizenpreis im Jahr 2020 noch bei 100 Euro pro Tonne lag, hat er sich in den vergangenen Wochen verdoppelt und die 400-Euro-Marke überschritten. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen erklärt diesen Preisanstieg mit der aktuellen Situation in der Ukraine: Wenn die Produktion und die Exporte in einem starken Anbauland wie der Ukraine auf Eis gelegt würden, dann könne das die Lebensmittelpreise weit über ihr derzeitiges Zehn-Jahres-Hoch treiben, erklärt die Organisation gegenüber Spektrum.de.

Die größten Getreide-Importeure

Vor allem nordafrikanische Länder und der Mittlere Osten sind auf Getreide-Exporte aus Russland und der Ukraine angewiesen. Marokko, Algerien und Ägypten zum Beispiel: In diesen Ländern hat sich aufgrund der wachsenden Bevölkerungsanzahl seit 1960 der Weizenkonsum versechsfacht. Auch der Libanon gilt als großer Weizen-Importeur der beiden osteuropäischen Länder.

Gleichzeitig verfügen Regionen wie Ägypten nicht über die gleichen finanziellen Mittel wie die Bundesrepublik, können die Mehrkosten für Getreide also nicht einfach so tragen. Sie sind vom Anstieg des Weizenpreises durch den Ukraine-Krieg besonders stark betroffen. Expert:innen befürchten, dass diese Entwicklung auch zu sozialen Umbrüchen führen könnte, ähnlich wie beim arabischen Frühling 2011, bei dem sich die Weizenpreise zuvor auf 300 Euro pro Tonne erhöht hatten.

Ein Mann kocht in der Küche.
Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um auf vegane Ernährung umzusteigen. © Fabian Sommer/dpa

Je mehr Veganer:innen, desto geringer der Weizenpreis?

Was auf den ersten Blick wie ein Witz wirkt, ist tatsächlich wahr: Je weniger Fleisch wir konsumieren, desto mehr Getreide steht uns für die Ernährung der Weltbevölkerung zur Verfügung, der Weizenpreis könnte so sinken. Der Grund dafür ist ganz einfach: Jedes Tier, das bei uns irgendwann auf dem Teller landet, musste einige Jahre selbst Unmengen an Getreide konsumieren, um irgendwann weiterverarbeitet werden zu können. Das Gleiche gilt für Kühe in der Milchproduktion: Sie müssen bis zu 50 Kilogramm Futter am Tag vertilgen, um ihren gewaltigen Energiebedarf von 45.000 Kalorien für die Milchproduktion zu decken.

„Wir verfüttern einfach sehr viel dessen, was der menschlichen Ernährung dienen könnte, zur Herstellung eines Luxusprodukts.“

Sebastian Lakner, im Interview mit Spektrum.de

Laut einer Studie der Universität Kiel würde ein Rückgang der Schweinefleischproduktion um 30 Prozent, allein in Deutschland, eine Ackerfläche von einer Million Hektar freilegen. Auf der könnten dann fünf Millionen Tonnen Getreide angebaut werden. Im Moment gehen nur 8,6 Tonnen der Getreideernte in unsere eigene Nahrungsmittelproduktion. „Wir verfüttern einfach sehr viel dessen, was der menschlichen Ernährung dienen könnte, zur Herstellung eines Luxusprodukts“, erklärt Agrarökonom Sebastian Lakner diese problematische Situation im Interview mit Spektrum.de.

Ernährungskrise verhindern: Lasst uns doch einfach weniger Fleisch essen!

Momentan haben viele von uns in Deutschland das Gefühl der Machtlosigkeit. In einem Artikel haben wir eine Psychologin gefragt, wie wir mit der Situation in der Ukraine umgehen sollen. Einer ihrer Tipps war, der Hilflosigkeit mit Taten entgegenzusteuern. Ein paar Ideen, wie ihr den Menschen in der Ukraine helfen könnt, haben wir euch hier zusammengefasst.

Vegan zu leben, könnte eine weitere Möglichkeit sein, in dieser akuten Krisensituation etwas Gutes zu tun. Klar, es hilft nicht direkt und vor allem hilft es den Menschen in der Ukraine nicht. Aber es leistet vielleicht einen positiven Beitrag, um die Ernährungskrise zu verhindern, die wir momentan ansteuern. Wir müssen ja nicht gleich alle zu veganen Überzeugungstäter:innen werden. Es reicht schon, wenn wir ein bisschen weniger Fleisch essen und uns ab und zu lieber selbst einen Getreide-Burger gönnen, als hinzunehmen, dass Unmengen an Getreide für unser Fleisch-Patty in den Futtertrögen der Massentierhaltung landen. Dass vegan leben gar nicht so schwer ist, wie gedacht, zeigt dir unser Autor Mika in diesem Artikel.

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