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2000 statt 2030: Mehrheit junger Menschen würde lieber in der Vergangenheit leben - laut Umfrage

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Von: Pia Seitler

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Eine junge Frau träumt.
Mehrheit der jungen Menschen träumt lieber von der Vergangenheit. Die Zukunft macht ihnen Angst. © Imago/Unsplash/Collage Buzzfeed

2022 will die Mehrheit der jungen Menschen lieber in der Vergangenheit leben. Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt erklärt, woran das liegt.

Klimakrise, eine weltweite Pandemie, Krieg in Europa – war früher alles besser? Einer Umfrage der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen zufolge sieht das die Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland jedenfalls so. 56 Prozent der 18- bis 34-Jährigen gaben in einer Online-Befragung demnach an, sie würden lieber in der Vergangenheit leben. 44 Prozent würden die Zukunft bevorzugen, wie die Deutsche-Presseagentur (dpa) berichtet.

Das war schon einmal anders: 2013 wollten nur 30 Prozent der Befragten lieber in der Vergangenheit und 70 Prozent in der Zukunft leben. Viele junge Menschen haben Zukunftsängste, Angst vor der Klimakrise. Die Mehrheit der jungen Menschen träumt nicht mehr von einer besseren Zukunft. „Das ist wirklich neu und sehr ungewöhnlich“, sagt der wissenschaftliche Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen, Ulrich Reinhardt der dpa. Er erzählt, was die Generation der 18- bis 34-Jährigen vermisse.

Junge Menschen wollen lieber in die Vergangenheit zurück – „weil es früher besser war“

Eigentlich seien junge Menschen eher zukunftsgewandt, schließlich haben sie das Leben noch vor sich. Mit dem Begriff Vergangenheit würden die Befragten in der Regel ihre eigene Kindheit und Jugend verbinden. Auf die Frage, warum sie lieber in der Vergangenheit leben wollten, sagten 42 Prozent der Befragten über alle Altersgruppen hinweg, früher sei der Zusammenhalt größer gewesen. 35 Prozent gaben als Grund an, „weil es früher besser war“.

Außerdem erklärten 34 Prozent, früher habe es „mehr Sicherheit und Beständigkeit“ gegeben. Man sei früher „glücklicher“ gewesen, es gab „weniger Kriege und Krisen“ und die „Umweltbedingungen waren besser“. 20 Prozent der Befragten gab zudem als Grund an, „Angst vor der Zukunft“ zu haben.

Junge Menschen fehlt Zusammenhalt und Gemeinschaft

Gerade junge Menschen vermissten Zusammenhalt und Gemeinschaft, erklärt Reinhardt. Offenbar treffe man sich eher in der digitalen Welt und weniger draußen, um gemeinsam etwas zu unternehmen. In der Corona-Pandemie habe sich das Problem verstärkt. Vielen sei klar, dass Freunde auf Facebook oder Instagram nicht reichten, sagt Reinhardt. „Das ersetzt nicht die Freunde, auf die man sich auch dann verlassen kann, wenn Fragen zum Leben da sind, wenn die Unsicherheit groß ist und wenn man vielleicht einfach Spaß haben möchte.“ Der Ukraine-Krieg spiele für die Umfrageergebnisse dagegen keine große Rolle.

Die junge Generation strebe nach Sicherheit, auch in der Arbeitswelt, stellt der Zukunftsforscher fest. „Das Beamtentum erlebt eine Renaissance“, so Reinhardt. In den Jahrzehnten davor habe dagegen der Wunsch dominiert, die Welt zum Besseren zu verändern. Jetzt seien die 18- bis 34-Jährigen zurückgewandt. „Es ist auch eine Generation, die komplett gepampert wurde von ihren Eltern“, merkt der 51-jährige Professor an.

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